Mit einem schlagenden Herz beginnt die Verleihung des Deutschen Gründerpreises: Gute Chancen hatten Projekte, die Leben retten oder zumindest einfacher machen.

“Der Deutsche Gründerpreis ist eine außerordentliche Anerkennung für alle Gründerinnen und Gründer“, sagte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, der trotz der Griechenland-Krise kam – und sich dann erstmal drängenden Fragen zur Euro-Krise von Moderatorin Barbara Hahlweg stellen musste. Sie beweisen den Mut und den Willen, eigene Ideen umzusetzen und Verantwortung zu übernehmen, erklärte der Wirtschaftsminister weiter. „Ihre Innovationskraft und die vielseitigen Geschäftsmodelle gestalten die Zukunft der deutschen Wirtschaft. Nicht zuletzt zeigen die Preisträger, wie kreativ und vielfältig die Gründerszene in Deutschland ist.” Berlin spiele in einer Liga mit New York und Tel Aviv. Umso bezeichnender ist es letztlich aber auch, dass keines der prämierten Unternehmen, mit Ausnahme des Sonderpreises aus Berlin kam, sondern aus Hamburg, München und sogar aus der baden-württembergischen Provinz.

Zum 14. Mal wurde am Abend der Deutsche Gründerpreis im Zollernhof des ZDF in Berlin verliehen. Er gilt als eine der bedeutendsten Auszeichnungen für „herausragende“ Unternehmer in Deutschland. Ziel ist es, ein Gründungsklima in Deutschland zu fördern und Mut zur Selbstständigkeit zu machen. Der Preis wird jährlich in den Kategorien Schüler, Start-up, Aufsteiger und Lebenswerk verliehen. Die Auszeichnung wird unterstützt vom Magazin Stern, den Sparkassen, dem ZDF und Porsche.

Seinen Höhepunkt erreichte der Abend bei der Verleihung des Sonderpreises: In einer emotionalen Rede würdigte Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, den Gründer von Auticon. Dirk Müller-Remus gründete sein Unternehmen 2011 mit einem Startkapital von 500.000 Euro – und hat nun einen Umsatz von 1,8 Millionen Euro. In Unternehmen, das er gemeinsam mit seiner Frau gegründet hat, sind Autisten keine Problemfälle, sondern Mitarbeiter, die ihre Stärken voll entfalten können, und in ihren Schwächen gestärkt werden. „Wir wollten eine funktionierende Firma gründen, keine soziale Einrichtung.“ Und Müller-Remus weiß wovon er spricht: Sein Sohn ist auch Autist – und hochbegabt. Die Stärken liegen in einem detaillierten Fachwissen auf einem Interessengebiet, absoluter Ehrlichkeit und vor allem ihre weit überdurchschnittliche Fähigkeit zur Mustererkennung. „Hier wird sozial verantwortliches Unternehmertum wirklich gelebt. Auticon verbessert das Leben seiner Mitarbeiter und integriert bislang benachteiligte Menschen in die Gesellschaft,“ heißt es in der Begründung der Jury für diesen Sonderpreis.

Auslöser ziehen und in Sekundenschnelle hat sich der gelbe Luftschlauch von selbst aufgepumpt. Mit dieser Idee setzten sich Christopher Fuhrhop und Marius Kunkis in der Kategorie „Start-up“ durch. Der Rettungsschlauch des Pfinztaler Unternehmens „Restube“ ist nicht größer als ein Kartenspiel und lässt sich bequem um den Bauch schnallen. Die Idee kam dem Maschinenbau-Studenten Fuhrhop beim Wassersport – und als er selbst fast ertrunken wäre. Nur unter höchster Anstrengung schaffte er es damals überhaupt an Land zu schwimmen. Der gelbe Luftschlauch ist also auch ein kleiner Lebensretter.

Einen kleinen Wehmutstropfen gab es allerdings auch: Unter den Finalisten des Gründerpreises waren fast ausschließlich Männer. Einzig Anke Odrig mit ihrem Unternehmen „Little Bird“ schaffte es in die Endrunde der Kategorie „Aufsteiger“. Die Berlinerin entwickelte eine Onlineplattform, die Angebot und Nachfrage für Kindergartenplätze erfasst und den Kommunen auf der einen Seite so eine zentrale Verwaltung ermöglicht, und andererseits die Eltern bei der Suche nach einem Platz unterstützt. Das war auch dringend notwendig: In Deutschland gibt es über 50.000 Kitas. Die Plätze werden jedoch nicht von den Kommunen, sondern von öffentlichen und privaten Trägern angeboten. Das Portal nutzen mittlerweile über 30.000 Eltern. Die Nominierung allein ist schon eine Auszeichnung und ein schönes Signal für die Kita-Debatte in Deutschland“, sagt Odrig im Gespräch mit dem Berliner Tagesspiegel.

In der Kategorie „Aufsteiger“, also Unternehmen, die zwischen 2006 und 2011 gegründet wurden, siegte letztlich der Webseitenbaukasten Jimdo aus Hamburg: Die Gründer Fridtjof Detzner, Matthias Henze und Christian Springub konnten die Jury überzeugen. Es sein ein „tolles Projekt“, dass ein starkes Wachstum aus eigener Kraft geschafft habe und sich dabei durch eine kreative und unkonventionelle Unternehmenskultur auszeichne. Unkonventionell war auch gleich die Begleitung von Christian Springub: Er brachte seine 89-jährige Großmutter mit.