Es ist ein Milliarden-Geschäft: In die Sharing Economy wurden schon mehr als 15 Milliarden US-Dollar investiert.

Die meisten Firmen aus dem Bereich der Sharing-Economy sind relativ junge Unternehmen. Es sind Start-ups wie Kleiderkreisel, Food-Sharing.de, Airbnb oder Uber, die offenbar einen Nerv getroffen haben – zumindest bei Anlegern. Denn während deutsche Nutzer den Sharing-Angeboten eher skeptisch gegenüber stehen, wurden weltweit insgesamt schon mehr als 15 Milliarden US-Dollar in diesen Bereich investiert. 17 Unternehmen sind mittlerweile mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet, wie der VentureBeat-Ableger VBProfiles berichtet.

Viele Deutschen halten vom Prinzip des „Teilen und Tauschen“ dagegen wenig: Eine Umfrage der GfK für Spiegel Online zeigt, dass 84 Prozent nicht einmal den Begriff der „Share Economy“ kennt und weniger als die Hälfte überhaupt zum Anbieter werden möchte beziehungsweise bereit wäre, von den Mitmenschen etwas zu leihen oder zu mieten.

Darin zeigt sich allerdings auch der Nachholbedarf Europas: Von den 17 Unternehmen, die mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet werden, ist gerade mit dem britischen Start-up TransferWise gerade mal ein europäisches Unternehmen auf der Liste, zwölf hingegen stammen aus den USA. Eine kleine Auswahl der Start-ups aus dem Bereich der Sharing-Economy, die mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet werden.

TransferWise (GB)

Das 2011 gegründete Start-up ist seit Oktober 2013 auch in Deutschland verfügbar – und baut sein Geschäft seitdem stetig aus. In der Bundesrepublik ist das Geschäft allerdings noch überschaubar: In Berlin sollen bis Jahresende fünf bis zehn Menschen arbeiten.

Künftig sollen Zahlungen auch in Entwicklungs- und Schwellenländern möglich sein. Konkret wird das Geld nach dem Peer-to-Peer-Prinzipg nicht über eine Bank in andere Länder überwiesen, sondern mit einem Transfervolumen verrechnet. So sollen Bankgebühren und ungünstige Wechselkurse umgangen werden – an denen vor allem Banken viel Geld verdienen. Gewöhnlich betragen dieTransfergebühren 0,5 Prozent.

Für Expansion hat das Start-up allein in diesem Jahr 58 Millionen US-Dollar erhalten, unter anderem von Andreessen Horowitz und den Mitgründern von Paypal, Peter Thiel und Max Levchin.

Lyft (USA)

Für den Konkurrenten des Fahrdienstvermittlers Uber läuft es mehr als gut: Das Start-up ist drei Jahre nach seiner Gründung bereits in 65 amerikanischen Städten aktiv – und plant einen weiteren Ausbau in den USA, aber auch international. Das ist nicht wirklich verwunderlich: Erst Anfang Mai hat Lyft mehr als 100 Millionen US-Dollar von Investoren erhalten, zu ihnen zählten neben dem chinesischen Konzern Alibaba der US-Großinvestor Carl Icahn und ebenfalls Andreessen Horowitz.

Die Gerüchte über eine neue Finanzierungsrunde gab es schon im Februar. Damals berichtete die New York Times über 250 Millionen Dollar, die das Start-up gerade einsammele. Damit wäre das Start-up zwei Milliarden Dollar wert. Deutlich wird daran vor allem das enorme Wachstum des Start-ups seit 2014. In einem Interview sagte Mitgründer John Zimmer, dass der Umsatz des Unternehmens im vergangenen Jahr – ohne genaue Zahlen zu nennen – um das Fünffache gestiegen sei.

Airbnb (USA)

Statt im Hotel günstig in der Wohnung einer anderen Person schlafen und damit auch die Stadt und ihre Menschen noch viel besser kennen lernen – das ist das Konzept der Vermittlungsplattform. Dass das schief gehen kann, zeigen mittlerweile einige Gerichtsurteile. Denn selbst, wenn der Mieter vertraglich das Recht eingeräumt bekommen hat, seine Wohnung untervermieten zu dürfen, darf er die Wohnung dann nicht einem Touristen überlassen. Denn die Untervermietung sei gewöhnlich „auf gewisse Dauer“ angelegt und unterscheide sich daher von der Vermietung an Touristen (Urteil vom 8. Januar 2014, Az. VIII ZR 210/13). Sie risikieren damit eine fristlose Kündigung – zumindest in Deutschland.

In anderen Ländern läuft es besser: Nach eigenen Angaben gibt es auf der Plattform mittlerweile mehr als eine Millionen Inserate in 190 Ländern weltweit. Andreessen Horowitz scheint ein gutes Händchen für erfolgreiche Start-ups, gerade in der Sharing Economy, zu haben, auch an Airbnb ist der Investor beteiligt.

Freelancer.com (Australien)

Mehr als 15 Millionen Nutzer hat diese australische Plattform, auf der sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber finden können, nach eigenen Angaben. Damit wäre sie eine der größten Plattformen für Outsorcing und Crowdsourcing – und sie ist mit freelancer.de mittlerweile auch in Deutschland aktiv.

Zunächst ist die Mitgliedschaft kostenlos, allerdings stehen dann nicht alle Funktionen zur Verfügung, etwa ist es dann nicht möglich, auf mehr als acht Projekte zu bieten oder Überweisungen vorzunehmen. Für jeden verdienten Euro zahlt man zusätzlich eine Gebühr von zehn Prozent. Eine Premium-Mitgliedschaft gibt es für 19.95 Euro im Monat.

Etsy (USA)

Der Online-Marktplatz wurde 2005 in den New York gegründet und ist mittlerweile mit mehr als 1,8 Milliarden Dollar bewertet. Im April ist das Unternehmen für handgefertigte Produkte, Bastelbedarf und alte Sachen an die Börse gegangen. Bis Ende 2014 hatte Etsy mehr als 1,4 Millionen Verkäufer, die mehr als 29 Millionen Waren anbieten. Der Umsatz lag bei 195,6 Millionen Dollar – im Vergleich zum Vorjahr allerdings ein Minus.

Erst in dieser Woche wurde verkündet, dass das Unternehmen im September in Berlin, Dresden, Düsseldorf, Hamburg, München und Wien sogennante Popup-Stores eröffnen will, also sein Angebot in Läden präsentiert, die vorübergehend leerstehen.