Die German Start-ups Group will am 24. Juli an die Börse gehen. WiWo Gründer hat die Beteiligungen des Kapitalgebers analysiert.

Delivery Hero, Soundclound, Book A Tiger: Die German Start-ups Group wirbt vor ihrem Börsengang mit bekannten Firmennamen um potenzielle Aktionäre. Die Nachfrage nach den Papieren ist aber offenbar noch gering. Am Donnerstag gab das Unternehmen bekannt, voraussichtlich erst am 24. Juli den Sprung auf das Frankfurter Börsenparkett wagen. Ursprünglich hatte der Kapitalgeber geplant, schon am morgigen Freitag an die Börse zu gehen.

Insgesamt will das Unternehmen mit seinem Börsengang knapp 62 Millionen Euro einnehmen. Das frische Kapital will die German Start-ups Group verstärkt in junge, aufstrebende Firmen stecken. Die Zeichnungsfrist für die bis zu 22,1 Millionen Aktien sollte eigentlich am heutigen Donnerstag enden, wurde nun aber bis zu 21. Juli verlängert.

Der Preis pro Papier liegt zwischen 2,70 und 3,60 Euro. Da das Unternehmen zu 77 Prozent an die Börse geht, ergibt sich eine Marktkapitalisierung von rund 80 Millionen Euro für den Wagniskapitalgeber. Insgesamt wird die German Start-ups Group damit mit bis zu 100 Millionen Euro bewertet. Genau wie der Konkurrent Rocket Internet wird der Geldgeber zunächst im Entry Standard, dem weniger regulierten Segment der Frankfurter Börse, anfangen.

Große Start-up-Namen, wenig Details

Doch anders als beim Inkubator der Samwer-Brüder liest man wenig über das Portfolio der German Start-ups Group. Das dürfte damit zusammenhängen, dass die German Start-ups Group zwar an vielen Start-ups beteiligt ist, aber genau eine einzige Mehrheitsbeteiligung vorweisen kann. Schon vor ihrem Börsengang kündigte die Investorengruppe an, dies ändern und künftig vermehrt auch Mehrheiten an jungen Unternehmen erwerben zu wollen.

Über ihre langfristigen Ziele schreibt die German Start-ups Group: „Während die GSG beabsichtigt, die Mehrheitsbeteiligungen langfristig zu halten, plant sie die Minderheitsbeteiligungen, die nicht zu Mehrheitsbeteiligungen ausgebaut werden, nach typischerweise drei bis fünf Jahren zu veräußern.“ Diese Phase beginnt für die Beteiligungsgesellschaft im Prinzip ab jetzt, denn Christoph Gerlinger hat die Investorengruppe genau vor drei Jahren, im Mai 2012, gegründet.

In ihrem Börsenprospekt hat die Unternehmensgruppe erstmals genaue Angaben zu den bisherigen Beteiligungen und Umsätzen gemacht. WirtschaftsWoche Gründer hat sich die Informationen über die einzelnen Start-ups und die Umsätze beziehungsweise Gewinne in den Geschäftsfeldern vor dem IPO genau angeguckt.

Streuung der Beteiligungen

Die German Start-ups Group ist an 43 Unternehmen beteiligt, an 42 davon allerdings nur minderheitlich. Teils hält sie weniger als ein Prozent an den Start-ups. Die Investorengruppe versteht sich als Early-Bird-Geldgeber, sichert sich also noch im Anfangsstadium eines Unternehmens die ersten Anteile.

Im Börsenprospekt gibt der Risikokapitalgeber an, hauptsächlich Start-ups in der Wachstumsphase zu fördern. Fast zwei Drittel aller aktiven Beteiligungen (62,4 Prozent) hält der Investor demnach an jungen Unternehmen, die expandieren. Nahezu ein Viertel der Start-ups (23,4 Prozent) befinden sich hingegen noch in der Frühphase, in der das Unternehmen gegründet beziehungsweise das Produkt auf den Markt gebracht wird. Die German Start-ups Group investiert teils auch schon in der „Seed Stage“, also noch vor der Gründung. Mit diesen Start-ups (14,2 Prozent) steht der Investor noch ganz am Anfang ihres Weges.

