Die Wellth-App kontrolliert, ob Patienten ihre Medikamente nehmen. Mit der Idee lockt das US-Start-up Versicherungen und Pharmakonzerne. Aus Deutschland erhält es jetzt kräftige Unterstützung.

In einer Series-A-Finanzierungsrunde hat sich das Start-up Wellth aus der US-Metropole New York 5,1 Millionen Dollar gesichert – unter anderem von Investoren aus Deutschland und Europa. Für Aufsehen sorgt die Gesundheitsapp insbesondere bei Großunternehmen aus dem Versicherungs-, Medizin- und Pharmabereich.

Der größte Teilbetrag des frischen Kapitals stammt vom Investmentarm des französischen Versicherungskonzerns Axa. Aus Deutschland steckt Pharmahersteller Boehringer Ingelheim über eine Venture-Capital-Einheit Geld in das US-Start-up. Außerdem beteiligt sich der Münchener Wachstumsfinanzierer Yabeo sowie CD-Venture aus Heidelberg an der Finanzierungsrunde. Seit der Gründung 2014 hat Wellth insgesamt 7,6 Millionen Dollar erhalten.

App kontrolliert den Behandlungsplan

Ziel der Wellth-App: Patienten sollen Vorgaben von Ärzten genauer einhalten. So kontrolliert die Anwendung auf dem Smartphone zum Beispiel, ob die richtigen Medikamente zur richtigen Zeit eingenommen werden. Konkret sendet die App eine Erinnerung und greift dann auf die Handykamera zu, um die Einnahme der Tabletten zu beobachten. Damit es zu keinen Fehlern kommt, wird die Software im Hintergrund darauf trainiert, unterschiedliche Pillen zuverlässig zu erkennen. Zudem dokumentiert die App Veränderungen am Patienten – hält also zum Beispiel fest, wenn die Person an Gewicht zugelegt hat. Wer sich brav an den Plan der Ärzte hält, bekommt als Belohnung täglich Geld gutgeschrieben.

Wellth wirbt damit, den Alltag von Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Herzinsuffizienz, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Asthma zu erleichtern. Gleichzeitig liefert der digitale Patienten-Aufpasser höchstinteressante Daten für Pharmahersteller und Versicherer, die sich Erkenntnisse über das Verhalten von Menschen in Behandlung versprechen. Denkbar ist laut Presseinformation, dass die Daten genutzt werden, um individuelle Versicherungstarife anzubieten – je nachdem, wie folgsam sich die Patienten an Empfehlungen der Ärzte halten.

Deutsche Investoren geben Starthilfe

Noch kooperiert die junge Firma vor allem mit Lebens- und Krankenversicherern sowie Krankenhäusern in den USA. Die Nachfrage dort steige stark, weshalb sich die Teamgröße von derzeit 15 Mitarbeitern innerhalb der kommenden drei Jahre verdreifachen soll. Doch auch hierzulande ist das Interesse an dem Start-up groß. Das liegt unter anderem daran, dass der Markt für Medizin- und Gesundheitsangebote langsam liberaler wird.

Die Münchener Geldgeber von Yabeo wollen Wellth dabei helfen, in Deutschland Fuß zu fassen. „Derzeit ist Wellth noch nicht in Deutschland aktiv, wir prüfen gerade, inwieweit Teile des Geschäftsmodells in Deutschland und Europa relevant sein können“, sagt Gerrit Seidel, Managing Director von Yabeo, auf Anfrage von WirtschaftsWoche Gründer. Der bayerische Investor unterstütze im Beirat und stelle für das US-Start-up den Kontakt zu potenziellen Geschäftspartnern her: etwa zu Krankenversicherungen, Rückversicherungen sowie Krankenhausketten und anderen großen Konzernen aus dem Gesundheitsbereich.

Der CEO und Mitgründer des New Yorker Start-ups, Matt Loper, will mit Hilfe der Geldgeber neue Anwendungsgebiete angreifen. „Wir freuen uns auf eine enge Zusammenarbeit mit unseren Investoren in dieser Runde, um neue Möglichkeiten für den Einsatz unserer Technologie bei Krankenversicherern, Lebensversicherern, Leistungserbringern und der Pharmaindustrie zu identifizieren“, lässt sich Loper in einer Presseinformation zitieren. „Wir hoffen, die neuen Kontakte nutzen zu können, um eine größere Bandbreite an Anwendungsfällen in der Praxis zu etablieren.“