Ausschau hält Thüga insbesondere nach Start-ups, die sich mit Smart-City-Anwendungen, geteilter Mobilität sowie mit sogenannten Smart-Metering-Systemen – rund um vernetzte Zähler – beschäftigen. Auch eine Beteiligung ist nicht ausgeschlossen, wie zum Beispiel ein Investment in die Freiburger Firma Geospin an der Seite des High-Tech Gründerfonds im vergangenen Jahr zeigt.

An Grenzen stößt Thüga teilweise bei der Umsetzung neuer Geschäftsmodelle bei den Stadtwerken: Hintergrund sind laut Lieb unterschiedliche Befugnisse in den Gemeindeordnungen. „Manche gemeinsamen Entwicklungsprojekte können wir mit den Stadtwerken teils aus regulatorischen Gründen nicht verfolgen, weil sie zu weit vom Gedanken der Daseinsvorsorge entfernt sind“, sagt der Innovationsmanager.

Rechtliche Sicherheit beim Austausch von Know-how

Um die Zusammenarbeit mit jungen Firmen zum Erfolg zu führen, stellt Veolia in Deutschland inzwischen rund 30 Mitarbeiter aus Fachabteilungen teilweise vom Tagesgeschäft frei, um bei der Start-up-Suche, Auswertung von Bewerbungen und der Kommunikation zu helfen. Christof Augenstein, Projektingenieur Anlagentechnik für den Geschäftsbereich Entsorgung, ist einer der Koordinatoren. Er verwendet nach eigener Aussage etwa 20 Prozent seiner Arbeitszeit, um Innovationsthemen abseits der operativen Aufgaben voranzutreiben – dazu gehört auch das Karbonfaser-Projekt mit Extracthive.

Aus seiner Sicht zentral für das Zusammenspiel zwischen Konzern und Nachwuchsunternehmen: gegenseitiges Vertrauen, vor allem in Bezug auf den Umgang mit geistigem Eigentum. „Wichtig ist, dass beiden Seiten auch wirklich bereit sind, Know-how zu teilen“, sagt Augenstein. Rechtliche Regelungen möglichst früh zu treffen, ist eine wichtige Basis: „Um den Austausch zu fördern, schließen wir mit jedem Start-up individuelle Verträge darüber, wie das entstandene Know-how später genutzt werden darf.“ Zum Teil gehen die sogenannten IP-Rechte vollständig an das Start-up, in anderen Fällen werden Nutzungsrechte geteilt.

Geringere Risiken durch öffentliche Förderung

Zur Trennung führt dagegen häufig die unterschiedliche Risikobereitschaft: „Die Entscheidung, welche Kooperationsprojekte längerfristig weiterfinanziert werden, wird stark marktbasiert getroffen“, so Augenstein. Bei großer Unsicherheit über die Entwicklung des jeweiligen Marktes zieht sich der Konzern oftmals schnell zurück. Projektverträge laufen bei Veolia Deutschland in der Regel ein Jahr, zum Teil auch nur ein paar Monate.

Die Ausweichmöglichkeit: öffentlich mitfinanzierte Forschungsprojekte. So unterstütze Veolia die Partner-Start-ups dabei, sich für europäische Förderprogramme zu qualifizieren, sagt Augenstein. „Das hat den Vorteil, dass sich die finanziellen Risiken für alle Projektpartner reduzieren und die Zusammenarbeit deshalb länger weitergehen kann.“