Gerade in der Anfangsphase besteht ein erhöhtes Risiko, dass sich die jungen Unternehmen nicht durchsetzen und Pleite gehen. Für Investoren wie die German Start-ups Group oder auch Rocket Internet besteht die Kunst darin, das Potenzial eines jungen Unternehmens früh richtig einzuschätzen, um Fehlinvestitionen zu vermeiden beziehungsweise rechtzeitig zuzugreifen, wenn die Anteile eines Start-ups noch billig zu haben sind.

An fast 70 Prozent der jungen Firmen besitzt die German Start-ups Group direkte Beteiligungen. Damit erkauft sich die Investorengruppe gewöhnlich auch Anteile an dem Unternehmen und wird so Mitgesellschafter. An knapp einem Fünftel der Start-ups ist der Kapitalgeber hingegen nur indirekt beteiligt, also über ein anderes Unternehmen. Auf elf Prozent der Beteiligungen trifft laut Börsenprospekt beides zu.

Umsätze und Gewinn (EBITDA)

Interessant wird es im Börsenprospekt bei den Erlösen aus dem Geschäft mit den Start-ups. Der gewichtete durchschnittliche Umsatz* lag im Jahr 2014 demnach insgesamt bei 18,7 Millionen Euro. Dabei unterscheidet die German Start-ups Group zwischen Unternehmen, für die schon 2013 ein Umsatz sowie ein Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verfügbar waren, und Start-ups, für die das erst seit 2014 gilt.

Vergleicht man die Umsätze von den 15 Unternehmen, die schon 2013 ihre Erlöse auswiesen, mit denselben 2014, ergibt sich ein Plus von 95 Prozent. Die German Start-ups Group konnte ihre gewichteten durchschnittlichen Umsätze im vergangenen Jahr allein mit den bis dahin erworbenen Start-up-Beteiligungen also nahezu verdoppeln.

Beim gewichteten durchschnittlichen EBITDA* sieht es weniger rosig aus. Wie die meisten Start-ups in der Wachstumsphase machen auch die Beteiligungen der German Start-ups Group deutliche Verluste. Insgesamt kam die Investorengruppe 2014 auf ein Minus von rund sechs Millionen Euro mit ihren Unternehmensanteilen.

Bemüht man erneut den Vergleich zwischen den 15 Start-ups, die für 2013 und 2014 vorlegten, zeigt sich, dass die Verluste weiter gestiegen sind. Machten die besagten Unternehmen 2013 einen Verlust von 6,4 Millionen Euro, waren es 2014 schon 9,7 Millionen Euro – das Minus vergrößerte sich folglich um fast die Hälfte (45 Prozent). Zählt man für 2014 allerdings jene Start-ups hinzu, für die 2013 noch keine Bilanz vorlag, bleibt der Verlust nahezu gleich.

Schade an den Einblicken: Zwar legt die German Start-ups Group die Umsätze sowie den Gewinn von Zinsen, Steuern und Abschreibungen für einzelne Geschäftsfelder dar, nicht aber für die jeweiligen Start-ups selbst. Es bleibt zu hoffen, dass die Gesellschaft dies – ähnlich wie Rocket Internet – beim ersten Quartalsbericht nachholt.

Trotzdem verraten die vorgelegten Zahlen einiges über die Investmentstrategie der German Start-ups Group. Auf den folgenden Seiten widmen wir uns den Geschäftsfeldern – von E-Commerce über FinTech bis hin zur Sharing Economy – und ihrem jeweiligen Abschneiden.

*Die Umsätze und den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) aus ihren Beteiligungen hat die German Start-ups Group durch einen Gewichtungsfaktor für das jeweilige Segment berechnet. Dieser ergibt sich aus dem prozentualen Anteil an dem Start-up, der wiederum darauf beruht, wie hoch die German Start-ups Group ein Unternehmen bewertet.

