Zehn Prozent Ausfälle hat die Crowdinvesting-Plattform Seedmatch beispielsweise bei Start-ups seit Bestehen gehabt, sagt Sauer. Dort würden die Investoren das auch verstehen, aber bei Mezzany wolle man weg von diesem Risiko – Crowdfunding renditeorientierter machen.

Deshalb scheinen die meisten Plattformen auf Nummer sicher gehen zu wollen – fordern solide Erfolgsnachweise der Projektentwickler, haben selbst Immobilienprofis im Team, die das Investment bewerten können, und lassen nur fest geplante Projekte zu.

„Theoretisch besteht das Risiko des Komplettausfalls, wenn der Projektentwickler Pleite geht. Deshalb ist es auch für uns sehr wichtig zu wissen, mit wem wir es zu tun haben“, so Zinsland-Gründer von Stechow. „Dass ein erfahrener und erfolgreicher Bauunternehmer, aufgrund eines Projekts Pleite geht, ist allerdings sehr unwahrscheinlich. Trotzdem ist es möglich und wir weisen auf das theoretische Risiko hin.“

Genau jetzt ist der richtige Moment

Crowdfunding in Deutschland boomt – egal ob reward-based Funding oder Investing. Die Zuwachszahlen sind riesig. Mit dem Immobilien-Crowdinvesting traut sich die Branche nun auf einen neuen Zug aufzuspringen, der verheißungsvoll werden kann.

Die Fonds-Regulierung, die in Deutschland seit anderthalb Jahren herrsche, sei so extrem teuer und aufwendig, sodass viele Projektentwickler, die früher über Fonds oder Genussrechte Kapital eingesammelt haben, häufig von den zu hohen Kosten abgeschreckt würden, meint Aschenbeck-Florange: „Da bietet Crowdfunding noch einmal eine preiswerte Alternative.“ Zudem mangelte es in der Vergangenheit bei den Immobilienfonds häufig an Transparenz, so Sixt. „Bei den Fonds hat man ja in der Regel nicht gewusst, welche Projekte unterstützt werden. Beim Immobilien-Crowdfunding weiß man jetzt aber ganz genau, was man finanziert. Dieses System ist ganz transparent, denn je höher die Transparenz desto wahrscheinlicher die Finanzierung.“

Pluspunkte fürs Crowdinvesting also. Zudem treibt es die neue Zielgruppe der Kleinanleger auf den Immobilienmarkt – eine Chance sowohl für die Immobilien- als auch für die Crowdfundingbranche.

„Ich bin mir sicher, dass wir in den nächsten Jahren ein deutlich höheres Emissionsvolumen mit Crowdfunding in Deutschland erreichen werden – vor allem auch wegen der Immobilieninvestments“, so Mezzany-Gründer Sauer. „Wir stehen am Anfang eines Entwicklungsprozesses“, meint auch Sixt.

Der Markt scheint auch noch nicht ausgefüllt. Mindestens eine weitere deutsche Plattform wird in diesem Jahr noch auf dem Immobilien-Crowdinvesting-Markt starten: Brickgate. Das Start-up gründete sich diesen März in Berlin. Die Internetseite ist online, die Plattform allerdings noch nicht gelauncht. Derzeit ist man auf der Suche nach Mitarbeitern und Projekten – offenbar mit internationaler (englischsprachiger) Ausrichtung. Viele Infos gibt es noch nicht, aber auf Anfrage von WiWo Gründer sagte Brickgate-Gründer Patrick Böert, die Crowdinvesting-Plattform gehe „noch in diesem Jahr online“. Ein Gerücht, Rocket Internet gehöre zu den Investoren des Start-ups, wollte er nicht bestätigen. Man gebe aktuell keine Auskunft über die Investoren. Trotzdem: „Wenn Rocket Internet investiert, ist das für mich immer das Zeichen, wohin die Zukunft geht und dass diese Firma jetzt möglicherweise eine internationale Crowdfunding-Plattform für Real Estate aufbauen, ist ein Zeichen, dass diese Idee funktionieren wird und davon bin ich auch überzeugt“, sagt Crowdfunding-Expertin Sixt.

Für die Immobilien-Schwarmfinanzierung ist also genau jetzt die Zeit – was im Laufe dieses Jahres passiert, könnte die Stellschrauben setzen für den künftigen Erfolg der Branche.