Alleine gründen? Kein Problem. Doch welche Rechtsform ist die richtige für das Start-up? Wir stellen die Gesellschaftstypen für Einzelunternehmer vor.

Ob jemand alleine oder mit einem Geschäftspartner gründet, hat auch Einfluss auf die Rechtsform des geplanten Unternehmens. Denn für Einzelunternehmer bieten sich andere Gesellschaftstypen als für mehrere Gründer an.

Grundsätzlich gibt es vier rechtliche Möglichkeiten für Einzelunternehmer, wenn sie ein Start-up gründen. Die Wahl fällt allerdings nicht immer leicht, da die Rechtsformen nicht nur Vorteile mit sich bringen. WirtschaftsWoche Gründer erklärt die Unterschiede und die kritischen Punkte.

Was vor der Wahl der Rechtsform zu beachten ist

Wenn junge Gründer zu Mathias Härchen kommen, stellen sie oft dieselbe Frage: „Welche Rechtsform wähle ich für mein Unternehmen?“ Der Leiter des Bereichs Unternehmensförderung der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Köln muss dann erstmal seinerseits ein paar Fragen stellen: Gegen welche Konkurrenz tritt der Existenzgründer an? Wie will er mit seinem Vertrieb auftreten? Welche rechtlichen Probleme drohen möglicherweise? „Wenn wir diese Fragen stellen, können viele Gründer keine Antworten darauf geben“, sagt Härchen.

Deshalb sollte die Rechtsform für Selbstständige und Start-ups erst dann eine Rolle spielen, wenn sie ihr Unternehmen durchgeplant haben, wenn sie ihr Geschäftsmodell entwickelt und möglicherweise auch schon eine erste Testphase hinter sich haben. Vorher könne sich noch zu viel ändern, sagt der IHK-Experte. Er empfiehlt daher eine Beratung vor der endgültigen Wahl.

Einzelunternehmen

Als einfachster Schritt in die Selbstständigkeit gilt das Einzelunternehmen. „Es ist die schnellste und preisgünstigste Form, überhaupt loszulegen“, sagt IHK-Experte Härchen. Denn der Einzelunternehmer muss dafür kein Startkapital mitbringen. Wer sich selbstständig macht, muss lediglich eine Steuernummer beantragen und die freie Arbeit dem Finanzamt mitteilen. „Freiberufler wie Ärzte, Rechtsanwälte oder Hebammen müssen grundsätzlich kein Gewerbe anmelden“, so Härchen.

Etwas mehr Aufwand ist die Gründung für Kaufleute. Sie müssen ihre Tätigkeit auch beim Gewerbeamt melden und ins Handelsregister eintragen lassen. Auch Betreiber eines Kleingewerbes müssen dem Gewerbeamt ihre Selbstständigkeit anzeigen, ein Handelsregistereintrag ist allerdings nicht zwingend.

Bei der Bezeichnung des Unternehmens muss der Name des Einzelunternehmers irgendwo auftauchen, ein Fantasiename kann der Selbstständige nach Wunsch hinzufügen. Ein Beispiel wäre: Maria Müller, Design for Life. Bei Einzelunternehmern, die im Handelsregister eingetragen sind, kommt die Bezeichnung e.K. für eingetragener Kaufmann hinzu.

Prinzipiell muss ein Selbstständiger nur Einkommenssteuer zahlen. Kommt er über eine Grenze von 17.000 Euro muss er allerdings auch Umsatzsteuer abführen. Ist sein Unternehmen beim Gewerbeamt gemeldet, kommt die Gewerbesteuer hinzu. Wenn der Einzelunternehmer Mitarbeiter beschäftigt, muss er zudem Lohnsteuer an das Finanzamt überweisen.

Bei Problemen haftet der Einzelunternehmer auch mit seinem Privatvermögen. Das Bundeswirtschaftsministerium empfiehlt die Rechtsform daher nur dann, wenn es sich um kleinere Beträge handelt. Sobald regelmäßig große Summen fließen, solle der Einzelunternehmer eher über eine Kapitalgesellschaft nachdenken.

Ein-Personen-GmbH

Für einen Alleingründer kann die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) eine Alternative zum Einzelunternehmen sein. Allerdings braucht es, wie bei jeder GmbH, ein Stammkapital von 25.000 Euro. Was viele nicht wissen: Nur die Hälfte davon muss sofort bezahlt werden. Erst beim Eintrag ins Handelsregister, der allerdings zwingend ist, muss der Gründer das komplette Kapital vorweisen.