Geschäftsfelder

E-Commerce

Die Geschäftsfelder der jungen Unternehmen, an denen die German Start-ups Group Anteile besitzt, sind breit gestreut. Eins der größten Segmente, in die der Kapitalgeber investiert, stellt der E-Commerce dar. Insgesamt kommen 17 Prozent der aktiven Vermögenswerte des Unternehmens aus Start-up-Beteiligungen in diesem Bereich.

Den gewichteten durchschnittlichen Umsatz in diesem Bereich beziffert die German Start-ups Group auf 29 Millionen Euro für das Jahr 2014. Insgesamt kommen die E-Commerce-Anbieter allerdings auf ein Minus von 1,6 Millionen Euro.

Die German Start-ups Group hält sieben Unternehmensbeteiligungen im E-Commerce (Stand: 15. Juni 2015), darunter einige prominente Namen wie Juniqe oder auch Mister Spex. Die meisten Beteiligungen bewegen sich allerdings in einem sehr niedrigen Bereich zwischen 0,08 und 1,53 Prozent der Anteile an den jeweiligen Firmen. Nur an dem Onlineshop Returbo kommt die Investorengruppe auf eine nennenswerte Beteiligung.

Unternehmensbeteiligungen:

Firma (kommerzieller Name):           Arena RK Limited (Returbo),
Geschäftsmodell:                              Onlineshop für B- und Retourwaren
Phase:                                                Wachstum
Beteiligung:                                        7,15 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           Epetworld GmbH (Hundeland und Katzenland)
Geschäftsmodell:                              Onlineshop für Tierbedarf
Phase:                                                Wachstum
Beteiligung:                                        1,53 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           Kollwitz Internet GmbH (Juniqe)
Geschäftsmodell:                              Onlineshop für Kunst auf T-Shirts und ähnlichem
Phase:                                                Früh
Beteiligung:                                        1,31 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           Mister Spex GmbH (Mister Spex)
Geschäftsmodell:                              Onlineshop für Brillen und Kontaktlinsen
Phase:                                                Wachstum
Beteiligung:                                        0,66 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           Urbanara Holding GmbH (Urbanara)
Geschäftsmodell:                              Onlineshop für Heimtextilien
Phase:                                                Wachstum
Beteiligung:                                        0,57 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           Rebuy Recommerce GmbH (Rebuy)
Geschäftsmodell:                              Onlineshop für gebrauchte Waren (An- und Verkauf)
Phase:                                                Wachstum
Beteiligung:                                        0,26 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           Hem Design Inc. (Hem)
Geschäftsmodell:                              Onlineshop für Möbel und Lifestyleutensilien
Phase:                                                Wachstum
Beteiligung:                                        0,08 Prozent

Social Network und Sharing Economy

Neben dem schon etablierten E-Commerce investiert die German Start-ups Group auch in soziale Netzwerke und in die Industrie des Teilens, besser bekannt als Sharing Economy. Allerdings ist das eher ein kleiner Bereich des Portfolios der Investorengruppe. Das Segment macht lediglich 2,1 Prozent der Vermögenswerte aus.

Die niedrigen Anteile machen sich auch bei den Erlösen bemerkbar. Der gewichtete durchschnittliche Umsatz betrug für die Beteiligungen insgesamt knapp 290.000 Euro, also nur etwas mehr als eine halbe Millionen. Trotzdem kann die German Start-ups Group Verluste mit diesen Beteiligungen nicht verhindern: Die liegen mit 717.000 Euro deutlich im Minus.

Die Anteile der Investorengruppe um Christoph Gerlinger machen auch an den fünf jungen Unternehmen in einem sehr niedrigen Bereich. Abgesehen von der Charityplattform Fraisr, die sich allerdings auch noch in der Seed-Phase befindet, bleiben alle Beteiligungen unter drei Prozent.

Besonderen Gefallen scheint die German Start-ups Group an Abonnements für Kinder gefunden zu haben. Mit der Spielzeugkiste und der Wummelkiste hält die Investorengruppe gleich an zwei solcher Unternehmen eine Beteiligung. Wenn sie denn mal nicht wie der einstige Konkurrent Tollabox enden.

