Das Stuttgarter Start-up erhält eine Millionenfinanzierung. Doch die Konkurrenz auf dem wachsenden Markt nimmt weiter zu.

Flexibler als Leasing, günstiger als Mietwagen: Mit Abo-Modellen wollen derzeit eine Reihe von Start-ups den Automarkt aufmischen – und all jenen eine Alternative bieten, die den Kauf eines eigenen Fahrzeugs scheuen. Ein monatlicher Paketpreis, so Idee, soll alle Fixkosten wie Steuern, Versicherungen oder Zulassungsgebühren sowie Wartungskosten abdecken. Nutzer sollen darüber hinaus lediglich für das Tanken bezahlen. Nach einer Mindestvertragslaufzeit lässt sich das Auto zurückgeben und bei Bedarf gegen ein anderes Modell tauschen.

Das Wettrennen der Anbieter um Kunden und Investoren nimmt aktuell an Fahrt auf. Nachdem im vergangenen Jahr die beiden Münchener Start-ups Cluno und  Finn jeweils millionenschwere Finanzierungsrunden abgeschlossen haben, hat nun auch der Stuttgarter Anbieter Vive La Car neue Beifahrer: Wie das vor gut einem Jahr gegründete Unternehmen heute mitteilte, haben die österreichische Versicherungsgruppe Vienna Insurance Group (VIG) und der Wagniskapitalarm des Stuttgarter Autozulieferers Vector eine siebenstellige Summe investiert.

Kooperation mit Autohändlern

Das Start-up, das sich selbst als „Mobility Fintech“ begreift, betont, dass es einen vergleichsweise geringen Kapitalbedarf hat. Denn die Fahrzeuge befinden sich nicht im Besitz von Vive La Car. Stattdessen vermittelt das Start-up über seine Plattform Autos von Marken-Händlern. Die sollen davon profitieren, dass auch schwer verkäufliche Modelle Geld einbringen – und nach der Nutzung in einem Auto-Abo als junge Gebrauchte weiterverkauft werden können. Den Wertverlust gleicht das Start-up aus.

Dank der Kooperationen kann Vive La Car mit einer guten Verfügbarkeit punkten. Über 200 Modelle verschiedener Marken sind nach Angaben des Start-ups aktuell sofort nutzbar. Bei anderen Anbietern müssen Kunden teils Monate auf ein passendes Fahrzeug warten. Mit den neuen Investoren an Bord streben die Stuttgarter nun ins Ausland: Noch im Sommer soll die Plattform auch in Österreich und der Schweiz starten.

Juicar drängt mit E-Autos nach Deutschland

Umgekehrt drängt mit Juicar auch ein Schweizer Anbieter aktuell nach Deutschland. Das Züricher Start-up, das 2017 aus einem Inkubator des Energiekonzerns Alpiq hervorgegangen ist, war in der Bundesrepublik bisher nur in Nordrhein-Westfalen vertreten. Ende Januar gab Juicar bekannt, seinen Service auf ganz Deutschland auszuweiten. Das 20-köpfige Unternehmen bietet ausschließlich Elektroautos an – darunter nun auch das Tesla Model 3 und den BMW i3. Für den Vertrieb in Deutschland ist Juicar gerade eine Kooperation mit dem Leasinganbieter Arval eingegangen.

Die Konkurrenz auf dem deutschen Markt, auf dem auch Fahrzeughersteller wie Volvo und VW selbst Abo-Modelle anbieten, nimmt damit weiter zu. Die Start-ups zeigen sich indes optimistisch, dass der Markt stark wächst. Eine von Vive La Car in Auftrag gegeben Studie hatte im September ergeben, dass sich jeder Dritte Autofahrer ein Abo vorstellen kann. Cluno verweist darauf, dass jene Interessenten, die derzeit ein Auto mit monatlichen Raten abbezahlen, dem Modell besonders aufgeschlossen gegenüberstehen. Wachstum versprechen sich die Anbieter zudem vom Geschäft mit Unternehmenskunden.