Auch wenn das Unternehmen nur von einer Person gegründet wird, muss ein Gesellschaftervertrag aufgesetzt werden. Eine Hilfe bei der Gründung kann das Musterprotokoll sein, das das Bundeswirtschaftsministerium auf seiner Webseite zur Verfügung stellt. Der Gründer ist bei der Ein-Personen-Gesellschaft gewöhnlich gleichzeitig Geschäftsführer und Gesellschafter. Bei der Bezeichnung ist die Gesellschaft freier als das Einzelunternehmen, da auch ein Fantasiename ausreicht, sofern er auf GmbH endet.

Viele Gründer entscheiden sich wegen der beschränkten Haftung für die GmbH. Ein Einzelunternehmer muss also nicht um sein privates Vermögen fürchten. Ob sich eine GmbH empfiehlt, hängt aber auch von der Branche ab. „Je technischer mein Unternehmen ist, desto eher kann eine Kapitalgesellschaft für einen Gründer Sinn machen“, sagt IHK-Experte Härchen. Denn bei Innovationen könne man rechtliche Probleme schwer abschätzen. Als Beispiel nennt er die Rückrufaktionen von Autoherstellern: Für einen Einzelunternehmer kann es teuer werden, wenn er auch mit seinem privaten Vermögen für eventuelle Fehler zahlen muss.

Allerdings sieht Härchen auch Probleme mit der GmbH. So viele Vorteile die beschränkte Haftung auch hat: Der Gründer muss sich möglicherweise trotzdem verantworten. Viele ließen die Geschäftsführerhaftung außer Acht, so der IHK-Experte. Denn der Gründer muss für solche Fehler gerade stehen. Ein weiterer Punkt: „Wenn ein Start-up einen Kredit aufnimmt, wollen Banken meist eine private Bürgschaft“, sagt Härchen. Zudem sollte der Gründer den Aufwand einer GmbH nicht unterschätzen: „Die GmbH unterliegt anderen Regularien als das Einzelunternehmen“, sagt er.

UG (haftungsbeschränkt)

Die Unternehmergesellschaft (UG) ist eine Unterform der GmbH. Sie verschafft dem Gründer einen entscheidenden Vorteil: Der Einzelunternehmer muss keine 25.000 Euro Stammkapital vorweisen, wenn er die Gesellschaft gründen will. Ein Euro als Einlage genügt vorerst.

Der Gründer muss allerdings 25 Prozent seines Gewinns so lange in die sogenannte gesetzliche Rücklage einzahlen, bis ein Stammkapital von 25.000 Euro erreicht ist. Dann kann sich der Einzelunternehmer entscheiden, ob er sein Geschäft in eine GmbH umfirmieren will oder bei der bisherigen Rechtsform bleibt.

Ein weiterer Unterschied zur GmbH ist die Bezeichnung: Der Unternehmensname muss auf UG enden. Abgesehen davon gelten bei der UG dieselben Bestimmungen wie bei der GmbH.

Ein-Personen-AG

Eines vorweg: Dass ein Start-up von Beginn an als Aktiengesellschaft firmiert, ist äußerst selten. Das gilt erst recht für die Ein-Personen-AG. „Eine Aktiengesellschaft als Rechtsform wählt ein Start-up eigentlich nur, wenn es von Anfang an absehbar eine Vielzahl an Aktionären beteiligen will“, sagt Härchen. Nach seiner persönlichen Erfahrung kommt das nur in Einzelfällen vor. Der Grund für die Vorsicht: Der Aufwand, eine Aktiengesellschaft zu führen, ist nochmal größer als bei der GmbH.

Denn bei der Ein-Personen-AG kann der Gründer zwar als Vorstand agieren. Allerdings braucht er für sein Unternehmen einen Aufsichtsrat und muss jährlich eine Hauptversammlung organisieren. Hinzu kommt, dass ein Notar die Satzung beglaubigen muss. Auch das Stammkapital ist höher angelegt: Das Start-up muss mindestens 50.000 Euro einbringen. „Für ein Start-up ist das eine Menge Holz“, sagt IHK-Experte Härchen.

Bei der Haftung gilt ähnliches wie bei der GmbH. Zwar haftet die Ein-Personen-AG nur mit ihrem Gesellschaftervermögen, allerdings kann der Einzelunternehmer bei Krediten immer aufgefordert werden, mit seinem Privatvermögen zu bürgen.

Ein Grund, warum Start-ups in seltenen Fällen trotzdem die AG wählen, ist gewöhnlich die Finanzierung, da sie so schnell an Kapital kommen. Allerdings merkt IHK-Experte Härchen an: „Start-ups finanzieren sich heute häufig auch über Crowdfunding, Crowdinvesting oder auch Business Angels.“ Eine Aktiengesellschaft eigne sich daher eher ab der zweiten Finanzierungsrunde.

 

Weitere Tipps und Hinweise finden Gründer und solche, die es werden wollen, auf der Seite des Bundeswirtschaftsministeriums.

Sie haben mit anderen gemeinsam gegründet? Rechtsformen für mehrere Gründer finden Sie hier.