Unternehmensbeteiligungen:

Firma (kommerzieller Name):           Fraisr GmbH (Fraisr)
Geschäftsmodell:                              Onlineplattform für Charitythemen
Phase:                                                Seed
Beteiligung:                                        12,81 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           Circus Internet GmbH (Meine Spielzeugkiste)
Geschäftsmodell:                              Abonnements für Kinderspielzeug
Phase:                                                Seed
Beteiligung:                                        2,6 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           Surprise Internet Inc. (Wummelkiste)
Geschäftsmodell:                              Abonnements für Bastelspielzeug
Phase:                                                Früh
Beteiligung:                                        0,93 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           Wundercar Mobility Solution (Wundercar)
Geschäftsmodell:                              Onlineplattform für Mitfahrgelegenheiten
Phase:                                                Seed
Beteiligung:                                        0,76 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           Casi Nuevo Kids SL (Percentil)
Geschäftsmodell:                              Onlinemarktplatz für Kinderbekleidung
Phase:                                                Früh
Beteiligung:                                        0,70 Prozent (indirekt)

Software as a Service (SaaS), Big Data und AdTech

Drei Geschäftsfelder, die die German Start-up Group in einem Segment etwas willkürlich zusammenfasst, sind Start-ups, die sich mit Softwarelösungen, Big Data oder Werbetechnologie, auch AdTechnology oder AdTech genannt, befassen. Von den Vermögenswerten der Investorengruppe machen diese drei Themen 13,4 Prozent aus.

Die durchschnittlich gewichteten Umsätze auf den drei Feldern lagen 2014 bei 1,1 Millionen Euro. Das EBITDA geht aber auch bei Software, Big Data und AdTech deutlich ins Minus: Auch hier schrieb die German Start-ups Group mit 1,5 Millionen Euro deutliche Verluste.

In den drei Geschäftsfeldern mischt die German Start-ups Group ihre Beteiligungen munter zusammen. Unter den acht Start-ups befinden sich sowohl Tools für Hotelbewertungen als auch Videosoftware, Appmarketing und sogar eine Inkubationsgesellschaft. An letzterer hält die Investorengruppe in diesem Bereich die meisten Prozente. Die anderen Start-up-Beteiligungen liegen zwischen 0,83 und 5,7 Prozent.

Unternehmensbeteiligungen:

Firma (kommerzieller Name):           Necker Island Cofounding GmbH (noch offen)
Geschäftsmodell:                              Inkubationsgesellschaft
Phase:                                                Seed
Beteiligung:                                        11,70 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           Datapine GmbH (Datapine)
Geschäftsmodell:                              Analyse und Visualisierung von Unternehmensdaten
Phase:                                                Früh
Beteiligung:                                        5,70 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           TV Smiles GmbH (TV Smiles)
Geschäftsmodell:                              Bonusprogramm für TV-Werbung
Phase:                                                Früh
Beteiligung:                                        5,28 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           Demoup GmbH (Demoup)
Geschäftsmodell:                              Produktvideos für Onlineshops
Phase:                                                Seed
Beteiligung:                                        4 Prozent (indirekt)

Firma (kommerzieller Name):           Itembase Inc. (Itembase)
Geschäftsmodell:                              Organisationstool für Onlinekäufe
Phase:                                                Früh
Beteiligung:                                        3,84 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           CA Customer Alliance GmbH (Customer Alliance)
Geschäftsmodell:                              Tool für Hotelbewertungen und Vertrieb
Phase:                                                Früh
Beteiligung:                                        2,54 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           Remerge GmbH (Remerge)
Geschäftsmodell:                              Appmarketing und Retargeting
Phase:                                                Seed
Beteiligung:                                        1,59 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           Cybits Holding AG (Cybits)
Geschäftsmodell:                              Personenidentifizierung im Internet
Phase:                                                Wachstum
Beteiligung:                                        0,83 Prozent plus Wandelanleihe

Online Services

Die German Start-ups Group setzt in diesem Bereich auf Dienstleistungen über das Internet. Die Online Services, wie sie im Börsenprospekt so schön heißen, machen gut ein Zehntel (12,2 Prozent) der aktiven Vermögenswerte der Investorengruppe aus. Unter dem sperrigen Ausdruck fasst der Risikokapitalgeber Beteiligungen an namhaften Start-ups wie Book A Tiger und Delivery Hero zusammen.

