Bei „Die Höhle der Löwen“ war Wisefood abgeblitzt – inzwischen befeuern eine neue Rezeptur und die Aussicht auf Plastikverbote die Umsätze. 

Beim Geschmackstest in der Gründer-Show „Die Höhle der Löwen“ war Wisefood noch krachend durchgefallen. „Gruselig“, urteilte Carsten Maschmeyer in der im Herbst 2018 ausgestrahlten Folge über den essbaren Strohhalm, der Trinkröhrchen aus Plastik ersetzen soll. Auch bei Gastronomen blitzte das in München ansässige Start-up reihenweise ab: Zu schnell lösten sich die Produkte in Getränken auf. „Es gab zweifelsohne viele bittere Momente“, sagt Gründer Philipp Silbernagel. „Ich war aber überzeugt, dass die Idee richtig ist“

Die anfänglichen Rückschläge spornte das Gründerteam an. Tage- und nächtelang experimentierte das Trio, um die Rezeptur zu verbessern. Die Hauptzutaten: Getreide und Apfeltrester – also Pressrückstände aus der Saftproduktion. Zunächst habe man mit Nudeldrehmaschinen im Büro, später dann mit größeren Maschinen im Labor des Deutschen Instituts für Lebensmittel experimentiert, sagt Silbernagel. Inzwischen sollen die „Superhalme“ bei Getränken mit Raumtemperatur eine Stunde halten – und auch geschmacklich punkten.

Der Durchhaltewille zahlt sich inzwischen auch finanziell aus: Nach eigenen Angaben hat Wisefood im vergangenen Jahr 50 Millionen Trinkhelfer verkauft. Das inzwischen zehnköpfige Start-up hat zudem gerade eine Finanzierungsrunde in nicht genannter Höhe abgeschlossen. Unter den Investoren ist neben mehreren Business Angels aus dem Investorennetzwerk BayStartUP auch Delivery Hero. Mit den 30 Lieferdiensten weltweit ist das Unternehmen für das Start-up ein hochattraktiver Gesellschafter. „Wir hoffen natürlich, von den Kontakten zu Restaurants zu profitieren“, sagt Silbernagel.

Auch Löffel sollen plastikfrei werden

Tatsächlich steuern Gastronomie- und Hotelbetriebe den größten Teil des zuletzt siebenstelligen Umsatzes bei. Zu den Referenzkunden zählen etwa die Hotelkette Ibis und die Accor-Grupp mit ihren Marken Mercure und Novotel. Zu finden sind die Superhalme, die für Gewerbebetriebe aktuell fünf Cent pro Stück kosten, auch im Groß- und Einzelhandel. Bundesweit auf sich aufmerksam gemacht hat das Start-up Ende Dezember, als die „Superhalme“ als Aktionsprodukt bei Aldi Nord und Süd angeboten worden war. Zustande gekommen war das dank einer Vermittlungsarbeit des Münchener Accelerator-Programms Techfounders, bei dem die Discounter zu den Kooperationspartnern aus der Unternehmenswelt gehören.

Mit der aktuellen Finanzierungsrunde will Wisefood nun sein Portfolio erweitern. Das erste neue Produkt, das derzeit bereit erprobt wird, sei ein Löffel. „Wir haben die Mission, Marktführer für essbares, kleinteiliges Einweggeschirr zu werden“, sagt Silbernagel. Die Herausforderung:  Für neue Formen muss jedes Mal die Rezeptur angepasst werden. Produzieren lässt Wisefood bei Partnerunternehmen in Deutschland in Italien – diese bekommen eine fertige Mischung vom Start-up.

Trend zu nachhaltigen Verpackungen

Der Bedarf an umweltfreundlichen Alternativen zu Plastik-Essgeschirr sei groß, sagt Silbernagel. Einerseits werde das für viele Gastronomen zum Image-Faktor. Andererseits müssen im kommenden Jahr ohnehin Alternativen her: Dann greift das von der EU beschlossene Plastikverbot. Wisefood positioniert seine Halme deswegen als hochwertigere Alternative zu Papierprodukten und wirbt mit der Kompostierbarkeit. Erkenntnisse darüber, in wie vielen Fällen die Trinkröhrchen tatsächlich gegessen werden, habe man bislang nicht, so Silbernagel.

Umweltfreundlichen Verpackungen für Lebensmittel haben sich auch andere deutsche Start-ups verschrieben – und finden auch immer wieder den Weg zu „Die Höhle der Löwen“.  Dazu zählt etwa Rezemo: Das Stuttgarter Start-up stellt Kaffeekapseln aus Holz her.