Die Investitionen in deutsche Start-ups sind im Vorjahr massiv angestiegen. Verantwortlich sind dafür vor allem zwei Mega-Deals. Doch das reicht nicht.

Die Investitionen in deutsche IT- und Internetunternehmen sind 2014 deutlich angestiegen. Nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) wurden insgesamt 2,24 Milliarden Euro in dem Bereich investiert. 2013 waren es dagegen nur 914 Millionen Euro, 2011 und 2012 jeweils etwa 1,2 Milliarden. „Das sind relativ erfreuliche Zahlen“, sagte BVK-Vorstand Ulrike Hinrichs bei der Vorstellung der Zahlen auf der Cebit.

Allerdings sind vor allem zwei Übernahmen für die guten Zahlen verantwortlich: die Verkäufe von Scout24 und Teamviewer für schätzungsweise 1,5 Milliarden beziehungsweise 870 Millionen Euro. Insgesamt machten 17 Übernahmen 63 Prozent der Gesamtinvestitionssumme von 2,2 Milliarden aus – vom Scout24-Deal geht dabei nur der aus Eigenkapital bezahlte Teil ein, ein weiterer Part wure über Fremdmittel finanziert und in der Statistik nicht berücksichtigt.

Deutlicher Sprung bei VC- und Wachstumsfinanzierungen

Die reinen Venture Capital (VC)- und Wachstumsfinanzierungen in knapp 350 Start-ups summierten sich auf 825 Millionen Euro. Das ist zumindest ein deutlicher Sprung: Zwischen 2011 und 2013 lagen die Start-up-Finanzierungen jeweils zwischen 450 und 460 Millionen Euro.

Einen ähnlichen Anstieg hatte kürzlich auch der European Tech Report von CB Insights gezeigt. Dort wurde die Summe für Deutschland sogar mit 1,12 Milliarden Euro beziffert – nach 530 Millionen in 2013.

Doch trotz des deutlichen Anstiegs sind deutsche Gründer immer noch Lichtjahre von den USA entfernt, wo einzelne Start-ups wie Uber oder Snapchat allein so hohe Summen einsammeln wie alle deutschen Gründer zusammen. „Wir haben viel zu wenig Venture Capital in Deutschland“, sagt daher auch Hinrichs, „auch unsere europäischen Nachbarn wundern sich darüber.“

Doch obwohl die Bundesregierung von der Kanzlerin bis zum Wirtschaftsminister in ihren Reden immer wieder die Bedeutung von Start-ups und deren Förderung betonen, passiert wenig. „Im Koalitionsvertrag steht die Einführung eines VC-Gesetzes, aber es passiert nichts“, schimpft Hinrichs, die daher kürzlich selbst einen Entwurf geschrieben hat. Vor allem das Finanzministerium hat bislang gebremst.

Regierung hat bisher nur sechs Projekte umgesetzt

Der Digitalverband Bitkom sieht das ähnlich: „Bei für die gesamte Start-up-Szene richtungsweisenden Projekten wie der Einführung eines Venture-Capital-Gesetzes passiert zu wenig“, so Vizepräsident Ulrich Dietz einer Mitteilung zufolge. Eine aktuelle Studie des Verbandes, die Bitkom am Mittwoch vorstellte, unterstreicht seine Aussage: Lediglich sechs der 30 versprochenen Projekte, die Gründer direkt fördern sollen, habe die Bundesregierung bisher durchgesetzt. Dabei handele es sich vor allem um bestehende Maßnahmen, die schlicht fortgesetzt wurden. Bei zwölf Projekten sei man nur teilweise vorangekommen, in zwölf weiteren Projekten sei bisher noch gar nichts passiert, so das Ergebnis vom Bitkom.

Trotzdem hat die Start-up-Szene noch Hoffnung. „Noch nie hat eine Bundesregierung die Themen Digitalisierung und Start-ups so in den Mittelpunkt ihrer Arbeit gerückt wie diese“, sagt Dietz. Nun müssten am Ende „auch sichtbare Erfolge“ herauskommen. Ulrike Hinrichs vom BVK hofft für das VC-Gesetz auf die Aussagen der Bundeskanzlerin: „In ihrer Eröffnungsrede hat Merkel gesagt, Schäuble arbeite nun daran“, so Hinrichs, „mal sehen was daraus wird.“