Die meisten Unternehmen seien außerdem kleine Firmen mit maximal 10 Mitarbeitern. Gegründet von Menschen, die tief mit ihrer Region verwurzelt sind. „Wenn jemand aus einem anderen Bundesland herkommt um zu gründen, dann wegen der schönen Landschaft. Oder der Liebe. Aber nicht wegen struktureller Vorteile“, sagt Gehlen.

Das zeigt auch das NUI-Regionenranking des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung. Es untersucht jährlich, welche Regionen für Gründer am attraktivsten sind. Das Ranking berücksichtigt dabei, wie viele Gewerbebetriebe pro 10.000 Einwohner in einer Region neu angemeldet wurden. „Die neuen Bundesländer ohne Berlin liegen dabei unterhalb des Bundesdurchschnitts“, sagt Eva May-Strobl, die für den Index zuständig ist. Während der Schnitt bei 139 liegt, erreicht Sachsen-Anhalt 87,4, Thüringen 103 und Mecklenburg-Vorpommern einen Wert von 115,6.

Ähnliche Ost-West-Unterschiede kann auch Marc Evers bestätigen, Mittelstandsexperte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Er betreut den DIHK-Gründerreport und hat seit 2004 in den neuen Bundesländern einen „erheblich stärkeren Rückgang im Gründungsinteresse“ beobachtet, als im restlichen Bundesgebiet. Während die Anzahl der Gründungsgespräche in den alten Bundesländern um 38 Prozent zurückgegangen ist, fiel sie in den neuen Bundesländern sogar um 55 Prozent. Hauptgrund sei der demografische Wandel. „Der schlägt im Osten besonders stark zu Buche“, so Evers. Die 25 bis 45-jährigen seien die hauptsächlichen Gründer – und gerade Personen dieser Altersgruppe würden abwandern. „Die Basis des Mittelstands droht zu erodieren.“

Im Bereich der Branchen sieht Evers ebenfalls leichte Unterschiede. „Im Osten ist der Fokus auf Dienstleistung und Handel noch ausgeprägter als im restlichen Bundesgebiet“, so der DIHK-Experte.

Auch Grit Gehlen kann diesen Trend in Mecklenburg-Vorpommern täglich beobachten. Sie porträtiert für das Gründerportal des Landes vor allem kleine Unternehmen aus der Dienstleistungsbranche, dem Handwerk oder dem Verkauf, die neu gegründet werden. Nachholbedarf gebe es in den neuen Bundesländern vor allem im Technologiebereich, sagt sie.

In diesem Defizit hat Matthias Boltze die große Chance gesehen. 2010 hat er hier sein Unternehmen „New Enerday“ gegründet. Er entwickelt Stromgeneratoren auf Brennstoffzellenbasis für Segelyachten oder Wohnmobile. Betrieben werden die mit Kraftstoffen, die überall verfügbar sind – wie zum Beispiel Propan.