Rocket Internet hat in seinem Jahresbericht einige Kennzahlen von Start-ups wie HelloFresh, Lamora oder auch Westwing veröffentlicht. Was die Bilanzen verraten.

Millionen-Minus wegen Börsengang: Unter dem Strich machte Rocket Internet im Jahr 2014 einen Nettoverlust von 20 Millionen Euro. Das gab der Start-up-Inkubator am Dienstag bei seiner Bilanzpressekonferenz bekannt. Demnach stieg der Umsatz zwar um fast die Hälfte auf 104 Millionen Euro, doch bei dem Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) verzeichnete das Unternehmen ein Minus von 91 Prozent. Netto verbuchte der Konzern sogar ein Minus von 112 Prozent. Als Grund dafür nannte Rocket die Kosten für den Börsengang.

Doch die Bilanz von Rocket Internet gab nicht nur einen Einblick in die Welt der Start-up-Schmiede. Erstmals gab das Unternehmen auch einige Kennzahlen zu Beteiligungen wie HelloFresh, Foodpanda, Home24 oder auch den fünf Zalando-Klonen der Global Fashion Group bekannt – den „Proven Winners“, wie es bei Rocket so schön heißt. Diese Unternehmen definiert der Start-up-Inkubator so: Sie existieren seit mindestens zwei Jahren oder haben mehr als 50 Millionen Euro an Umsatz erwirtschaftet und bei ihrer letzten Finanzierungsrunde mehr als 100 Millionen Euro eingenommen.

Doch wie gut stehen die „Proven Winners“ eigentlich da? WirtschaftsWoche Gründer hat ausgewertet, wie die Bilanzen der einzelnen Start-ups aussehen.

Home24

Branche
E-Commerce (Möbel)

Anteil von Rocket Internet
49,6 Prozent

Was macht das Start-up genau?
Home24 ist ein Onlinemöbelhaus, das nach Angaben von Rocket Internet eine Auswahl von 130.000 Produkten bietet. Home24 ist in Deutschland, Frankreich, Österreich, den Niederlanden, der Schweiz, Belgien, Italien und Brasilien aktiv. Insgesamt soll es eine Million Nutzer weltweit haben. Das 2009 gegründete Unternehmen wird von Rocket selbst mit einem derzeitigen Wert von 819 Millionen Euro beziffert. Wie dieser Wert zustande kommt, schreibt die Start-up-Schmiede allerdings nicht.

Wie sieht die Bilanz aus?
Auf den ersten Blick ganz gut. Home24 konnte seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 73 Prozent auf 160 Millionen Euro steigern. Im Vorjahr waren es 93 Millionen Euro. Auch beim Bruttogewinn konnte Home24 deutlich zulegen und verzeichnete dort mit 59 Millionen Euro ein Plus von 62 Prozent.

Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) lag allerdings deutlich im Minus. Das ist für junge Unternehmen zwar nicht ungewöhnlich. Allerdings hat sich das EBITDA seit 2013 noch einmal um 42 Prozent verschlechtert und liegt nun bei einem Minus von 54 Millionen Euro. Rocket Internet argumentiert, dies sei eine Verbesserung, da sich die EBITDA-Marge verbessert habe. Die Aussagekraft dieser ist jedoch umstritten. An den reinen Zahlen gemessen – ein Minus von 38 Millionen Euro im Jahr 2013 und ein Minus von 54 Millionen Euro im Jahr 2014 – bleibt unter dem Strich ein deutlicher Verlust.

Kennzahlen auf einen Blick
EBITDA:                                 minus 54 Millionen Euro
Nettoumsatz:                          160 Millionen Euro
Investitionsausgaben:            5,8 Millionen Euro
Cash Position (Liquidität):      29,7 Millionen Euro

Westwing

Branche
E-Commerce (Möbel)

Anteil von Rocket Internet
31,8 Prozent

Was macht das Start-up genau?
Fast dasselbe wie Home24: Westwing verkauft Möbel online. Nur soll es mehr um Home&Living, sprich Dekoration, gehen als bei Home24. Das 2011 gegründete Start-up arbeitet nach eigener Aussage mit 4000 Händlern zusammen. Westwing verkauft seine Produkte in zwölf europäischen Ländern sowie Brasilien, Kasachstan und Russland. Westwing hat nach Rocket-Angaben mehr als eine Million Nutzer weltweit.

