Die Produktion wird immer digitaler – und die Investitionen in Industrie-Start-ups steigen. Viel Geld fließt dabei aus der Welt der Tech-Konzerne.

Maschinen, die das passendste Wartungsintervall anmelden. Roboter, die im Handumdrehen auf alternative Produkte umgerüstet werden können. Oder Plattformen, die die Energieeffizenz in der Fabrik optimieren. Mit großem Aufwand und hohen Investitionen arbeiten zahlreiche Industieunternehmen daran, ihre Produktion automatisierter und individualisierter zu machen.

Dabei helfen auch Start-ups, die sich als Zulieferer für die Digitalisierung positionieren. Und diese jungen Digitalunternehmen erhalten immer mehr Finanzmittel – das zeigt sich in einem Report der weltweit tätigen Investmentbank GP Bullhound, der kürzlich veröffentlicht wurde (hier geht es zu dem Dokument). Laut Studie wurden allein im vergangenen Jahr weltweit 5,9 Milliarden Euro in Start-ups mit einem sogenannten Industrie-4.0-Fokus investiert. Diese Summe sei in den vergangenen fünf Jahren um das 14-fache gestiegen, so GP Bullhound.

Tech-Konzerne drängen in die Industrie

Die digitale Transformation könnte in hohem Tempo das traditionelle Gefüge in der Industrie verändern. Immerhin zwei deutsche Konzerne schaffen es noch in die Top-10 der größten strategischen Investoren in Industrie-Start-ups. Siemens landet laut GP Bullhound auf Platz drei und war an insgesamt 43 Transaktionen beteiligt, Bosch auf Platz fünf noch an 36.

Neben den internationalen Industrie-Konkurrenten GE und ABB tauchen sonst aber vor allem Tech-Firmen wie Intel, Alphabet, Cisco, Qualcomm oder Microsoft auf der Liste auf. „Das zeigt, wie die Welten von Maschinenbau und Software zunehmend verschmelzen“, schreiben die Studienautoren.

Auf der Start-up-Seite taucht unter den 20 meistfinanzierten Unternehmen kein einziges aus Deutschland auf. Elf amerikanische Start-ups (darunter Magic Leap, Pivotal oder Data Robot) prägen das Bild, dazu kommen Digitalunternehmen aus Asien. Neben strategischen Investoren pumpen hier auch häufig Risikokapitalgeber enorme Summen in die Start-ups. In Deutschland arbeiten zahlreiche Gründer an technologischen Lösungen rund um die Robotik, die Datenauswertung in der Industrie und das autonome Fahren. Die Schwierigkeit, hohe Wachstumsfinanzierungen innerhalb Deutschlands oder Europa zu stemmen, bleibt jedoch eine Herausforderung für die Industrie-4.0-Start-ups.

Die Studienautoren beobachten diese Kräfteverschiebung mit einer gewissen Sorge. Europäische Firmen würden zu einem wichtigen Übernahmeziel für US-amerikanische und asiatische Unternehmen, sagt GP-Bullhound-Direktor Nikolas Westphal. „Angesichts der Bedeutung des produzierenden Gewerbes für Europa und insbesondere Deutschland, wird es von immenser Wichtigkeit sein, dass Europa eigene Plattformen schafft, um weiterhin ein führender Standort im produzierenden Gewerbe zu bleiben.”