Das Hamburger Start-up will mehrere Schritte im Bewerbungsprozess vereinfachen. Das erste Risikokapital kommt von einer studentischen Initiative.

Mit Code gegen verschlüsselte Sätze in Arbeitszeugnissen: Das Start-up Verlingo setzt auf Machine Learning, um die Qualität oder möglichen Schwachstellen eines Leistungsnachweises zu erkennen. Aus diesem ersten Anwendungsfall soll in Zukunft eine umfangreiche automatisierte Analyse von Bewerbungsunterlagen werden. Jetzt investieren der studentische Risikokapitalgeber First Momentum Ventures und ein nicht genannter Privatinvestor einen sechsstelligen Betrag in das junge Hamburger Unternehmen.

Die Beteiligungen an HR-Start-ups haben zuletzt angezogen. Die Digitalisierung hat in vielen Unternehmen mittlerweile auch die Personalabteilungen erreicht. Zudem sorgt der Fachkräftemangel dafür, dass der Wunsch nach digitalen Softwarelösungen in diesem Bereich ansteigt. Die Spannbreite reicht von Recruiting-Lösungen über Feedback-Instrumente bis hin zur kompletten Personalakte. Digitalunternehmen wie Peakon oder Personio konnten in diesem Jahr bereits Finanzierungsrunden im zweistelligen Millionenbereich verkünden.

Automatisierter Blick durch die Bewerbermappe

Verlingo steht im Vergleich dazu noch am Anfang: Aktuell können Nutzer ihre eigenen Arbeitszeugnisse gegen eine kleine Gebühr hochladen und analysieren lassen. Im Fokus steht aber vor allem das Geschäft mit Unternehmen – die können die Ergebnisse der automatisierten Auswertung in ihre Bewerbermanagementsysteme einfließen lassen. Aus umfangreichen Unterlagen soll die Software die relevanten Dokumente erkennen und für die Personaler kompakt zusammenfassen können. Das soll die Arbeit in den Personalabteilungen effizienter machen.

Aktuell arbeitet das Team von Verlingo mit sechs Leuten an der Verfeinerung des Produktes und ist im Austausch mit Testkunden. Im Laufe dieses Jahres soll die erweiterte Lösung dann auf den Markt kommen.

Unterstützung durch einen frischen Fonds

Das Start-up ist jetzt knapp zwei Jahre alt und entstand als Ausgründung aus der Technischen Universität Hamburg-Harburg. Für eine erste finanzielle Förderung sorgte das staatliche Exist-Stipendium. Zudem arbeiteten die Gründer im vergangenen Jahr im Accelerator der Venture Villa in Hannover an ihrem Produkt.

Der erst im Sommer 2018 gegründete Risikokapitalgeber First Momentum Ventures bezeichnet sich selbst als „ersten studentischen Venture Capital Fonds“. Der Fonds will gezielt in ganz frühen Phasen in Start-ups investieren, die noch eine enge Verbindung zu einer Hochschule haben. Zu seinem Start kündigte First Momentum Ventures an, bis 2021 bis zu 50 Start-ups mit jeweils 80.000 Euro zu unterstützen. Im Vergleich zu anderen Risikokapitalgebern ist das eine kleine Summe. Für studentische Teams in der Gründung kann sie jedoch zumindest die Finanzierung des Lebensunterhaltes für ein Jahr sicherstellen.