Wie sieht die Bilanz aus?
Nicht so gut wie bei Home24. Obwohl Westwing 2014 in neue Märkte wie Belgien, Tschechien und Polen expandierte und die Zahl der Nutzer fast verdoppeln konnte, schlagen sich die Faktoren im Umsatz nicht so deutlich nieder. Zwar konnte der Nettoumsatz um zwei Drittel auf 183 Millionen Euro zulegen. Doch wären die Kunden tatsächlich so loyal, wie Rocket in seinem Geschäftsbericht schreibt, müsste das Plus noch deutlicher ausfallen – schließlich verdoppelte Westwing die Zahl seiner Kunden nahezu.

Der Gewinn liegt wie auch bei Home24 mit 61 Millionen Euro deutlich im roten Bereich. Das ist ein Wert, der noch mal fast ein Drittel schlechter ist als im Vorjahr. Auch die Liquidität hat abgenommen, das dürfte allerdings an den Investments von Westwing liegen.

Kennzahlen auf einen Blick
EBITDA:                                 minus 61 Millionen Euro
Nettoumsatz:                          183 Millionen Euro
Investitionsausgaben:            4,7 Millionen Euro
Cash Position (Liquidität):      20,7 Millionen Euro

Dafiti

Branche
E-Commerce (Mode)

Anteil von Rocket Internet
22,6 Prozent

Was macht das Start-up genau?
Dafiti verkauft Kleidung in Südamerika. Das 2010 gegründete Unternehmen soll dort gewissermaßen das lateinamerikanische Zalando werden. Bisher versucht es das Start-up in Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien und Mexiko. Rocket wirbt damit, dass Dafiti mit 90.000 Artikeln allein in Brasilien das größte Onlineangebot der Region biete. Die Nutzerzahl liegt nach Rocket-Angaben bei 3,7 Millionen. Dafiti gehört zur Global Fashion Group, dem von Rocket Internet gegründeten Dachkonzern, unter dem die Start-up-Schmiede ihre Beteiligungen an Online-Modehändlern à la Zalando bündelt.

Wie sieht die Bilanz aus?
Kommt auf die Kennzahl an, die man betrachtet. Mit einem Umsatz von 172 Millionen Euro verbessert Dafiti seine Einnahmen um 41 Prozent. Das ist durchaus eine Hausnummer. Grund dafür ist laut Rocket Internet nicht nur eine Steigerung der Nutzerzahl, sondern auch eine durchschnittlich höhere Summe bei Bestellungen. Auch der Bruttogewinn hat um 55 Prozent auf 65 Millionen Euro hinzugewonnen.

Beim EBITDA allerdings verzeichnet Dafiti fast ein genauso großes Minus. Im vergangenen Jahr hat das Start-up 63 Millionen Euro verbrannt, das ist fünf Prozent mehr als 2013. Die Bilanz verrät allerdings auch, woran das liegen könnte: Investitionen. Konnte Dafiti 2013 noch eine Liquidität in Höhe von fast 56 Millionen Euro vorweisen, ist dieser Wert 2014 um 78 Prozent auf zwölf Millionen Euro geschrumpft.

Kennzahlen auf einen Blick*
EBITDA:                                 minus 63 Millionen Euro
Umsatz:                                  172 Millionen Euro
Investitionsausgaben:            9 Millionen Euro
Cash Position (Liquidität):      12 Millionen Euro

*Im Geschäftsbericht sind die Kennzahlen in der brasilianischen Währung Real angegeben. WirtschaftsWoche Gründer hat die Zahlen zur besseren Vergleichbarkeit nach dem aktuellen Währungskurs umgerechnet.

