Mit einer eigenen Organisation will ein Verein die Gründer in NRW betreuen und vernetzen. Corona bremste den Start aus – nun soll die Arbeit an Fahrt aufnehmen.

In Bonn, in Südwestfalen und im Bergischen Land sind Gründer noch besonders gefragt: Für diese Regionen in Nordrhein-Westfalen sucht der Verein NRWalley aktuell Regionalsprecher, die die Belange von Start-ups vor Ort bündeln. In sieben anderen Regionen des einwohnerstärksten Bundeslandes wurden bereits Unternehmerinnen und Unternehmer für diese Funktion gefunden. Mit einer neu überarbeiten Homepage sucht der Verein nun ambitionierte Vertreter.

Denn die Initiatoren treiben die eigenständige Vertretung von Start-ups im Westen der Republik mit einem ehrgeizigen Konzept voran. Als zentrale Interessensvertretung hat sich in den vergangenen Jahren eigentlich der Bundesverband Deutsche Startups etabliert. „Durch das tiefe Eingraben in der Region sind wir jedoch an einen Punkt gekommen, an dem eine Eigenständigkeit Sinn machte“, sagt Torsten Jensen, Teil des geschäftsführenden Vorstands von NRWalley.

Eigene Organisation neben dem Bundesverband

Der Bundesverband war nach einer Phase des starken Wachstums für einige Zeit in unruhigeres Fahrwasser geraten. In den vergangenen Monaten konnte die Organisation jedoch durchaus einige öffentlichkeitswirksame Erfolge für sich verbuchen, sei es bei der Krisenhilfe für Start-ups oder beim Einsatz für bessere Beteiligungsmöglichkeiten. Nun existieren in Nordrhein-Westfalen zwei Organisationen nebeneinander – die jedoch mit einem Kooperationsvertrag miteinander verbunden sind.

So soll sich NRWalley etwa weiter um die Start-ups vor Ort kümmern, die im Bundesverband Mitglied sind. „Wir wollen keine Schattennetzwerke aufbauen”, betont Jensen, „wir schätzen die bestehende Infrastruktur – aber wollen da noch intensiver reingehen, wo wir nichts vorfinden.“ Dazu zählt neben dem breiten regionalen Netzwerk in dem Flächenland auch ein intensiver Kontakt zur Landesregierung.

So bleibe auch Zeit, um sich um Details wie etwa Änderungen am Gründerstipendium des Bundeslandes zu kümmern, sagt Vorstandsmitglied Markus Gick: „Da konnten wir mithelfen, das Programm für die neue Phase zu kalibrieren.“

Coronakrise sorgte für Verzögerungen zum Start

Schon in den vergangenen Jahren hatten regionale Netzwerker versucht, die Lobbyvertretung für Gründer stärker in NRW zu vertiefen. Zwischenzeitlich gab es sogar einen hauptamtlichen Mitarbeiter – jetzt schultern vorerst Ehrenamtler und studentische Hilfskräfte die Arbeit. Der Verein wurde im Februar gegründet – und erst einmal durch den Ausbruch der Coronakrise gestoppt.

In der unsicheren Phase musste der NRWalley-Vorstand auch etablierte Konzerne und Mittelständler davon überzeugen, die Vorhaben des Vereins durch eine Mitgliedschaft mitzufinanzieren. Insgesamt führt NRWalley aktuell zwölf Förderer auf. Darunter sind etwa der Außenwerber Ströer mit Sitz in Köln, der Werbekonzern Saatchi & Saatchi oder der Umweltschutztechnikhersteller Denios aus Bad Oeynhausen.

Unter der eigenen Marke „NRWomen“ will der Verein auch Gründerinnen unterstützen. „Wir möchten eine stärkere Anerkennung von Mut und unternehmerischen Denken fördern und die Politik dazu bewegen, Voraussetzungen zu schaffen und Hürden aus dem Weg zu räumen, damit mehr Frauen eine Gründung wagen“, sagt Felicia Kufferath, die den geschäftsführenden Vorstand komplettiert.

Zu den Schwerpunkten soll zudem die Vernetzung von etablierten Unternehmen und Start-ups zählen. „Im besten Fall kommt da sowas wie der Deal zwischen Flaschenpost und Dr. Oetker heraus“, sagt Jensen. Auch soll unter den Unternehmern dafür geworben werden, sich – als wohlhabende Privatperson oder Mittelständler – an der Finanzierung von Start-ups zu beteiligen. Ein weiterer Blick geht über die Landes-, aber auch die Bundesgrenzen heraus: Man wolle den NRW-Start-ups bei der Internationalisierung helfen, sagt Gick.

Basis im Bundesland soll wachsen

Im kommenden Jahr soll vor allem das Netzwerk ausgebaut werden. Aktuell sind von der Start-up-Seite etwa 150 Gründer Mitglied im NRWalley. Diese Zahl soll perspektivisch deutlich wachsen. „Je besser wir die Probleme der Start-ups verstehen, desto besser können wir sie vertreten“, sagt Jensen, „und je breiter die Basis ist, desto stärker werden wir wahrgenommen.“

Die Aktivitäten in NRW sind ein weiterer Beleg dafür, dass sich die Start-up-Branche in weiten Teilen der Bundesrepublik intensiver organisiert – und auch immer häufiger von der Politik als Ansprechpartner auf Augenhöhe wahrgenommen wird. Vor einem Monat stellte etwa Niedersachsen eine Strategie vor, in der alle Start-up-Aktivitäten gebündelt werden sollen.