In Ihrem Gutachten nennen Sie auch langwierige Lizenzverhandlungen zwischen Gründern und Forschungseinrichtungen als Hemmnis. Wo liegt genau das Problem?
Im Prinzip ist es so, dass die Hochschulen das intellektuelle Eigentum an Entdeckungen besitzen, die ihre Wissenschaftler machen. Wollen diese ihre Forschung kommerzialisieren, müssen sie also mit den Universitäten verhandeln. Das kann sehr lange dauern, was zum einen abschreckt, zum anderen aber auch dazu führt, dass Innovationen zu spät auf den Markt kommen.

Wie ließe sich die Situation verbessern?
Die Technologietransferstellen der Hochschulen könnten sich an der Praxis in den USA orientieren. Dort gibt es standardisierte Lizenzverträge, die Gründer nutzen können. Das bedeutet nicht, dass keine individuellen Vereinbarungen mehr möglich sind – reduziert aber in vielen Fällen den bürokratischen Aufwand erheblich.

Sie sprachen Exit-Chancen an. Für viele Gründer mag diese Option wichtig sein – und vor allem US-Unternehmen kaufen ja auch in Deutschland gerne zu. Aber wäre es nicht besser, wenn mehr Start-ups unabhängig bleiben und selbst zu Branchenriesen reifen würden?
Tatsächlich geht volkswirtschaftlich viel Potenzial verloren – vor allem dann, wenn die Käufer aus den USA kommen. Exits sind für Gründer aber oft deswegen die beste Option, weil sie in Deutschland immer noch Schwierigkeiten haben, richtig große Finanzierungsrunden zu stemmen. Wenn ein Geschäft richtig heraufskaliert werden soll, liegt der Kapitalbedarf aber schon mal bei 30 bis 80 Millionen Euro.

In anderen Ländern gelingen solchen Finanzierungsrunden durchaus. Warum in Deutschland nur selten?
Der Anteil der Wagniskapitalinvestitionen am BIP liegt in Deutschland bei gerade einmal 0,035 Prozent. In den USA und Israel sind es 0,4 Prozent. Das ist ein klarer Wettbewerbsnachteil. Nötig ist deswegen aber nicht unbedingt mehr staatliches Kapital, vielmehr müssen die Rahmenbedingungen für private Investoren verbessert werden. Eine Stellschraube ist beispielsweise das Steuerrecht.

In den USA sind Pensionsfonds ein wichtiger Geldgeber der Tech-Industrie. Hierzulande dürfen zum Beispiel Lebensversicherer ihre Rücklagen nicht zu riskant anlegen. Die Bundesregierung will Start-up-Finanzierungen nun über einen nationalen Digitalfonds ermöglichen – so sieht es zumindest der Koalitionsvertrag vor. Ein richtiger Ansatz?
Ja, durchaus. Es ist ja nicht so, dass Politiker keine guten Konzepte hätten, um Start-ups stärker zu unterstützen. Auch die Idee, in sogenannten Reallaboren regulatorische Anforderungen bei innovativen Technologien zeitweise zu senken, begrüßen wir ausdrücklich. Das Problem an all den Konzepten ist oft, dass es an der Umsetzung dann hapert. Die Politik muss schneller und verlässlicher liefern.

Vielen Dank für das Gespräch.