Lamoda

Branche
E-Commerce (Mode)

Anteil von Rocket Internet
23,5 Prozent

Was macht das Start-up genau?
Fast haargenau dasselbe wie Dafiti, nur nicht in Lateinamerika. Lamoda konzentriert sich auf Russland, Kasachstan, der Ukraine und Weißrussland. Das Unternehmen wurde 2010 gegründet und verkauft ebenfalls Kleidung, nach eigenen Angaben etwa 100.000 Produkte. Insgesamt kommt das Unternehmen auf 2,7 Millionen Nutzer. Das Start-up gehört genau wie Dafiti zur Global Fashion Group.

Wie sieht die Bilanz aus?
Beim Umsatz kann Lamoda ein dickes Plus von 84 Prozent vorweisen. Lagen die Einnahmen 2013 noch bei 90 Millionen Euro, waren es im vergangenen Jahr 167 Millionen Euro. Allerdings schreibt Lamoda wie die meisten Rocket-Start-ups rote Zahlen. Das EBITDA verschlechterte sich von 2013 noch einmal um 15 Prozent auf 39 Millionen Euro.

Kennzahlen auf einen Blick*
EBITDA:                                 minus 39 Millionen Euro
Nettoumsatz:                          167 Millionen Euro
Investitionsausgaben:            13 Millionen Euro
Cash Position:                       12 Millionen Euro

*Im Geschäftsbericht sind die Kennzahlen in der russischen Währung Rubel angegeben. WirtschaftsWoche Gründer hat die Zahlen zur besseren Vergleichbarkeit nach dem aktuellen Währungskurs umgerechnet.

Zalora

Branche
E-Commerce (Mode)

Anteil von Rocket Internet
25,5 Prozent

Was macht das Start-up genau?
Zalora ist das dritte von fünf Start-ups, die zur Global Fashion Group gehören. Genau wie Dafiti und Lamoda vertreibt es folglich Modeartikel. Der geografische Fokus liegt bei Zalora auf Südostasien. Das 2011 aufgebaute Start-up bietet seine Produkte in Indonesien, Malaysia, Singapur, Thailand, Vietnam, Brunei, Hongkong und auf den Philippinen an. In Australien und Neuseeland ist Zalora unter dem Namen The Iconic tätig. Insgesamt kommt das Start-up auf 2,7 Millionen Nutzer.

Wie sieht die Bilanz aus?
Durchwachsen. Zwar kann auch das dritte Start-up der Global Fashion Group ein klares Umsatzplus verzeichnen. Im Vergleich zum Vorjahr legten die Einnahmen um 71 Prozent auf 117 Millionen Euro zu. Doch wie so viele Rocket-Start-ups schreibt auch Zalora keinen Gewinn. Unter dem Strich machte das Onlineportal im Jahr 2014 einen Verlust von 80 Millionen Euro – fast 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Die EBITDA-Marge lag mit fast 68 Prozent immer noch deutlich im Minus.

Bei der Liquidität kommt Zalora mit 86,4 Millionen Euro vergleichsweise solide daher. Im Vorjahr waren es nur fünf Prozent mehr. Interessant: Während Rocket Internet hohe Verluste in diesem Bereich stets mit hohen Investitionen als positiv darstellt, argumentiert die Start-up-Schmiede bei Zalora, dass damit viel Geld für künftige Investitionen vorhanden sei. Wie man es dreht und wendet, Rocket Internet sieht eben immer das Positive.

Kennzahlen auf einen Blick
EBITDA:                                 minus 80 Millionen Euro
Nettoumsatz:                          117 Millionen Euro
Investitionsausgaben:            1,9 Millionen Euro
Cash Position (Liquidität):      86,4 Millionen Euro

Jabong

Branche
E-Commerce (Mode)

Anteil von Rocket Internet
21,4 Prozent

Was macht das Start-up genau?
Liefert ebenfalls Mode. Jabong ist das vierte Mitglied der Global Fashion Group. Das Liefergebiet des 2010 gegründeten Zalando-Klons: Indien. Angaben zu der Nutzerzahl des Start-ups macht Rocket Internet allerdings nicht. Einen Grund dafür nennt der Inkubator nicht.

