Start-ups müssen sich immer wieder vor Investoren beweisen- nicht nur in der Höhle der Löwen. Was den Geldgebern wichtig ist.

1. Vorsicht bei der Internationalisierung
Geht nicht in zehn Länder gleichzeitig! In vielen Ländern früh und gleichzeitig vertreten zu sein, kann tödlich sein. Was im Heimatmarkt schon nicht klappt, wird nicht dadurch besser, dass der gleiche Fehler wiederholt wird. Besser ist es, zuerst einen Markt im Griff zu haben und dort stark und nachhaltig wachsen zu können. Gerade als Marktführer in Deutschland, der größten Wirtschaft Europas, kann man immer in anderen Ländern lokale Wettbewerber zukaufen. Internationalisiert also aus einer Position der Stärke heraus! Das Credo für 2017 lautet: Erstmal im Kernmarkt etablieren, dann expandieren.

2. Wer ein Einhorn werden will, muss vom Eichhörnchen lernen.
Für Start-ups ist es lebensnotwendig, Ressourcen für dunkle Tage zu sammeln. Tiefpunkte wird es immer geben, zum Beispiel, wenn sich die nächste Finanzierungsrunde länger hinzieht als geplant. Lineare Erfolgsgeschichten sind ein Mythos. Was würdet ihr also tun, wenn ihr kein frisches Kapital mehr findet? Was ist euer „Plan B“? Die Messlatte für Investoren liegt mit jeder Finanzierungsrunde höher. Seid daher immer auf eine Eiszeit vorbereitet.

3Versteht eure Kunden!
Tiefstes Verständnis der eigenen Kunden wird in 2017 noch wichtiger werden. Durch zunehmende digitale Sättigung konzentrieren sich Konsumenten immer mehr auf die großen, ihnen schon bekannten Anbieter (Amazon, Google). Wer mit einem neuen Produkt oder Service erfolgreich sein will, muss noch viel genauer verstehen, welche Bedürfnisse der Kunden hat. Tiefes Kundenverständnis, sowohl quantitativ (über Datenanalyse) als auch qualitativ (über Interviews, Nutzer-Beobachtung, Design Thinking) wird somit mehr denn je zum Differenzierungsmerkmal Nummer 1.

4. Null-Toleranz für schlechtes Design.
User Experience (UX) wird 2017 noch zentraler. Kunden setzen gute UX längst voraus. Unternehmen mit schlechter Nutzererfahrung werden keine Chance mehr haben. „Emerging Technologies“ wie AI und Chatbots eröffnen neue Möglichkeiten der Kundenkommunikation, schaffen aber gleichzeitig auch neue Herausforderungen für UX-Experten. Die Toleranzschwelle für schlechtes Design und wenig durchdachte Produkte und Services wird noch niedriger. 

 
5. Versteht die Zahlen hinter eurem Geschäftsmodell 
Was nach einer Selbstverständlichkeit klingt, wird erstaunlich oft ignoriert: Gründer müssen ihr Geschäftsmodell verstehen und kontinuierlich optimieren können. Grundlegende Fragen, die sich jeder Gründer stellen sollte: Welche Investitionen lohnen sich und welche nicht? Wie lassen sich Nutzenversprechen, Wertschöpfungskette und Ertragsmechanik in Einklang bringen?
 

6. Balance zwischen Traum und Wirklichkeit
 
In der Planung ist die richtige Balance zwischen Ambition und Realismus zu findenwobei für Gründer der Grundsatz gilt: „Underpromise and overdeliverUm erfolgreich zu seinmüssen Start-ups ihre bestehenden Investoren immer mehr in der Planung mitnehmen. Die Erstellung und kontinuierliche Arbeit an Business Plan und Budgets ist daher weniger eine Formalie als ein Instrument, um Erkenntnisse zu Strategie und Geschäftsmodell zu sammeln und beides konsequent und kontinuierlich weiterzuentwickeln.

7. Substanz statt Show!
 
In 2017 wird noch mehr Kapital verfügbar sein als 2015 oder 2016. Trotzdem wird immer stärkerer Wettbewerb zwischen immer mehr Start-ups um die Finanzierungsquellen herrschen. Investoren werden 2017 entsprechend noch mehr auf Substanz achtenFundraising wird daher insgesamt schwieriger. Gründer müssen vor allem beachten, dass es in Series-A und später um vollkommen andere Dinge geht als in früheren Finanzierungsrunden. Während Seed-Kapital noch auf der Basis von starken Teams und einer vermeintlich vielversprechenden Idee vergeben wird, geht es bei späteren Runden fast nur noch um Strategieverständnis sowie Erkenntnissen zu Kunde, Produkt und Geschäftsmodell.
Über den Autor
Jan-Gisbert Schultze ist Managing Partner bei Acton Capital Partners, ein in München ansässiger Venture Capital FondsSeit 1999 hat das Team in mehr als 65 Unternehmen in Europa und Nordamerika investiert. Zu den bekanntesten Beteiligungen zählen Elitepartner, Etsy und HolidayCheck. www.actoncapital.com.