Eine Kita lohnt nicht für jedes Unternehmen

„Eine Betriebskita ist teuer und administrativ hoch aufwendig“, bestätigt auch Regina Ahrens, Geschäftsführerin des Forschungszentrums Familienbewusste Personalpolitik in Münster, „aber sie kann sich lohnen: Schließlich ist die Frage der Kinderbetreuung für immer mehr Arbeitnehmer ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl des Arbeitsplatzes.“ Untersuchungen haben zudem ergeben, dass Mitarbeiter einer familienbewussten Firma in Sachen Motivation und Produktivität weit vorne liegen.

Doch so positiv das auch klingt, jedes Unternehmen müsse sich ganz genau überlegen, ob sich eine eigene Kita wirklich lohne, sagt die Expertin. Nicht nur die Altersstruktur der Beschäftigten müsse stimmen: „Dies ist gerade bei Start-ups ja meistens der Fall, viele Mitarbeiter sind in einem Alter, in dem sie an Kinder denken“, sondern auch die Größe des Unternehmens. Bei kleinen Unternehmen sei eine eigene Kita eher nicht sinnvoll. „Das wäre eine fatale Investition, wenn die angebotenen Plätze hinterher gar nicht genutzt werden“, sagt Regina Ahrens.

Hinzu komme die Frage nach der kommunalen Betreuungsstruktur: In welchem Bundesland, in welcher Region genau befindet sich das Start-up? Ist es dort tatsächlich schwer, einen Kita-Platz zu bekommen?

Andere Start-ups zeigen Interesse

„Aber unabhängig davon, wie die Bedarfsanalyse ausfällt, sollte sich jedes Unternehmen Gedanken um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf machen. Dabei muss es nicht immer eine eigene Kita sein, die Alternativen sind vielfältig.“ Eine Lösung für kleine Start-ups kann zum Bespiel die Anmietung von Belegplätzen in bereits bestehenden Kitas sein oder das Einstellen von Tageseltern. Dabei werden in der Regel die Räumlichkeiten vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt. Die Tageseltern werden über Elternbeiträge und durch das Jugendamt kofinanziert.

Albrecht von Sonntag jedenfalls würde die Kita trotz aller Schwierigkeiten und Auflagen wieder einrichten. Und auch andere scheinen sich für das Konzept zu interessieren. Bei Idealo haben sich seit der Eröffnung vor wenigen Wochen bereits drei Start-ups gemeldet, die ebenfalls mit dem Gedanken an eine eigene Kita spielen.