Von Floerke will weiter wachsen. Dafür investieren die Bonner jetzt – und übernehmen einen Traditionslabel aus Deutschland. Neues Geld aus der Crowd soll zusätzlich helfen.

Von Laura Waßermann

Das iPhone auf lautlos, drückt David Schirrmacher einen Anruf weg, den er beim zweiten Mal doch annimmt und fragt, ob es wichtig sei. Es sei wichtig, er müsse kurz telefonieren. Seine Verlobte Johanna Stowermann hat bereits einen Kaffee in der Hand, als der Von Floerke-Günder aufgelegt hat, und sich beim Hinsetzen das Jackett glatt streicht. Den Hemdkragen zurecht gezupft, fackelt Schirrmacher nicht lange: „Bis 2020 werden wir die Gentlemen’s Marke Nr. 1 in Europa.“

Dass er damit einer Konkurrenz mit Namen wie Hugo Boss oder Calvin Klein entgegentritt, schüchtert den 25-Jährigen nicht ein. Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass er und Stowermann, die das Von Floerke-Design leitet, in dieser Woche eine Traditions-Manufaktur für Herrenaccessoires gekauft haben: Edsor Kronen. Ein weiterer Grund: Parallel läuft aktuell eine Crowdfunding-Kampagne, bei der das Finanzierungsziel des jungen Modelabels von 200.000 Euro aktuell bereits sechsfach überzeichnet wurde. Zurzeit haben Privatanleger etwas mehr als 1,2 Millionen Euro zugesichert.

Das frische Geld kann dabei helfen, die ehrgeizigen Pläne des Start-ups zu unterstützen. Mit der Übernahme verbindet Schirrmacher große Hoffnungen: „Jeder unserer Eltern kennt Edsor, die Marke ist Tradition“, sagt Schirrmacher. 1913 gegründet, einst kaiserlicher Hoflieferant, wie Schirrmacher erzählt, übernehme er mit Edsor ein heute wirtschaftlich angeschlagenes Unternehmen aus Pirmasens – „mit Kultstatus“. Mit dem Kauf wolle er Edsor zurück auf den Markt bringen. Das Ziel: eine Premiumlinie mit „buntem Anstrich“. Damit will das junge Unternehmen das bisherige Geschäft mit einer hochpreisigeren Marke ergänzen.

Schneiderwaren aus Deutschland

Zudem will der Jungunternehmer tiefer in die Wertschöpfungskette einsteigen will. Das zeigt auch sein Plan, die Produktion von Asien nach Deutschland „zurückzubringen“, wie er es ausdrückt – sowohl für Von Floerke und Edsor. Die Floerke-Sockenherstellung findet bereits in Deutschland statt, der Großteil aller anderen Produkte werde jedoch noch in Asien gefertigt. „Mit Edsor habe ich einen größeren Anknüpfungspunkt für diese Mission“, sagt der 25-Jährige. Qualität und Fachwissen im Schneiderbereich sollen zukünftig aus Deutschland kommen. Kostenfaktor: 500.000 Euro in den nächsten zwei Jahren – erstmal.

Sein langfristiges Vorhaben sei es, alle Marken und dessen Produktion an einen Ort zu bringen. Zu Edsor gehört auch Youtailor, ein finanziell gebeutelten Online-Shop für Maßhemden. Youtailor stand seit seiner Gründung 2008 zweimal vor der Pleite und hatte mit Massenkündigungen und unzufriedenen Kunden zuletzt 2014 für Schlagzeilen gesorgt – bis Investor Christian Heitmeyer die Marken Edsor und Youtailor miteinander verband.

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In drei Geschäften, zwei in Leipzig, eins in Berlin, verkauft Edsor seit drei Jahren vor allem Krawatten und Einstecktücher. Das Geschäft für Maßhemden hatte Heitmeyer verkleinert, der die Manufaktur in einem Bieterstreit vom früheren Geschäftsführer Jan-Henrik Scheper-Stuke übernommen hatte.

Scheper-Stuke, den die „Bild“-Zeitung einmal als „Krawattenkönig von Kreuzberg“ bezeichnete, hatte Ende 2015 für Edsor Insolvenz angemeldet. „Jan-Henrik kenne ich aus der Branche“, sagt David Schirrmacher dazu, wie der Kontakt zustande gekommen sei. „Christian habe ich 2016 auf Mallorca kennengelernt.“ Bei Rotwein und Tapas hätten sie überlegt, wie aus Edsor mit derzeit 15 Mitarbeitern wieder ein marktfähiges Unternehmen werden könne – und sich dann auf einen Deal geeinigt. Der Preis der Übernahme soll indes nicht bekannt werden.

Schirrmacher nennt aber für das bestehende Geschäft aktuelle Zahlen: Der Monatsumsatz bei Von Floerke habe im vergangenen Jahr bei 400.000 Euro gelegen. Ziel bis Ende des Jahres seien 700.000 Euro pro Monat. Das 25-köpfige Accessoires-Start-up, das auch durch die „Die Höhle der Löwen“ bekannt wurde, will zudem weiter wachsen. Denn neben dem Edsor-Geschäft plant Schirrmacher ebenfalls zu expandieren: nach Österreich, die Niederlande, Belgien und Dänemark.

Dabei gingen frühere Expansionsversuche schief: Der erste Store in Wien sei nicht gerade von Kunden überrannt worden, gibt der Gründer zu. „Ich war nicht vor Ort und naiv, zu glauben, das könne funktionieren.“ Nur ein halbes Jahr nach der Eröffnung im Oktober 2015, hat Schirrmacher den Laden dicht gemacht.

Nun will sich der Bonner neben einem Geschäft in Köln auch in Düsseldorf und Münster niederlassen. „Mein Ziel ist es, dass sich Deutschland wieder besser anzieht – und die eigenen Klamotten selbst produziert.“ Handarbeit hierzulande lautet fortan Schirrmachers Agenda.