Immer noch gründen Frauen seltener als Männer. Beim St. Gallen Symposium sprachen Gründerinnen über ihre Erfahrungen in der männerdominierten Szene und das Cinderella-Syndrom.

Frauen fehlt das Selbstvertrauen: Das war das einheitliche Urteil der Teilnehmer der Podiumsdiskussion über Unternehmertum von Frauen bei einer “Background Session” in der Bibliothek der Universität St. Gallen – und es gibt noch immer zu viele Vorurteile. Das St. Gallen Symposium wird jährlich von einem Team von Studierenden der Hochschule organisiert, die für diese Zeit ihr Studium ruhen lassen.

Eine der kritischen Stimme der Runde war Miku Hirano. Die 31-Jährige hat vor drei Jahren in Singapur das Start-up Spicy Cinnamon (kurz Cinnamon) gegründet. Zu dem jungen Unternehmen gehört unter anderem die App Seconds, mit der Nutzer Bilder veröffentlichen und austauschen können. Rund 1,5 Millionen US-Dollar hat sie kürzlich dafür eingesammelt. „Wenn man eine Idee hat, sollte man auch gründen“, sagte die 31-jährige Programmiererin. So einfach sei das.

Doch für viele Frauen ist Gründen immer noch keine berufliche Perspektive. Laut des Women Report des Global Entrepreneurship Monitors (GEM) haben Frauen häufiger Angst mit ihrer Geschäftsidee zu scheitern und gründen eher aus wirtschaftlicher Notwendigkeit heraus und weniger, weil sie an ihre Idee glauben.

Jungen Frauen fehlen die Vorbilder

Diese Erfahrungen hat auch Miku Hirano gemacht. Sie kommt aus Japan, wo nur zwei Prozent der japanischen Gründer Frauen sind. „In unserer Gesellschaft gibt es noch sehr traditionelle Vorstellungen von der Rolle der Frau“, sagte Hirano. Sie sollen eine leichte Arbeit annehmen, einen Ehemann finden und heiraten. Lebensläufe wie der ihre seien deshalb selten. Sie war die einzige Frau in ihrem IT-Studiengang und erhielt weder Förderung noch Unterstützung von ihrer Universität. Hirano glaubt auch, dass es jungen Frauen vor allem an Vorbildern fehlt: „Nur wenn Frauen sehen, dass andere Frauen mit ihren Unternehmen erfolgreich sind, werden sie das Selbstvertrauen entwickeln, selbst zu gründen.“

Ähnlich sah das auch Alice Bentinck, Mitbegründerin von Entrepreneur First aus London. Das englische Unternehmen begleitet seit 2011 Gründer, die ihr eigenes Start-up gründen möchten, denen aber die Gründer-Expertise fehlt. Dabei konzentrieren sich Bentinck und ihre Kollegen vor allem auf die Beratung von IT-Experten und Programmierern. Rund 40 Start-ups sind so bisher entstanden. „Ich wusste früh, dass ich ein Unternehmen gründen möchte“, sagte Bentinck über ihren Start als Gründerin. Aber wie viele Frauen habe auch sie am Anfang Zweifel gehabt – vor allem als der erste Investor mit einstieg. Frauen könnten zwar genauso gut gründen und Unternehmen leiten wie Männer, sagte sie. Aber dies sei in der englischen Gesellschaft immer noch nicht angekommen.

In der Diskussionsrunde sprach Bentinck zudem über den, wie sie es nannte, Cinderella-Effekt. Frauen glaubten, dass irgendwann irgendjemand auf ihre Arbeit aufmerksam und diese würdigen würde. Männer seien hingegen viel dominanter und würden andauernd auf ihre Erfolge hinweisen. Deshalb sei es auch wichtig, dass auch Frauen das zu Beginn ihrer Karriere lernen, sagte Bentinck.

Frauen sind unsicherer und haben Angst vor Konkurrenz

Diskussionsteilnehmerin Lauren Currie hielt vor allem eine bessere Ausbildung und gezielte Förderung von Frauen für wichtig. Die 29-jährige Programmiererin leitet an der Business School Hyper Island in Manchester einen IT-Masterstudiengang. Mit 23 Jahren hat sie ihr erstes Start-up Snook gegründet. Seitdem hat sie mehrere Projekte initiiert, darunter das britische Bürgerforum mypolice.org. Zuletzt wurde sie unter die 35 wichtigsten Geschäftsfrauen in Großbritannien gewählt.

Neben einer gezielten Förderung seien aber auch die Frauen selbst wichtig, sagte sie. Weil Frauen häufig unsicherer seien als Männer, hätten sie auch mehr Angst vor Konkurrenz. Das würde das Vorankommen in einem Unternehmen erschweren. „Frauen müssen einander mehr unterstützen“, sagt Currie. In der Geschäftswelt seien Frauen zu häufig darauf bedacht, keine Schwächen zu zeigen. Aber nur so könnten Gründerinnen anderen Frauen zeigen, dass auch sie es schaffen können.

Das ist auch Miku Hiranos Ziel. Mit ihrem Unternehmen Cinnamon ist sie mittlerweile in Singapur, Taiwan, Thailand und Vietnam aktiv. Bald möchte sie nach Indien expandieren. Zu ihrem Unternehmertum soll in Zukunft auch die Förderung von Frauen gehören. Nicht nur an den Universitäten, sondern auch an Schulen und im Beruf. „Nur so können wir die Kluft zwischen den Geschlechtern langfristig schließen“, sagte sie.