Seedmatch-Sprecherin Drotbohm erklärt die Motivation vieler Crowdinvestoren so: „Ich brenne für die Idee und deshalb investiere ich mein Geld, obwohl es ein großes Risiko ist. Es ist ein guter Mix aus Emotionalität und guter Planung.“ So sollten am Ende auch die Unternehmer an ihr Start-up herangehen, denn in der Regel greifen sie ja auch zum eigenen Ersparten, um in Sachen Finanzierung auf die Füße zu kommen. „Auch für die Gründer bedeutet eine Insolvenz regelmäßig ein Verlust ihrer eingesetzten Eigenmittel und des eingebrachten Know-hows“, so Krösch. Und so ist es auch bei den Bestes mit Tollabox: Rund 400 000 Euro haben sie aus der eigenen Tasche investiert – und jetzt verloren.

Insolvenz im Scheinwerferlicht

Das besondere aber: Wenn ein Start-up scheitert, das durch die Crowd finanziert wurde, muss den Gründern klar sein, dass sie zumeist „öffentlicher“ Rede und Antwort stehen müssen, als bei vergleichbaren VC- oder BA-Finanzierungen. Bei einer Crowdfinanzierung sitzen eben zumeist mehrere hundert Geldgeber am anderen Ende des Tisches. „Der Erklärungsbedarf im Insolvenzfall wird damit größer – er findet zwangsläufig im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit statt“, sagt Doberstein. Denn wer öffentlich für sein Baby geworben und es mithilfe der Öffentlichkeit auf die weltgebracht hat, muss es auch vor ihren Augen beerdigen. „Für die Gründer ist oftmals nicht nur die Insolvenz an sich eine schwierige Situation, sondern auch das Gefühl, ihre Investoren, die an sie und ihr Konzept geglaubt haben, enttäuscht zu haben“, so Drotbohm. „Das mag vielleicht nochmal anders sein, wenn man einen professionellen Investor an Bord hat, der in der Regel große Investitionen tätigt und durch ein entsprechend umfangreiches Portfolio Ausfälle leichter ausgleichen kann.“

Denn Crowdfinanzierung ist für viele Investoren eben nicht nur Business, sondern persönliches Engagement. So war es auch bei Tollabox: Weil Béa Beste den Crowdinvestoren, die über 2000 Euro gaben, ein persönlich gekochtes Essen versprochen hatte, lernten die Bestes rund 70 Geldgeber bei sich zuhause persönlich kennen. „Das waren sehr viele, die Kinder hatten und sich für die Idee begeisterten.“ Von ihnen sei nach der Insolvenznachricht eher Zuspruch gekommen – nach dem Motto „Schade, aber gut, dass ihr es versucht habt!“ Davon waren die Bestes überrascht. Sie hatten mit mehr Kritik gerechnet. „Die Seedmatch-Investoren die wir hatten, waren eindeutig die tollsten, fairsten und einfühlsamsten Investoren, die man sich wünschen kann“, so Beste. Wirkliche Vorwürfe habe es nur vereinzelt gegeben.

Die Crowd hat Verständnis

Für die Branchenkenner ist aber auch das nachvollziehbar. Im Gegensatz zum so genannten reward-based-Crowdfunding, wie es Startnext oder Indiegogo anbieten, und bei dem die Geldgeber im Gegenzug das finanzierte Produkt oder andere Sachleistungen bekommen, steht beim Crowdinvesting eher die Geldanlage im Vordergrund und damit die Rendite. „Trotzdem spielt auch der gemeinnützige oder altruistische Unterstützergedanke eine mal mehr, mal weniger große Rolle“, sagt Doberstein.