Rund zwölf Minuten Werbung kann das Unternehmen pro Stunde verkaufen. Zeit, die nicht immer komplett ausgebucht ist. „Um die übrige Zeit angemessen zu verkaufen, suchen wir immer neue Werbekunden, denen wir diese Zeiten gegen eine Umsatz- oder Firmenbeteiligung sowie einer damit verbundenen Minimum-Umsatzgarantie zur Verfügung stellen“, sagt der Sprecher. Damit verfolge ProSiebenSat.1 einen strategischen Ansatz, der kein Ersatz für das klassische Mediageschäft sei.

Unsexy, aber stabil

Trotz vordergründig unterschiedlicher Gründe, sich an Zooplus, Zooroyal oder auch ePetWorld zu beteiligen, eint Rewe, ProSiebenSat.1 und die RAG-Stiftung ein gemeinsames Motiv: Die Suche nach einem beständig wachsenden Markt, um das unternehmenseigene Anlageportfolio zu diversifizieren. „Hier geht es nicht um irgendwelche Online-Phantasien oder um das nächste große Ding“, sagt Detlev Nolte vom Industrieverband Heimtierbedarf, der den Markt seit Jahren beobachtet. „Die Tier-Start-ups dienen den Unternehmen lediglich als gute Beimischung für ihre Anlageportfolios.“

Obwohl die Online-Tierhändler auf den ersten Blick wenig disruptiv und wenig sexy für ein Investment wirken, versprechen sie laut Nolte auf lange Sicht großen Erfolg – unabhängig von der Konjunktur. „Nur, weil der Dax mal fällt, schaffe ich ja nicht direkt mein Tier ab.“ Stattdessen richte sich die Zahl der Tiere nach der demographischen Entwicklung unserer Bevölkerung: Mehr kinderlose Singlehaushalte bedeuten eine höhere Nachfrage nach Tieren und damit einen höheren Bedarf an Tierfutter und Zubehör. „Tiere sind noch ertragreicher als Kinder“, sagt Nolte.

Diese Hoffnung, so scheint es, teilen auch Rewe, ProSiebenSat.1 und die RAG-Stiftung. Die vergleichsweise günstigen Preise der Produkte, aber vor allem die Lieferung frei Haus würden die Kunden langfristig ins Netz locken, prognostiziert der ProSiebenSat.1-Sprecher. „Wer schon mal einen 25-Kilo-Sack Trockenfutter in seine Wohnung getragen hat, der weiß, wovon ich rede.“