Wie sieht die Bilanz aus?
Nicht so rosig. Der Umsatz liegt wie bei den anderen Mode-Start-ups zwar auch im dreistelligen Millionenbereich. Und auch das Umsatzwachstum ist mit 136 Prozent beeindruckend. Doch allein brutto gibt Rocket Internet für Jabong ein Minus von 22 Millionen Euro an. Beim EBITDA liegt der Verlust sogar bei 63 Millionen Euro. Damit verschlechtert sich der Wert im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um 86 Prozent.

Ein Grund dafür könnten die gestiegenen Investitionen in IT und Infrastruktur sein. Im Jahr 2014 lagen die Ausgaben mit 5,4 Millionen Euro drei Mal so hoch wie im Vorjahr. Damals hatten sie lediglich 1,8 Millionen Euro betragen. Die Liquidität schrumpfte 2014 von 117 Millionen Euro aus dem Vorjahr auf knapp 40 Millionen Euro.

Kennzahlen auf einen Blick*
EBITDA:                                 minus 63 Millionen Euro
Nettoumsatz:                          111 Millionen Euro
Investitionsausgaben:            5 Millionen Euro
Cash Position (Liquidität):      40 Millionen Euro

*Im Geschäftsbericht sind die Kennzahlen in der indischen Währung Rupie angegeben. WirtschaftsWoche Gründer hat die Zahlen zur besseren Vergleichbarkeit nach dem aktuellen Währungskurs umgerechnet.

Namshi

Branche
E-Commerce (Mode)

Anteil von Rocket Internet
34,4 Prozent

Was macht das Start-up genau?
Verkauft auch Kleidung. Deckt in der Global Fashion Group den Nahen Osten ab. Zum Absatzmarkt zählen die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi Arabien, Kuwait, Katar, Bahrain, Oman und der Libanon. Namshi bedient insgesamt 318.000 Kunden, ist also in der Global Fashion Group der kleinste Onlineshop.

Wie sieht die Bilanz aus?
Überraschend gut. Zwar generiert das 2012 gegründet Start-up mit 40 Millionen Euro geringere Umsätze als seine Konkurrenten aus der Global Fashion Group. Es verzeichnet damit allerdings ein mehr als dreifaches Einnahmenplus.

Außerdem weist Namshi mit Abstand den niedrigsten Verlust auf: Das Minus lag 2014 lediglich bei 1,4 Millionen Euro. Auch damit liegt das Start-up vor Dafiti, Lamoda, Zalora und Jabong. Gleichzeitig konnte Namshi seine Liquidität um 78 Prozent steigern, sie liegt nun bei 7,7 Millionen Euro.

Kennzahlen auf einen Blick*
EBITDA:                                 minus 1,7 Millionen Euro
Nettoumsatz:                          40 Millionen Euro
Investitionsausgaben:            1,4 Millionen Euro
Cash Position (Liquidität):      7,7 Millionen Euro

*Im Geschäftsbericht sind die Kennzahlen in der Währung der Vereinigten Arabischen Emirate Dirham angegeben. WirtschaftsWoche Gründer hat die Zahlen zur besseren Vergleichbarkeit nach dem aktuellen Währungskurs umgerechnet.

HelloFresh

Branche
Lebensmittellieferungen

Anteil von Rocket Internet
51,7 Prozent

Was macht das Start-up genau?
HelloFresh ist ein Online-Lieferservice. Das 2011 gegründete Start-up verschickt Rezeptboxen, in denen sich nicht nur die Kochanweisung, sondern auch die Zutaten für das jeweilige Gericht finden. HelloFresh liefert seine Boxen in Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Belgien, Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Australien aus. Das Unternehmen zählte 2014 nach Rocket-Angaben 172.000 Abonnenten weltweit. Das waren mehr als fünf Mal so viele wie im Vorjahr.

Wie sieht die Bilanz aus?
Keine Frage: Umsatzmäßig zählte HelloFresh 2014 zu den großen Gewinnern des Rocket-Imperiums. Das Start-up verfünffachte seine Einnahmen im vergangenen Jahr nahezu. Kam es 2013 gerade einmal auf einen Umsatz von 15 Millionen Euro, waren es 2014 schon 70 Millionen Euro.