So mag es kaum verwundern, dass das Geschäftsfeld mit den Dienstleistungen mit Abstand den größten durchschnittlich gewichteten Umsatz der German Start-ups Group ausmacht. Zumindest auf den ersten Blick. Insgesamt lagen die Erlöse der Online Services im Jahr 2014 bei 63 Millionen Euro – so hoch wie in keinem anderen Bereich. Allerdings macht die Investorengruppe auch in keinem anderen Geschäftsfeld so hohe Verluste, wie der zweite Blick zeigt: 2014 kamen die Start-ups auf ein Minus von 27 Millionen Euro.

Und auf den dritten Blick lässt sich feststellen, dass bei den Start-ups große Namen dabei sind – aber nur kleine Beteiligungen. An der Buchungsplattform Ewings hält die German Start-ups Group immerhin noch 2,8 Prozent, am Putzportal Book A Tiger sind es nur noch 1,36 Prozent und bei dem hoch finanzierten Lieferdienst Delivery Hero, den die German Start-ups Group gerne mit auf die Liste ihrer wichtigen Investments setzt, sind es winzige 0,06 Prozent – und das auch nur indirekt.

Unternehmensbeteiligungen:

Firma (kommerzieller Name):           Medlanes GmbH (Medlanes)
Geschäftsmodell:                              Medizinische Onlineberatung
Phase:                                                Seed
Beteiligung:                                        3,55 Prozent (indirekt)

Firma (kommerzieller Name):           Ewings.com GmbH (Ewings)
Geschäftsmodell:                              Onlineplattform für Flugbuchungen
Phase:                                                Seed
Beteiligung:                                        2,8 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           Meinkauf GmbH (Meinkauf)
Geschäftsmodell:                              Plattform für digitale Werbeprospekte
Phase:                                                Seed
Beteiligung:                                        1,73 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           BAT Household Services GmbH (Book A Tiger)
Geschäftsmodell:                              Onlinevermittlung für Putzhilfen
Phase:                                                Früh
Beteiligung:                                        1,36 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           Delivery Hero Holding GmbH (Lieferheld)
Geschäftsmodell:                              Onlinelieferdienst
Phase:                                                Wachstum
Beteiligung:                                        0,06 Prozent (indirekt)

Digital Content, Publishing und Kundenbeziehung

Auch für sein fünftes Geschäftsfeld hat sich die German Start-ups Group einen sperrigen Namen ausgedacht: Digitale Inhalte, Verlagswesen und die Pflege der Kundenbeziehung. Hinter den drei Themen verstecken sich die unterschiedlichsten Geschäftsmodelle – wie auch schon der Name vermuten lässt: ein digitales Bonusprogramm namens Fanmiles, eine Onlinesprachschule namens Lingoda, ein mobiles Marktforschungs-Start-ups namens Dalia Research und auch die in Berlin gegründete Musikplattform Soundcloud.

Obwohl die German Start-ups Group nur fünf Beteiligungen in diesem Segment hält, machen sie mit 29,7 Prozent den größten Anteil an den aktiven Vermögenswerten der Investorengruppe aus. Beim gewichteten durchschnittlichen Umsatz findet sich dieser Wert allerdings nicht wieder. Mit Erlösen von etwa 330.000 Euro im Jahr 2014 bleibt das Segment weiter anderen Geschäftsfeldern zurück und bringt nach den sozialen Netzwerken und der Sharing Economy am wenigsten ein. Insgesamt machte die German Start-ups Group mit den Start-ups für digitale Inhalte, für das Verlagswesen und für die Pflege der Kundenbeziehungen im vergangenen Jahr ein Minus von 1,4 Millionen Euro.

