Das Start-up will Unternehmen schnell zu neuen Lager-Kapazitäten verhelfen – und Logistikern bei der Digitalisierung unter die Arme greifen.

Es ist ein stark zersplitterter Markt: Mehrere tausend, überwiegend mittelständische Logistikunternehmen in Deutschland erbringen Lagerdienstleistungen – die Bandbreite reicht von der reinen Flächenvermietung bis zum Verpacken und Versenden von Waren. Diesen Unternehmen zu neuen Kunden verhelfen will Warehousing1. Das Start-up betreibt eine Vermittlungs-Plattform, über die Firmen mit Lagerbedarf die Dienstleistungen online buchen können.

„Wir geben unseren Partnern einen zusätzlichen Vertriebskanal“, sagt Geschäftsführer Nils Aschmann im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Der ehemalige Unternehmensberater hat das Start-up 2018 zusammen Fabian Sedlmayr und Nico Szeli gegründet. Die drei kennen sich aus ihrem Studium an der WHU – Otto Beisheim School of Management. Aktuell 3.500 Logistikstandorte in Deutschland und im grenznahen Ausland habe man in der Datenbank, mit 200 seien bereits Rahmenverträge geschlossen worden.

Die Vorteile aus Kundensicht: Warehousing1 verspricht flexible Verträge, gezahlt werden soll nur für die tatsächlich genutzten Kapazitäten. Davon sollen beispielsweise E-Commerce-Unternehmen im Weihnachtsgeschäft profitieren. Die Gründer zielen indes auch auf Industrieunternehmen – und andere Logistiker: „Unser Angebot ist für große Kontraktlogistikanbieter durchaus interessant“, sagt Aschmann. „Unternehmen wie DHL, Schenker oder Kühne + Nagel arbeiten bei Engpässen mit externen Dienstleistern zusammen.“ Insgesamt rund hundert Kunden habe man seit dem Marktstart Mitte Dezember gewonnen.

Geldgeber aus Deutschland und den USA

Auch bei Investoren kommt das Konzept an. Gerade sind der Berlin-Münchener Wagniskapitalgeber HV Holtzbrinck Ventures und Base10 Partners aus San Francisco bei dem Start-up eingestiegen. Base10 hat bereits mehrere Logistik-Start-ups im Portfolio, investierte nun aber erstmals in Europa. An der millionenschweren Finanzierungsrunden waren zudem andere Gründer beteiligt – darunter Jan Deepen und Stefan Jeschonnek, die mit Zeitgold die Buchhaltung von Firmenkunden digitalisieren, sowie David Nothacker, Julius Köhler und Nicolaus Schefenacker von der Digital-Spedition Sennder.

Für Wahrehousing1 geht es nun darum, die Plattform bekannter zu machen – und in andere europäische Länder vorzudringen. Das aktuellen sieben Mitarbeiter große Team wird dazu aufgestockt. Ein weiterer Schwerpunkt: Das Start-up will sowohl Partnerunternehmen als auch große Kunden technisch enger an seine Plattform anbinden, über Schnittstellen zu wichtigen Softwaresystem für die Unternehmenssteuerung.

Ein Selbstläufer ist das nicht. Zum einen gibt es bei Logistikunternehmen Bedenken, die ohnehin knappen Margen mit Warehousing1 zu teilen. Zum anderen sind gerade kleinere Anbieter es noch gewohnt, über Telefon und Fax mit Kunden zu kommunizieren. Eine weitere Hürde ist grundsätzlicher Natur: Im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen sind Logistikunternehmen noch weniger aufgeschlossen für eine Zusammenarbeit mit Start-ups, wie kürzlich eine Umfrage des IT-Verbands zeigte. „Wir müssen viel Überzeugungsarbeit leisten“, sagt Aschmann.