Auch die EBITDA-Marge hat sich verbessert. Lag sie 2013 noch bei minus 45 Prozent, sank sie im vergangenen Jahr auf minus 21 Prozent. Das deutet aber auch schon die Probleme von HelloFresh an: Profitabel ist das Unternehmen noch lange nicht. Nach einem Minus von 6,5 Millionen Euro im Vorjahr verdoppelte der Lebensmittellieferant seine Verluste 2014 auf 15 Millionen Euro.

Kennzahlen auf einen Blick
EBITDA:                                 minus 15 Millionen Euro
Nettoumsatz:                          70 Millionen Euro
Investitionsausgaben:            0,7 Millionen Euro
Cash Position (Liquidität):      19,8 Millionen Euro

Foodpanda

Branche
Lebensmittel-Lieferservice

Anteil von Rocket Internet
52,1 Prozent

Was macht das Start-up genau?
Essen liefern. Anders als HelloFresh bringt Foodpanda allerdings keine Rezeptboxen, sondern Essen von mehr als 55.000 Restaurants zu seinen Kunden nach Hause. Das Start-up macht sich auf dem ganzen Globus breit: Foodpanda ist in Europa, im Nahen Osten, in Russland, in der Asien-Pazifik-Region und in Indien unterwegs. Das 2013 gegründete Unternehmen verrät allerdings nichts zu seiner Nutzerzahl.

Wie sieht die Bilanz aus?
Ganz aktuell ist die Bilanz nicht mehr, schließlich beteiligte sich Rocket Internet erst Anfang Mai an einer 100-Millionen-Euro schweren Finanzierungsrunde für das Start-up. Das dürfte sowohl die Liquidität als auch die Investitionsausgaben beeinflussen – das wird sich aber erst in einer neuen Aufstellung zeigen.

Die derzeitigen Zahlen hingegen sind nicht allzu positiv. Zwar konnte Foodpanda sein Umsatzwachstum mehr als verneunfachen und liegt nun bei einem Wert von 6,7 Millionen Euro. Das liegt allerdings auch daran, dass das Start-up 2013 gerade einmal 700.000 Euro einnahm. Das Plus kommt vermutlich vor allem durch seine insgesamt 16 (!) Akquisitionen beziehungsweise Tauschaktionen zustande.

Die Verluste sind mit 38,5 Millionen Euro demzufolge auch ziemlich hoch. Ein Grund dafür dürften die hohen Investitionen für die Zukäufe sein. Gab Foodpanda 2013 nur 400.000 Euro aus, waren es 2014 43 Millionen Euro. Dass das Unternehmen trotzdem liquide ist, liegt an diversen Finanzierungsrunden im vergangenen Jahr.

Kennzahlen auf einen Blick
EBITDA:                                 minus 39 Millionen Euro
Nettoumsatz:                          6,7 Millionen Euro
Investitionsausgaben:            43 Millionen Euro
Cash Position (Liquidität):      45 Millionen Euro

Lazada

Branche
E-Commerce

Anteil von Rocket Internet
23,8 Prozent

Was macht das Start-up genau?
Lazada kopiert Amazon in Südostasien. Das 2011 gegründete Start-up ist eine Art Online-Kaufhaus, ein Marktplatz für Drittanbieter. Es agiert in Indonesien, Malaysia, Singapur, Thailand, Vietnam, in Hongkong und auf den Philippinen. Insgesamt hat es laut Rocket-Angaben 3,9 Millionen Kunden.

Wie sieht die Bilanz aus?
Wie bei den meisten Rocket-Start-ups: Umsatz hui, EBITDA pfui. Lazada nahm zwar 136 Millionen Euro ein, schrieb aber unter dem Strich einen Verlust von fast derselben Größenordnung, nämlich 135 Millionen Euro. Das Minus hat sich damit seit 2013 noch einmal verdoppelt. Da hilft auch das Umsatzplus von gut 100 Prozent nicht. Dank einer Finanzierungsrunde Anfang Dezember, mit der das Start-up 200 Millionen Euro einnahm, ist das Unternehmen aber trotzdem flüssig. Ob die Rocket-Bewertung von fast einer Milliarde Euro gerechtfertigt ist, lässt sich allerdings anzweifeln.

