Zahlreiche Elektroroller-Anbieter buhlen um Marktanteile in Deutschland – die Gründer von Voi konnten sich jetzt zumindest bei den Investoren durchsetzen. 

Gerade einmal ein halbes Jahr ist es her, seit das Bundesverkehrsministerium nach langem Überlegen sein Einverständnis gab zukünftig auch E-Scooter auf deutschen Straßen rollen zu lassen. Seitdem spaltet sich das Land in Befürworter und Gegner; man liebt oder hasst die Elektroller – dazwischen gibt es wenig. Von dieser Ambivalenz  lassen sich die Anbieter jedoch nicht abschrecken. Zahlreiche versuchen aktuell ihr Glück hierzulande und hoffen darauf die deutschen Nutzer für ihre Marke gewinnen zu können, darunter Circ, gegründet vom ehemaligen Spreadshirt-Chef Lukasz Gadowski, das Berliner Unternehmen Wind , Tier Mobiliy, an dem unter anderem Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg beteiligt ist sowie die amerikanischen Unternehmen Lime und Bird.

85 Millionen US-Dollar Finanzierung

Wer sich am Ende durchsetzen wird, ist noch offen. Zumindest bei den Investoren konnte jetzt der schwedische E-Scooterbetreiber Voi Technology erneut überzeugen: Nach einer Finanzierungsrunde im November 2018 in Höhe von knapp 44 Millionen Euro und im März dieses Jahres in Höhe von 26 Millionen Euro , sammelten die Gründer nun 85 Millionen US-Dollar (umgerechnet rund 78 Millionen Euro) ein.

Zu den Investoren gehören Vostok New Ventures, Balderton Capital, Creandum, Project A, JME Ventures, Kreos Capital, Raine Ventures, Inbox Capital und Black Ice Capital. Das frische Kapital soll in die Expansion fließen. Seit der Gründung im September 2018 ist Voi von seiner Stockholmer Heimat in 38 weitere Städte in 10 europäischen Ländern gestartet, unter anderem nach Berlin, Nürnberg, Helsinki, Oslo, Marseille, Odense, Turku und Winterthur. Außerdem sollen Investitionen in die Forschung und Entwicklung der von Voi selbst programmierten Technologieplattform sowie in eine neue Generation von E-Scootern erfolgen.

Begeisterung für E-Scooter nimmt ab

Eigenen Angaben zufolge hat Voi in diesem Jahr vier Millionen registrierte Benutzer erreicht, die über 14 Millionen Fahrten unternommen haben. „Um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen und die Menschen für alternative Mobilität zu begeistern braucht es jedoch mehr als nur die Flutung von Städten mit E-Scootern”, sagt Fredrik Hjelm, CEO und Mitgründer von Voi. Darum setze man auf einen kooperativen Ansatz und versuche in Fragen der Regulierung, Sicherheit und Nachhaltigkeit eng mit Stadtbehörden, anderen Verkehrsbetrieben und  politischen Entscheidungsträgern zusammenzuarbeiten, um gemeinsam eine langfristige Strategie für die Anknüpfung von E-Scootern an die bestehenden Verkehrsnetze zu entwickeln.

Wie groß allerdings das Interesse der Nutzer an solchen Kooperationen ist, bleibt fraglich: Nach einer anfänglichen Euphorie unter den Nutzern scheint die Begeisterung für die E-Scooter langsam abzunehmen: Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Gothaer Versicherungen zeigte im Juli dieses Jahres, dass nur einer von fünf Erwachsenen die Elektroroller überhaupt nutzen will. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es immerhin 40 Prozent. Die Skepsis rührt nicht zuletzt wohl auch von der steigenden Anzahl an Unfällen. Laut Forsa-Umfrage sieht jeder vierte Befragte in den Tretrollern eine Gefahr vor allem für Fußgänger sowie für die Fahrer der Elektroroller selbst.