Da kann auch die winzige Beteiligung am Vorzeige-Start-up Soundcloud wenig helfen. Die (einzige) Mehrheitsbeteiligung im Portfolio, Exozet, gehörte 2014 allerdings auch noch nicht zum Portfolio. Im laufenden Jahr dürften die Zahlen daher deutlich anders aussehen. Das zeigt sich schon daran, dass die German Start-ups Group im Börsenprospekt angibt, dass Exozet inzwischen 15,7 Prozent ihrer Vermögenswerte ausmacht. Das bedeutet auch: Scheitert das Start-up, dürfte der Kapitalgeber das zu spüren bekommen.

Unternehmensbeteiligungen:

Firma (kommerzieller Name):           Exozet Berlin GmbH (Exozet)
Geschäftsmodell:                              Technologie- und Kreativagentur für digitale Medien
Phase:                                                Wachstum
Beteiligung:                                        50,48 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           Lingoda GmbH (Lingoda)
Geschäftsmodell:                              Onlinesprachschule
Phase:                                                Früh
Beteiligung:                                        0,9 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           Dalia Research GmbH (Dalia Research)
Geschäftsmodell:                              Lösungen für mobile Marktforschung
Phase:                                                Seed
Beteiligung:                                        0,78 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           Fanmiles GmbH (Fanmiles)
Geschäftsmodell:                              Digitales Bonuspunkteprogramm
Phase:                                                Früh
Beteiligung:                                        0,24 Prozent (indirekt)

Firma (kommerzieller Name):           Soundcloud Limited (Soundcloud)
Geschäftsmodell:                              Musikplattform und Community
Phase:                                                Wachstum
Beteiligung:                                        0,2 Prozent (indirekt)

Hightech und andere Felder

Zahnarztkette, Schlackeaufbereitung, Solar-Turmanlagen: Die German Start-ups Group konzentriert sich bei ihren Beteiligungen nicht nur auf Apps und Onlineplattformen, sondern wagt sich auch an komplexe Industrieunternehmen. Sie machen insgesamt 10,4 Prozent der Vermögenswerte der German Start-ups Group aus.

Ausgerechnet in einem Segment, der für Start-ups als schwieriges Pflaster bei der Investorensuche gilt, erzielt der Kapitalgeber mit 6,3 Millionen Euro den dritthöchsten gewichteten durchschnittlichen Umsatz. Und nicht nur das: Mit den Hightech-Firmen macht die German Start-ups Group auch als einziges Geschäftsfeld Gewinn. Unter dem Strich stand 2014 ein Plus von knapp 420.000 Euro. Das sollte vielleicht auch anderen Geldgebern zu denken geben.

Dabei dürften die Namen von Start-ups wie Dr. Z, Ceritech oder Pyreg höchstens fachnahen Experten geläufig sein. Die Beteiligungen der German Start-ups Group liegen vielleicht auch deshalb in diesem Segment nur im einstelligen Prozentbereich. Hightechunternehmen gelten unter Investoren schließlich immer noch als Risiko.

Unternehmensbeteiligungen:

Firma (kommerzieller Name):           Dr. Z Beteiligungs- und Verwaltungsgesellschaft GmbH (Dr. Z)
Geschäftsmodell:                              Zahnarztkette mit dem Angebot „Zahnersatz ohne Zuzahlung“
Phase:                                                Wachstum
Beteiligung:                                        4 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           Pyreg GmbH (Pyreg)
Geschäftsmodell:                              Karbonisierungsanlage zur Schlackeaufbereitung
Phase:                                                Früh
Beteiligung:                                        2,53 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           Ceritech AG (Ceritech)
Geschäftsmodell:                              Gewinnung seltener Erden
Phase:                                                Seed
Beteiligung:                                        2,24 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           Solar Tower Technology AG (Solar Tower Technology)
Geschäftsmodell:                              Konzepte für Solar-Turmanlagen
Phase:                                                Früh
Beteiligung:                                        1,07 Prozent

FinTech

Wie Rocket Internet und viele andere Kapitalgeber glaubt auch die German Start-ups Group an Start-ups in der Finanzbranche. Dafür hat sich der Risikokapitalgeber Anteile an neun Nischenanbietern in dem Geschäftsfeld gesichert. Insgesamt macht FinTech 15,2 Prozent der aktiven Vermögenswerte des Investors aus.

