Gegründet von einem Hobby-Schiedsrichter, will sich das Saarburger Start-up als Plattform für die Digitalisierung von Amateurvereinen etablieren.

Den Impuls zur Gründung lieferten die ersten Beschränkungen im Frühjahr, im Sommer war die Nachfrage riesig, seit dem zweiten Lockdown geht erst einmal nichts mehr: Das Schicksal von Total Fansports ist eng mit dem Verlauf der Corona-Pandemie verknüpft. Ansässig in Saarburg bei Trier, hat das Start-up ein Ticketsystem für Amateursportvereine entwickelt – und verspricht, diese gleich in mehrfacher Hinsicht zu entlasten: „Auf kurze Sicht dient das System dazu, Zuschauerkontingente zu verwalten und die Kontaktverfolgung sicherzustellen“, sagt Gründer Gregor Demmer. „Unabhängig von Corona helfen wir den Vereinen aber auch, in eine bargeldlose Zukunft zu starten.“

Viele Vereine, so die Beobachtung des Gründers, seien es leid, an Spieltagen immer Wechselgeld organisieren zu müssen und die Einnahmen im Anschluss bei der Bank einzuzahlen. Mit Vereinsticket, so das Versprechen, wird das überflüssig: Zuschauer kaufen ihre Eintrittskarte stattdessen bargeldlos per App, am Eingang zum Platz muss nur noch ein QR-Code gescannt werden. Auch Bratwurst und Bier sollen künftig über die App bezahlt werden können. Weil die Tickets personalisiert sind, ist damit auch die Kontaktverfolgung erledigt: Im Fall eines Corona-Ausbruchs lässt sich eine Zuschauer-Liste erzeugen und an das Gesundheitsamt weitergeben.

Vom Schwimmbad auf den Fußballplatz

Die Idee zur Gründung kam Demmer auf dem Fußballplatz: Als Hobby-Schiedsrichter pfeift er Spiele der Rheinlandliga. „Für die Vereine war es extrem lästig, auch noch die Kontaktdaten abzufragen und in Papierlisten einzutragen“, sagt der Unternehmer, der sich vor zehn Jahren mit Euresa selbstständig gemacht hatte. Die Webagentur, die unter anderem ein Vermittlungsportal für Kreuzfahrten betreibt, entwickelte im Auftrag der Verbandsgemeinde Saarburg im Frühjahr bereits ein Ticketsystem für die lokalen Schwimmbäder. Bei Demmers Heimatverein, dem FSV Trier-Tarforst, begannen die erste Versuche im Amateursport-Bereich. „Ich habe schnell gemerkt, dass wir damit einen Nerv getroffen haben.“

Gregor Demmer. Foto: privat

Gregor Demmer. Foto: privat

Nach den ersten Sportvereinen überzeugte Demmer im September einen Business Angel von Vereinsticket.de. Kurz darauf wurde Total Fansports als eigenständiges Unternehmen beim Handelsregister angemeldet. Rund 80 Sportvereine haben sich bis November für die Ticketlösung entschieden – dann legten die neuen Corona-Beschränkungen den Breitensport lahm. „Wir haben die Zeit unter anderem dafür genutzt, die technische Basis komplett zu überarbeiten“, sagt der Gründer. „Das Interesse wird rapide ansteigen, wenn es wieder losgeht.“

Starthilfe von der Förderbank

Auch die Suche nach neuen Geldgebern ging weiter – mit Erfolg: Kürzlich hat sich die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) über zwei Tochtergesellschaften an dem jungen Unternehmen beteiligt. Einen sechsstelligen Betrag hat das in die Kassen gespült – Geld, das der Gründer nun nutzt, um das Team aufzubauen. Bisher kaufte Total Fansports viele Dienstleistungen bei Euresa ein. Aktuell sind vier Mitarbeiter Vollzeit für die Ausgründung tätig, bis Ende des Jahres sollen es bis zu zehn sein.

Wettbewerb durch andere Anbieter von Ticketsystem fürchtet Demmer nicht: Die großen Ticketbörsen seien angesichts der geringen Warenkörbe am Amateursportbereich wenig interessiert. Umgekehrt haben die Vereine angesichts klammer Kassen kaum Geld dafür, in IT-Systeme zu investieren. Total Fansports verlangte zunächst knapp tausend Euro im Jahr– hat sich dann aber dazu entschlossen, die Software an die Vereine kostenlos abzugeben.

Einnahmen will das Start-up nun über Sponsoren generieren. „Für Unternehmen ist das eine super-interessante Werbefläche, weil der Erfolg anders als bei Bandenwerbung oder einer Anzeige im Heimspielheftchen digital messbar ist.“ Im Gespräch sei man etwa mit Online-Shops, Sparkassen und Supermärkten. Bereits als Kunden gewonnen haben die Saarburger einen Lebensmittelhersteller, dessen Produkte unter verschiedenen Markennamen vertrieben werden. Mit Anzeigen in der App will das Unternehmen sich nun als Arbeitgeber bekannt machen.

Eine Art Super-App für Mitglieder und Fans

Die Vision von Demmer reicht weiter über das Ticketing hinaus. Das Ziel sei eine „Plattform für die Digitalisierung des Amateursports“. So arbeitet das Start-up bereits an Funktionen, über die Vereine mit den Spielern in Kontakt bleiben können – und sie beispielsweise darüber informieren können, wenn Trainings verlegt werden. Fans und Vereinsmitglieder sollen künftig die Möglichkeit bekommen, bedruckte T-Shirts oder andere Merchandise-Artikel mit dem Logo des jeweiligen Vereins zu bestellen. In ferner Zukunft könnten auch Fitnessdaten der Spieler und Trainingspläne in die Plattform einfließen.

Das Marktpotenzial ist groß: Laut der Statistik des Deutsche Olympische Sportbunds waren im vergangenen Jahr mehr als 88.000 Sportvereine in Deutschland aktiv. Und jährlich gibt es alleine im Fußball rund 1,4 Millionen Spiele auf Kreisebene. Total Fansports zielt vor allem auf Vereine, bei denen Ehrenamtliche alle Aufgaben übernehmen. „Vorbehalte gegenüber digitalen Lösungen nehmen ab“, sagt Demmer. „Die Coronakrise hat zu einem Umdenken geführt.“