Siemens feiert in diesen Tagen den Geburtstag seines Gründers. Auch heute können Start-ups von Werner von Siemens lernen.

In einem Berliner Hinterhof legte Werner von Siemens 1847 den Grundstein für einen Weltkonzern mit heute knapp 350.000 Beschäftigten – mit eigenen Innovationen. Das ist auch heute noch einer der Grundgedanken des Unternehmens: Vorstandschef Joe Kaeser hat dafür Mitte des Jahres die Start-up-Einheit Next47 auf den Weg gebracht, um „disruptive Ideen“ zu fördern.

Der Konzern lässt sich das in den kommenden Jahren immerhin eine Milliarde Euro kosten. Das erste Projekt ist ein hybrid-elektrischer Antrieb für Flugzeuge, für den Siemens mit Airbus zusammenarbeitet. Firmengründer Werner von Siemens würde das sicher gefallen, war er doch schon früh Vorbild für andere Unternehmer. Und so sind es vor allem vier Zitate, auch heute noch für junge Gründer relevant sind.

„Es kommt nicht darauf an, mit dem Kopf durch die Wand zu rennen, sondern mit den Augen die Tür zu finden.“

Werner von Siemens ging stets mit großer Hartnäckigkeit und nach Plan vor. Er ließ sich nur mit Menschen ein, denen er vertraut. So kooperierte er mit seinen Brüdern Wilhelm und Carl, mit denen er freundschaftliche verbunden war. „Wenn einer nach unserem Tode eine Geschichte der Gebrüder Siemens und deren Emporkommens schreiben will, so wird er in den Briefen gutes Material finden,“ schreibt er in einem seinen unzähligen Briefe, die er mit der ganzen Familie austauschte. Insgesamt hatte er sieben Brüder, zwei Schwestern, sechs Kinder, drei Töchter und drei Söhne.

„Für augenblicklichen Gewinn verkaufe ich die Zukunft nicht.“

Von Beginn an setzte Werner von Siemens auf seinen unternehmerischen Erfolg – mit einer Weltfirma. „Das ist sein großer Traum“, schreibt seine Nachfahrin Nathalie von Siemens heute. Er wollte „echte Produkte schaffen für echte Menschen mit echtem Nutzen“. Diese sollten möglichst gesellschaftsverändernd sein, sogar revolutionär. Aber was von Siemens bei seinen Plänen niemals vergaß: Alle Innovationen sollten solide sein.

 „Wenn die Leute nicht Gelegenheit haben, sich bei Ehren und Sorgen des Geschäftes beteiligt zu fühlen, so kann man kein treues Festhalten, auch in trüberen Zeiten, verlangen und erwarten.“

Schon früh setzte der Unternehmer darauf, dass sich die Mitarbeiter mit dem Unternehmen identifizieren – und bezog sie in geschäftliche Angelegenheiten ein. Denn Menschen nur als Kostenfaktor zu sehen, widersprach seiner Auffassung von einem guten Unternehmer.

„Mir würde das verdiente Geld wie glühendes Eisen in der Hand brennen, wenn ich treuen Gehilfen nicht den erwarteten Anteil gäbe.“

Noch einmal wird deutlich, wie wichtig Werner von Siemens die Mitarbeiter sind. Je größer das Unternehmen wurde, desto größer auch die moralische Verpflichtung gegenüber den Mitarbeitern. So etablierte er früh das System einer Gewinnbeteiligung – bereits 1855 wurden zum ersten Mal Prämien gezahlt.

„Ich habe eine neue Idee gehabt, die aller Wahrscheinlichkeit nach reüssieren und bedeutende Resultate geben wird.“

In den 1870er Jahren erfand Werner von Siemens einen elektrischen Generator, mit dem kostengünstig Strom produziert werden kann. Er präsentierte die Dynamomaschine auf der Weltausstellung in Paris – und ließ sie sich patentieren. Was ihm dabei zu Gute kam, war sein Netzwerk in der Wissenschaft. So präsentierte er die Maschine zunächst Mitgliedern der Physikalischen Gesellschaft und schließlich auch der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaft.

Aus: „Der brodelnde Geist – Werner von Siemens in Briefen“, herausgegeben von Nathalie von Siemens, 200 Seiten, 39,90 Euro, Murmann Verlag.