Mit den Beteiligungen an den jungen Finanzunternehmen kam die German Start-ups Group im Jahr 2014 auf einen gewichteten durchschnittlichen Umsatz von rund 900.000 Euro. Seitdem sind noch einmal drei Start-up-Beteiligungen hinzugekommen. Insgesamt fuhren die damaligen FinTech-Firmen allerdings ein Minus von knapp zwei Millionen Euro ein.

Wie auch in den meisten anderen Bereichen hält die German Start-ups Group auch bei den FinTech-Start-ups nur in einem Fall eine zweistellige Beteiligung. Zu den bekannteren Namen unter den potenziellen Disruptern der Bankenwelt zählt das Start-up Friendsurance, das das Verleihen von Geld unter Freunden vereinfachen soll. Abgesehen davon befinden sich fünf der neun Start-ups noch in der Seedphase, zwei von ihnen haben nicht einmal einen kommerziellen Namen gefunden. Für eine Bewertung der Start-ups ist es daher definitiv zu früh.

Firma (kommerzieller Name):           Baja California Cofounding GmbH (noch offen)
Geschäftsmodell:                              Inkubationsgesellschaft
Phase:                                                Seed
Beteiligung:                                        11,7 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           Funanga AG (Funanga)
Geschäftsmodell:                              Digitale Prepaid-Bezahllösungen
Phase:                                                Seed
Beteiligung:                                        8,73 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           Scalable Capital GmbH (noch offen)
Geschäftsmodell:                              Online-Assetmanagement
Phase:                                                Seed
Beteiligung:                                        3,31 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           Simplesurance GmbH (Schutzklick)
Geschäftsmodell:                              Sachversicherungen zur Einbindung in Onlineshops
Phase:                                                Früh
Beteiligung:                                        2,68 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           Mysafetynet Limited (Friendsurance)
Geschäftsmodell:                              Onlineversicherungen zwischen Konsumenten (sogenannte Peer-to-Peer-Versicherungen)
Phase:                                                Wachstum
Beteiligung:                                        2,47 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           CRX Markets AG (CRX Markets)
Geschäftsmodell:                              Finanzhandelsplattform (Supply Chain)
Phase:                                                Seed
Beteiligung:                                        2,44 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           Covomo Versicherungsvergleich GmbH (Covomo)
Geschäftsmodell:                              Onlinevermittler für Reiseversicherungen
Phase:                                                Seed
Beteiligung:                                        1,71 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           Ayondo Holding AG (Ayondo)
Geschäftsmodell:                              Differenzkontrakte und Social Trading
Phase:                                                Wachstum
Beteiligung:                                        0,57 Prozent

Firma (kommerzieller Name):           Savedo GmbH (Savedo)
Geschäftsmodell:                              Onlinemarktplatz für Festgeldanlagen
Phase:                                                Früh
Beteiligung:                                        Wandeldarlehen

Was zeigen die einzelnen Beteiligungen an den vielen Start-ups?

Drückt man es diplomatisch aus: Die German Start-ups Group verteilt ihr Geld auf viele kleinen Beteiligungen und streut das Risiko so geschickt. Dreht man es weniger wohlwollend, könnte man dem Investor aber auch unterstellen, dass er sich keine großen Investments zutraut oder ihm bislang das Kapital für eben jene gefehlt hat – und dass er in seinen Pressemitteilungen mit großen Namen prahlt, an denen er aber nur minimale Beteiligungen hält.

Der Börsengang wird zeigen, wohin die Reise für die German Start-ups Group geht. Gelingt es dem Risikokapitalgeber, nach dem IPO vermehrt auch Mehrheitsbeteiligungen zu gewinnen und das an den richtigen Unternehmen, könnte sich die Investorengruppe von Gründer Christoph Gerlinger zu einem führenden Spieler auf dem Markt der Start-up-Beteiligungen entwickeln. Gelingt dies nicht, wird die Aktie wohl zum Pennystock verkommen.