Die Bastelarbeit der Konzerne geht weiter: Auch Vodafone modernisiert seine Start-up-Sparte. Innovationschef Michael Reinartz erzählt im Interview, warum.

Vergangene Woche gab es mit einem „Big Bang“ eine veränderte Ausrichtung des Accelerators beim Telekommunikationsunternehmen Telefónica, jetzt folgt Konkurrent Vodafone: Auch das Düsseldorfer Unternehmen, Teil der britischen Vodafone-Gruppe, richtet seine Zusammenarbeit mit Start-ups neu aus. Im Fokus stehen ab sofort junge Unternehmen, die insbesondere den Geschäftskunden des Telko-Anbieters weiterhelfen können. Im Gegenzug wirbt Vodafone vor allem mit de Zugang zu seiner breiten Kundenbasis.

Im Interview mit WiWo Gründer berichtet Innovationschef Michael Reinartz, warum sich das Unternehmen für die Neuausrichtung entschieden hat – und welche Rolle die deutsche Landesgesellschaft im globalen Innovationsnetzwerk hat.

Sie wollen das Vodafone-Programm für Start-ups in Deutschland neu ausrichten. Warum?

Michael Reinartz: Der Rahmen für unsere Engagements war relativ breit gestreut. Wir hatten den Anspruch, generell nach innovativen Start-ups aus der Technologieszene Ausschau zu halten, die zu uns passen. Wir hatten viele erfolgreiche Kooperationen: Ein Beispiel dafür waren etwa die Kopfhörer von Bragi, die für uns einen Anknüpfungspunkt im Bereich Accessoires boten. Gleichzeitig haben wir ihnen als erster Reseller den Zugang zum deutschen Markt ermöglicht. Dennoch wollen wir unseren Ansatz jetzt schärfen.

Was war an dieser Ausrichtung falsch?

Wir haben viele spannende Start-ups ausfindig gemacht, andersherum haben uns auch sehr viele angesprochen, da Vodafone für viele Start-ups ein beliebter Partner ist – bei 45,7 Millionen Mobilfunk-Karten. Doch unser Ansatz war sehr breit, dadurch haben wir viel Zeit mit dem Prüfen verbracht, statt die Zeit zu nutzen, die Dinge auch durchzuführen.

Was soll sich ändern?

Unser neues Programm hier in Deutschland, das heute offiziell startet, heißt Vodafone Uplift. Es geht darum, die Zusammenarbeit mit Start-ups spitzer zu machen. Wir haben gemerkt, dass es Lücken zwischen dem Bedarf eines „Internet of Things“-Geschäftskunden und unserem Portfolio gibt. Wir fokussieren uns daher stärker auf Lösungen aus dem Internet der Dinge, die wir gemeinsam mit den Partnern an unsere Geschäftskunden bringen wollen und damit die Lücke schließen. Offen sind wir aber auch für Produkte für den Privatkundenmarkt – Hauptsache sie begeistern.

Was bedeutet das für die Art von Start-ups, die für Sie interessant sind?

Wir suchen Start-ups mit „Internet of Things“-Fokus, deren Finanzierung gesichert ist. Wir wünschen uns mindestens ein Minimum Viable Product oder schon eine vertriebsfähige Lösung. Wir können dann die Multiplikatoren sein, um das junge Unternehmen schneller wachsen zu lassen. Wir schaffen eine Win-win Situation: Wir skalieren das Start-up und können gleichzeitig unser bestehendes Portfolio ergänzen. Dafür suchen wir nicht nur Start-ups, sondern auch Firmen, welche die Start-up-Phase bereits überschritten haben.

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Wie könnten neue Engagements aussehen?

Im vergangenen Jahr haben wir etwa schon Hi-Phen identifiziert – ein Start-up aus dem Agrarsektor. Deren Sensoren messen über und unter der Erde Temperatur, Sonneneinstrahlung oder den Wasserstress der Pflanzen auf Feldern. Vernetzt durch Vodafone werden die Daten übertragen, aufbereitet und an das Smartphone oder Tablet des Acker-Besitzers gesendet. So hilft die Lösung langfristig dabei, die Ernte zu steigern und -ausfälle zu vermeiden. Wir haben dem Start-up geholfen, ihre Lösung zu optimieren und einen Piloten zu starten. Ein erstes Testfeld haben wir in Franken gerade gemeinsam mit Bosch gestartet. Auch Soccerwatch.tv – ein Start-up, das die Live-Übertragung von Amateurfußballspielen möglich macht – ist ein Beispiel. Da liefern wir die Sendetechnik über LTE. Vor allem aber können wir die Firma bei ihrem Markteintritt stark unterstützen.

Sie wollen also vor allem als Vertriebspartner auftreten und nicht investieren?

Wir wollen den Start-ups etwas bieten. Und das sind vor allem Kontakte zu Geschäftskunden, die Visibilität am Markt und die Möglichkeit, die Technik im Rahmen unserer Labore zu verfeinern und zu präsentieren. Aber seltene Ausnahmen bestätigen die Regel: Wenn uns ein Start-up überzeugt und für einen gemeinsamen Erfolg eine Investition sinnvoll ist, schließe ich das Thema Finanzierung nicht aus.

Wie stark ist der deutsche Fokus des neuen Programms?

Wir sind nicht nur an deutschen Start-ups interessiert, sondern an den Besten weltweit. Mit 60 Millionen verbauten Sim-Karten in IoT-Geräten können wir den Start-ups etwas bieten – da fürchten wir keine Konkurrenz. Im globalen Konzern nehmen wir eine führende Rolle beim Thema Innovationen ein.  Wir überlegen im Unternehmen, wie wir das Konzept im größeren Rahmen gestalten können. Da gibt es noch keine Entscheidung – aber das könnte auch in Deutschland stattfinden.