Das Start-up und der Logistikriese wollen Paketlieferdrohnen gemeinsam weiterentwickeln – und Anwendungen abseits der Gesundheitsbranche testen.

Die Praxistauglichkeit seiner Frachtdrohen hat das Darmstädter Start-up Wingcopter schon mehrfach unter Beweis bestellt: Für den Pharmakonzern Merck wurden etwa Laborproben zwischen zwei Produktionsstätten hin- und hergeflogen, in Malawi wurden Medikamente in vom Hochwasser abgeschnittene Gegenden geliefert. Künftig könnten die unbemannten Fluggeräte in den USA in größerem Stil eingesetzt. Denn: Wingcopter ist dort eine Kooperation mit dem Logistikriesen UPS eingegangen, wie das Start-up nun mitteilte.

Demnach wollen beide Unternehmen darauf hinarbeiten, dass die in Deutschland entwickelten Drohnen für kommerzielle Lieferflüge zugelassen werden. UPS hat eigenen Angaben zufolge bereits eine Zertifizierung erhalten, die dem Unternehmen grundsätzlich kommerzielle Drohnenlieferungen an Verbraucher erlaubt. Bisher setzt der Logistiker vor allem auf Drohnen des US-Start-ups Matternet, das unter anderem auch mit der Schweizer Post zusammenarbeitet.

Gegenüber den „Quadracoptern“ kann Wingcopter mit einer größeren Reichweite und einer höheren Zuladung von bis zu sechs statt nur zwei Kilogramm punkten. Zu verdanken ist das der besonderen Konstruktion: Zwar starten die Drohnen ebenfalls senkrecht, bewegen sich im Vorwärtsflug aber wie ein Flugzeug mit starren Tragflächen fort. Die Rotoren werden dazu um 90 Grad gedreht. Ein ähnliches Prinzip nutzt auch das Flugtaxi-Start-up Lilium.

Ankündigung bleibt vorerst vage

Wingcopter gibt an, gemeinsam mit dem Logistikunternehmen auch neue Drohnen entwickeln zu wollen. „Die strategische Partnerschaft mit UPS wird unser Wachstum und unsere globale Expansion weiter beschleunigen“, sagt Wingcopter-Chef Tom Plümmer. Details zur Kooperation wollte das Start-up auf Nachfrage mit Verweis auf Verschwiegenheitsvereinbarungen nicht nennen. Unklar bleibt auch, ob sich UPS finanziell an Wingcopter beteiligt.

Ende des vergangenen Jahres hatte das Start-up sich mit Corecam Capital Partners erstmals einen institutionellen Investor an Bord geholt. Anfang des Monats teilte Wingcpoter mit, dass die in Singapur ansässigen Vermögensverwaltung ihr „mehrere Millionen Euro“ schweres Investment noch einmal aufgestockt habe.

Den damaligen Angaben zufolge beschäftigt Wingcopter aktuell 45 Mitarbeiter und will das Team in den kommenden Monaten auf 70 Mitarbeiter vergrößern. Durch die Kooperation mit UPS werde man nun stärker in den USA präsent sein, „unter anderem auch im Hinblick auf die nächste Finanzierungsrunde“, erklärte Wingcopter nun auf Anfrage.

Starkes Marktwachstum erwartet

UPS bietet seit dem vergangenen Jahr kommerzielle Drohnen-Lieferflüge an. Den Unternehmensangaben zufolge wurden bisher Tausende medizinische Proben zwischen einem Krankenhaus in North Carolina und weiteren Einrichtungen des Campuses transportiert. Sondiert werde auch der Einsatz von Drohnen für die Auslieferung verschreibungspflichtiger Medikamente in Wohngebiete. Künftig soll es zudem Angebote für andere Branchen wie den Einzelhandel geben.

Obgleich vielfach regulatorische Details noch unklar sind, bescheinigen Experten Lieferdrohnen eine rosige Zukunft. So geht die in Dublin ansässige Marktforschung Research And Markets davon aus, dass die Umsätze der Gesamtbranche bis 2024 um jährlich 20 Prozent steigen und dann ein Volumen von 43 Milliarden Dollar erreichen. Neben Logistikern wie UPS oder DHL experimentieren E-Commerce-Riesen wie Amazon intensiv mit Drohnen.

Hinzu kommen Start-ups, die sich auf die Zustellung aus der Luft konzentrieren. Dazu gehört etwa Zipline. Das 2014 in San Francisco gegründete Unternehmen stellt mit seinen Drohnen, die zum Starten eine Rampe nutzen, unter anderem in Ruanda und Ghana medizinische Produkte zu. Vor einem Jahr hatte Zipline 190 Millionen Dollar von Wagniskapitalunternehmen bekommen – und angekündigt, auch in den USA nun Pilotprogramme zu beginnen.