Der Marktplatz sammelt sieben Millionen Euro ein – und will bald einen neuen Gang einlegen: Auch Verbraucher sollen zukünftig im Fokus des Start-ups stehen.

Digital zum Firmenwagen: Darauf hat sich das Berliner Start-up Vehiculum spezialisiert – und dafür in den letzten drei Jahren einen Marktplatz für das Fahrzeugleasing von Unternehmen aufgebaut. Seit der Gründung habe man so bereits Verträge mit einem Umsatz von 300 Millionen Euro abgewickelt, teilt das Start-up mit. Vehiculum selbst verdient als Marktplatz über eine Provision von Händlern oder Banken bei einem vermittelten Leasingvertrag.

In einer frisch abgeschlossenen Finanzierungsrunde hat Vehiculum nun knapp sieben Millionen Euro eingesammelt. Neu eingestiegen sind der russische Risikokapitalgeber Runa Capital, der auf Mobilitätsthemen spezialisierte MobilityFunds sowie der Gründer von Smava, Alexander Artopé. Bestandsinvestor Coparion stockt seine Beteiligung noch einmal auf. Insgesamt komme man nun auf etwa zehn Millionen Euro Risikokapital, heißt es von Vehiculum – vor knapp zwei Jahren gab es eine Million Euro, im Oktober 2017 dann weitere zwei Millionen Euro.

Plattform auch für Privatkunden

Die deutlich größere Summe nun soll auch bei einer deutlichen Ausweitung des Geschäftsmodells helfen: Vehiculum plant, das Angebot auch für Privatkunden zu öffnen. Das Start-up ist überzeugt, dass auch Verbraucher ein Interesse daran haben, auf einer Plattform nach Leasing-Angeboten zu suchen. „Das Problem ist nicht das Produkt, sondern dass die Kundenerfahrung wortwörtlich aus dem letzten Jahrhundert stammt“, begründet Mitgründer Lukas Steinhilber die Chancen, die er für das junge Unternehmen mit mittlerweile etwa 70 Mitarbeitern sieht.

Mittelfristig will das heute recht spezialisierte Start-up somit eine zentrale Schnittstelle für die Sharing-Economy werden: „In Zukunft kaufen wir keine Autos mehr, sondern zahlen monatlich für ihre Nutzung“, sagt Steinhilber. „Ob wir das dann Leasing, Miete, Flatrate oder Abo nennen – wir bauen die Plattform dafür.“

Zuviel konkretes will Vehiculum zu diesem Strategieschwenk jedoch nicht verraten. Geplant sei jedoch eine deutschlandweite Kampagne, die in Kürze starten soll, heißt es auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer. Bislang besetzen vor allem die Autohersteller – viele mit eigenen oder angeschlossenen Banken – das Leasingthema selbst. Daimler stieg etwa im vergangenen Jahr beim US-Start-up Gravity ein, auch um das eigene Leasing-Angebot zu digitalisieren. Vehiculum sieht sich selbst jedoch als Ergänzung zu diesem Markt und will von einer möglichen Konkurrenzsituation wenig wissen.

Die neuen Investoren sind naturgemäß überzeugt von den großen Plänen: Vehiculum habe als erstes Unternehmen das „Potenzial einer dynamischen Mobilitätsplattform“ erkannt, lässt sich Runa-Capital-Partner Dmitry Galperin zitieren. Und Smava-Gründer Alexander Artopé erkennt Parallelen zu dem von ihm aufgebauten Marktplatz für Privatkredite: „Es gibt da durchaus einige Gemeinsamkeiten.“