Doch trotz des deutlichen Anstiegs sind deutsche Gründer immer noch Lichtjahre von den USA entfernt, wo einzelne Start-ups wie Uber oder Snapchat allein so hohe Summen einsammeln wie alle deutschen Gründer zusammen. „Wir haben viel zu wenig Venture Capital in Deutschland“, sagt daher auch Hinrichs, „auch unsere europäischen Nachbarn wundern sich darüber.“

Doch obwohl die Bundesregierung von der Kanzlerin bis zum Wirtschaftsminister in ihren Reden immer wieder die Bedeutung von Start-ups und deren Förderung betonen, passiert wenig. „Im Koalitionsvertrag steht die Einführung eines VC-Gesetzes, aber es passiert nichts“, schimpft Hinrichs, die daher kürzlich selbst einen Entwurf geschrieben hat. Vor allem das Finanzministerium hat bislang gebremst.

Regierung hat bisher nur sechs Projekte umgesetzt

Der Digitalverband Bitkom sieht das ähnlich: „Bei für die gesamte Start-up-Szene richtungsweisenden Projekten wie der Einführung eines Venture-Capital-Gesetzes passiert zu wenig“, so Vizepräsident Ulrich Dietz einer Mitteilung zufolge. Eine aktuelle Studie des Verbandes, die Bitkom am Mittwoch vorstellte, unterstreicht seine Aussage: Lediglich sechs der 30 versprochenen Projekte, die Gründer direkt fördern sollen, habe die Bundesregierung bisher durchgesetzt. Dabei handele es sich vor allem um bestehende Maßnahmen, die schlicht fortgesetzt wurden. Bei zwölf Projekten sei man nur teilweise vorangekommen, in zwölf weiteren Projekten sei bisher noch gar nichts passiert, so das Ergebnis vom Bitkom.

Trotzdem hat die Start-up-Szene noch Hoffnung. „Noch nie hat eine Bundesregierung die Themen Digitalisierung und Start-ups so in den Mittelpunkt ihrer Arbeit gerückt wie diese“, sagt Dietz. Nun müssten am Ende „auch sichtbare Erfolge“ herauskommen. Ulrike Hinrichs vom BVK hofft für das VC-Gesetz auf die Aussagen der Bundeskanzlerin: „In ihrer Eröffnungsrede hat Merkel gesagt, Schäuble arbeite nun daran“, so Hinrichs, „mal sehen was daraus wird.“