Trotzdem hat das Ehepaar den Schritt in die Unternehmensgründung gewagt. Das verdanken sie auch ihren deutschen Freunden. „Ohne Bekanntschaften ist es eher schwer, durch die Bürokratie zu kommen“, sagt Albassir. „Der Weg ist wirklich nicht kompliziert, im Gegenteil, ich empfinde es als einfach. Allerdings muss man erst einmal auf den richtigen Pfad kommen. Dafür waren meine Freunde sehr wichtig“, sagt Albassir. So haben beispielsweise ihre Kinder durch die Hilfe der Freunde direkt nach einer Woche im Land einen Schulplatz an einem Gymnasium bekommen.

Der Normalfall sieht allerdings anders aus: Syrische Freunde von Albassir, die mit ihr nach Deutschland geflohen sind, haben alles verloren. Sie waren große Unternehmer in ihrer Heimat, lebten im Wohlstand – hier fangen sie wieder von vorne an. Ohne Land- und Sprachkenntnisse sowie Freundschaften ist es allerdings schwer, etwas aufzubauen. Albassirs Freunde bemühen sich nun, Deutsch zu lernen ,und überlegen sich Alternativen. Doch das braucht Zeit.

Gefährliches Halbwissen

Für die Syrerin war neben der Hilfe ihrer Freunde vor allem die Unterstützung durch die offiziellen Beratungsstellen wichtig: „Ich kann nur jedem empfehlen, der ernsthaftes Interesse an Informationen hat, eine Beratungsstellte aufzusuchen. Es werden oft Gerüchte in Umlauf gebracht und jeder sagt etwas anderes. Auf dieses Halbwissen kann man sich nicht verlassen, da muss man den Kopf klar machen und sich an die Beratungsstellen wenden“, sagt die 46-Jährige.

Auch der Wirtschaftsexperte sieht die Verbreitung von Halbwissen als gefährlich an: „Wenn es bereits ein bestehendes Netzwerk aus Landsleuten in einer Stadt gibt, stellen wir fest, dass die Schwelle sehr hoch ist, die offiziellen Beratungsstellen aufzusuchen. Man holt sich eher den Rat von einem Freund. Problem dabei: Diese haben kein spezifisches Wissen über die institutionalisierten Abläufe und die Formalien in dem neuen Land. So verbreiten sich manchmal falsche Tatsachen.“

Beliebt sind vor allem Branchen, in denen wenig Kapital nötig ist. Dies beobachtet auch der DIHK-Vertreter Gemkow: „Die kapitalarmen Branchen sind bereits bei den Inländern sehr beliebt, noch stärker aber bei den Ausländern. Betroffen davon sind die Sektoren Dienstleistung und Handel.“

Auch die Albassirs haben sich für eine Gründung in diesem Bereich entschieden und wollen sich damit nun ein neues Leben in Deutschland aufbauen.