Kennzahlen auf einen Blick*
EBITDA:                                 minus 135 Millionen Euro
Nettoumsatz:                          136 Millionen Euro
Investitionsausgaben:            6,1 Millionen Euro
Cash Position (Liquidität):      175 Millionen Euro

*Im Geschäftsbericht sind die Kennzahlen in der US-amerikanischen Währung Dollar angegeben. WirtschaftsWoche Gründer hat die Zahlen zur besseren Vergleichbarkeit nach dem aktuellen Währungskurs umgerechnet.

Linio

Branche
E-Commerce

Anteil von Rocket Internet
35,2 Prozent

Was macht das Start-up genau?
Genau wie Lazada: Linio ist im Prinzip der Amazon-Klon für Lateinamerika. Der Online-Marktplatz vertreibt Waren in Argentinien, Chile, Ecuador, Kolumbien, Mexiko, Panama, Peru und Venezuela. Das 2011 ins Leben gerufene Start-up kommt auf eine Million Kunden.

Wie sieht die Bilanz aus?
Wachsender Umsatz, noch stärker wachsende Verluste. Mit einem Wachstum von 29 Prozent auf 62 Millionen Euro stiegen die Einnahmen moderat, während unter dem Strich ein Minus von 54 Millionen Euro blieb – ein Anstieg von zwei Drittel im Vergleich zum Vorjahr. Warum, dazu macht Rocket Internet wie so oft keine Angaben. Die hohe Liquidität von 58 Millionen Euro lässt sich mit einer Finanzierungsrunde im Juli von – genau – 58 Millionen Euro erklären.

Kennzahlen auf einen Blick
EBITDA:                                 minus 54 Millionen Euro
Nettoumsatz:                          62 Millionen Euro
Investitionsausgaben:            1,7 Millionen Euro
Cash Position (Liquidität):      58 Millionen Euro

Jumia

Branche
E-Commerce

Anteil von Rocket Internet
direkt 8,1 Prozent, durch die African Internet Group (AIG) nochmal 20,6 Prozent

Was macht das Start-up genau?
Jumia ist Rockets dritter Amazon-Klon. Das Start-up konzentriert sich auf Afrika. Das 2012 gegründete Unternehmen liefert nach Algerien, Angola, Kamerun, Ägypten, Ghana, die Elfenbeinküste, Kenia, Marokko, Nigeria, Südafrika, Tansania und Uganda. Es fokussiert sich auf Mode und Elektronik. Jumia kommt auf 585.000 Nutzer.

Wie sieht die Bilanz aus?
Dem Umsatzwachstum von 113 Prozent steht ein prozentualer Verlust von 65 Prozent gegenüber. Insgesamt nahm Jumia 62 Millionen Euro ein. Unter dem Strich machte es allerdings ein Minus von 55 Millionen Euro. Rocket Internet glaubt aber weiter fest an das Geschäftsmodell: Erst im November steckte der Start-up-Inkubator mit anderen Investoren noch einmal 120 Millionen Euro in Jumia.

Kennzahlen auf einen Blick
EBITDA:                                 minus 55 Millionen Euro
Nettoumsatz:                          62 Millionen Euro
Investitionsausgaben:            3,9 Millionen Euro
Cash Position (Liquidität):      21,3 Millionen Euro

Was ist mit anderen gehypten Start-ups wie Helpling, Lieferheld oder Lendico?

Von Start-ups wie Helpling, Lendico oder Wimdu fehlen die Bilanzen. Rocket Internet zählt diese Start-ups nicht zu den Proven Winners, sondern zu den Emerging Stars. Und für diese Unternehmen verrät die Start-up-Schmiede zwar einige Kennzahlen zum Geschäft, aber keine Umsätze oder Gewinne beziehungsweise Verluste. Wenn man sich die Zahlen der „Gewinner“ genau anschaut, kann man nur vermuten, dass Rocket einen Grund dafür hat. Summiert man die Verluste, kommt man unter dem Strich auf ein EBITDA-Minus für die „Proven Winners“ von fast 660 Millionen Euro.