Für Companisto-Geschäftsführer Zwinge liegt das Vertrauen der Geldgeber vor allem darin, dass Crowdinvesting ein sehr transparenter Prozess ist: „Man weiß, wer dahinter steckt, und bekommt auch tatsächlich sehr gut mit was das Unternehmen und die einzelnen Gründer machen. Crowdinvestoren bekommen ja regelmäßige Reportings und werden so auf dem Stand gehalten.“ Durch Blogs und regelmäßiges Kommentare-Beantworten können Gründer und Schwarmfinanzierer eine intensive Kommunikation aufbauen, wodurch ein besonderes Vertrauen entstehe. „Wenn es dann trotzdem zu einer Insolvenz kommt, aber der Investor versteht, wie es dazu gekommen ist, schafft das Verständnis.“ Deshalb gingen Crowdinvestoren eben auch ganz anders mit dem Verlust um, wenn sie wissen was passiert ist.

Mehr Start-ups werden Scheitern

„Ich gehe davon aus, dass wir noch deutlich mehr Start-ups sehen werden, die ausfallen, aber bisher ist das was am Crowdinvesting-Markt passiert im Vergleich zudem was bei Venture Capital üblich ist noch absolut in Ordnung“, sagt Kortleben und rechnet vor: Beim Blick auf die vier größeren deutschen Crowdinvesting-Plattformen Seedmatch, Companisto, Innovestment und Fundsters wurden seit Ende 2011 insgesamt 159 Unternehmen mit einem Volumen von rund 45 Millionen Euro erfolgreich finanziert – Stand Ende April 2015. Von denen gingen – soweit derzeit bekannt – 16 Unternehmen in die Insolvenz oder stehen kurz vor der Schließung. Die verlorene Gesamtsumme: rund 3,38 Millionen Euro. Das macht etwa zehn Prozent aller finanzierten Unternehmen aus und 7,5 Prozent des Gesamtvolumens.

Zum Vergleich: Bei Venture-Capital-Fonds ist es nicht ungewöhnlich, dass gerade einmal 10 bis 20 Prozent der Finanzierungen erfolgreich sind und so den Erfolg des Fonds ausmachen, indem sie die Verluste der anderen mittragen. Folgt man also Kortlebens Rechnung, so ist der deutsche Crowdinvesting-Markt bislang sogar vergleichsweise erfolg- und ertragreicher.

Dobersteins Fazit: Auch wenn Gründungsfinanzierungen immer noch schwierig sind, so schafft die Crowdfinanzierung neue Wege und eröffne neue Chancen. „Crowdfunding hat Zukunft, weil es eine Bedarfslücke schließt. Das eigentliche Potenzial ist aber noch längst nicht gehoben.“ Echtes Potenzial als Alternative entwickle Crowdfunding erst, wenn es in der Breite der Bevölkerung angekommen sei. „Wenn uns das gelingt, würde das zu einem Boom in der Unternehmenslandschaft führen und auch die Kultur nachhaltig ändern“, so Doberstein.

Wenn sich die Pleiten im Crowdinvesting also auch zukünftig im Rahmen halten und es im Gegengewicht dazu umso größere Erfolgsgeschichten gibt, wird die Rechnung für die Schwarmfinanzierer im Großen und Ganzen auch in Zukunft aufgehen.

Die Geschichte von Tollabox endet mit dem Beginn des Insolvenzverfahrens. Aber weil Scheitern zum Gründen eben einfach dazu gehört, wird Crowdinvesting und werden auch die Bestes ihren Weg machen. Denn schon in ihrem Februar-Blogeintrag, in dem sie die Insolvenz bekannt gab, zitierte Béa Beste Winston Churchill: „Die Kunst ist, einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.”