Der Streik bei der Deutschen Post schadet nicht nur dem Dienstleister selbst. Das Start-up Studimed sieht sich in seiner Existenz bedroht – und will den Versand nun vor Gericht erzwingen.

Seit dem 10. Juni 2015 schon erhält Hendrik Loll von Studimed keine Post mehr. Das ist für den Gründer nicht nur ärgerlich, sondern geschäftsbedrohend. „Uns entgeht das Jahresendgeschäft“, sagt er im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Lolls Agentur vermittelt Studienplätze für Human-, Zahn- oder Tiermedizin in Osteuropa und hilft bei der Wohnungssuche oder auch bei der Eröffnung eines Kontos im Ausland. Gerade jetzt wäre das Start-up auf die Deutsche Post angewiesen. Doch die liefert wichtige Anträge und Bewerbungsunterlagen aufgrund des unbegrenzten Streiks nicht mehr zuverlässig aus.

Das Problem: die Bewerbungsfristen an den Universitäten. Konkret geht es um das Ende der Bewerbungsfristen an den Universitäten in Breslau und der Lithuanian University of Health Scienes in Kaunas, die am 22. beziehungsweise am 30. Juni enden. „Wenn unsere Studierenden keinen Studienplatz bekommen, weil die beglaubigten Unterlagen und Übersetzungen nicht rechtzeitig ankommen, bekommen wir kein Geld“, sagt Loll.

Denn StudiMed vermittelt erfolgsabhängig. 20 bis 25 Briefe erhalte das Unternehmen am Tag, vor allem Bewerbungsunterlagen und neue Aufträge von zukünftigen Studierenden. „Ein Kunde zahlt bei uns zwischen 8.000 und 18.000 Euro für eine Vermittlung – und alleine an die Universität Breslau wollen wir in diesem Jahr 20 Studierende vermitteln“, erklärt der Kölner Gründer. Dadurch kämen enorme Summen zusammen, „die uns durch den Poststreik entgehen“, so Loll.

Deshalb will Loll nun per einstweiliger Verfügung die Herausgabe liegengebliebener Postsendungen erzwingen. Im Eilantrag, der WirtschaftsWoche Gründer vorliegt, heißt es: „Ich habe großen Respekt vor dem Grundrecht auf Arbeitskampf. Nur wird die Sache nun unmittelbar wirtschaftlich problematisch und droht, existenzgefährdende Dimensionen zu erhalten.“

Vorerst verschickt Loll derzeit die meiste Post mit anderen Anbietern oder per Express. Aber auch da kommen zusätzliche Kosten auf Bewerber und Unternehmer zu, da eine Expresssendung bei der Deutschen Post statt 60 Cent schon einmal zwölf Euro kosten kann. Die Post verdiene daran noch mal extra, schmipft Loll.

Warum Studimed so stark auf die Zustellung angewiesen ist, erklärt der Gründer so: Das Unternehmen erhalte die Vermittlungsanträge in der Regel per Post, weil die Verträge nur mit persönlicher Unterschrift gültig sind. Seit 10. Juni nun sei „kein einziger Vertrag“ mehr angekommen: „Ich weiß also nicht, wie viele Kunden zu Hause sitzen und darauf warten, dass die Antragstellerin sich um ihre Sachen kümmert. Um die Fristen halten zu können, muss die Antragstellerin ja zunächst einmal wissen, dass sie überhaupt Kunden hat und wer das ist“, schreibt Loll im Eilantrag.

Eine Sprecherin des Kölner Amtsgerichts bestätigte am Freitag den Eingang des Antrags. An die Post sei nun eine Aufforderung zur Stellungnahme geschickt worden – ironischerweise per Post. Nach der Zustellung des Schreibens habe die Post dann drei Tage Zeit für eine Rückmeldung, sodass nicht vor Mitte kommender Woche mit einer Entscheidung zu rechnen sei.

Ein Postsprecher wollte sich mit Blick auf das laufende Verfahren nicht äußern und teilte nur so viel mit: Trotz der Streiksituation kommen bis zu 80 Prozent aller Sendungen an. Es gebe keine Statistiken darüber, ob bestimmte Ort weniger Post erhalten als andere. Außerdem gibt es bei der Post generell keine Garantie, dass Briefe und Pakete innerhalb von ein, zwei Tagen zugestellt werden müssen, so der Postsprecher. Im Normalfall geschehe das allerdings zu 95 Prozent.