Speziell bei Gründern ist es laut schwedischen Wissenschaftlern wichtig, die eigene Rolle genau zu klären: Welche Anforderungen stellen die verschiedenen Stakeholder (Mitarbeiter, Investoren, Kunden) und wem möchte man vorrangig gerecht werden? Welche Aufgaben lassen sich übergeben? Ganz aus dem Weg schaffen, lässt sich die Mehrfachverantwortung nicht. Auch Berater Pietzko rät: „Gestressten Gründern hilft kein Tipp und kein Trick, sondern nur Selbstreflexion: Möchte ich so leben und wenn ja, welchen Preis bin ich bereit, zu zahlen?“

Kliniken: Spezialtherapien für Selbstständige mit Burn-out

Was aber tun, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist? „Bei einem schweren Burn-out, also heftiger Erschöpfung mit Selbstentfremdung, ist eine stationäre Therapie am besten“ meint Neurologin Goos. Nur durch eine längere Auszeit bekämen Stress-Patienten wieder Kontakt zu ihrem Körper und seinen Grenzen.

Inzwischen haben mehrere Kliniken die Klientel der Unternehmer als spezielle Patientengruppe erkannt und ein eigenes Therapiekonzept für Selbstständige und Führungspersönlichkeiten mit Burn-out entwickelt. In der stationären Therapie lernen Manager und Unternehmer, dass der eigene Selbstwert nicht einzig vom Erfolg des Unternehmens abhängen darf und Fehlschläge normal sind. „Zudem müssen sie Aufgaben an Mitarbeiter übergeben statt nur Alleinunterhalter zu sein“, meint Pietzko.

Gründer gehen gut mit Stress um

Nach allen negativen Nachrichten nun eine gute: Gründer haben nicht nur eine besonders hohe Arbeitsbelastung, sie können auch besonders gut wieder aus einem Tief herauskommen. „Unternehmer sind selbstbestimmter als Angestellte. Sie wissen, dass sie selbst am Steuer sitzen und ihren Arbeitsalltag ändern können“, berichtet Miriam Goos. Tatsächlich ist gefühlte Kontrolle ein wichtiger Moderator wie Wissenschaftler sagen: Mit Kontrolle über den auslösenden Stressfaktors – oder über die Reaktion auf ihn – , ist alles halb so schlimm.

Wie sehr jemand zur Selbstüberforderung und Burn-out neigt ist vorrangig eine Frage der Persönlichkeit, nicht des Arbeitsstatus. Dennoch zeigen wissenschaftliche Studien, dass Gründer meist besser mit Stresssituationen umgehen als Arbeitnehmer. Selbstständige setzen mehr auf aktives und problemfokussiertes Coping (Coping ist der psychologische Fachbegriff für Bewältigungsstrategie). Das heißt, sie gehen dem Problem nicht aus dem Weg oder flüchten sich in eine Sucht. Stattdessen widmen sie sich den Wurzeln des Problems, sprechen mit anderen Menschen darüber oder deuten die Situation in etwas Positives. Auf einen Stressfaktor mit positiven Gefühlen zu reagieren (wie Hoffnung und Dankbarkeit) minimiert den negativen Distress und erhöht den positiven Eustress.