Risikokapitalgeber haben in Deutschland im vergangenen Quartal besonders kräftig investiert, so eine aktuelle Studie. Einige Branchen bekommen erhöhte Aufmerksamkeit.

Mehr als 560 Millionen US-Dollar erhält das Münchener Start-up hinter Flixbus und Flixtrain, FlixMobility, immerhin 470 Millionen fließen an die Berliner Smartphone-Bank N26 und der Mainzer Entwickler von Krebs-Immuntherapien Biontech steckt 330 Millionen Dollar ein und geht in den USA an die Börse: Nicht nur die drei Top-Finanzierungsmeldungen der Sommermonate vermitteln den Eindruck einer derzeit sehr aktiven Venture-Capital-Szene in Deutschland.

Risikokapitalgeber haben in den vergangenen drei Monaten so viel Geld in deutsche Start-ups investiert wie nie zuvor in einem Quartal, lautet auch eine Zwischenbilanz des Beratungsunternehmens KPMG zu den weltweiten VC-Aktivitäten. Insgesamt beliefen sich demnach die Hochrisiko-Deals in Deutschland im dritten Quartal auf rund 2,29 Milliarden Dollar (umgerechnet 2,08 Milliarden Euro).

FlixMobility greift nach Marktanteilen

Global erkennen die Berater einen Fokus der Investoren auf drei Sektoren: Transport, Mobilität und Cybersicherheit. In Deutschland stünden vor allem die Autozulieferer und Banken vor wirtschaftlichen Herausforderungen, lässt sich KPMG-Partner Tim Dümichen in einer Pressemitteilung zu der gestern veröffentlichten Studie „Venture Pulse“ (hier geht es zum PDF) zitieren. Damit verstärke sich der Druck auf die Unternehmen, ihre Geschäftsmodelle zu überprüfen. „Sicherlich ist diese Entwicklung auch ein maßgeblicher Grund für die namhaften Investments in Start-ups aus diesen Bereichen”, so Dümichen.

Internationale Beispiele sind der Fahrdienstleister Didi Chuxing sowie der Elektrofahrzeughersteller Byton, beide aus China. In Deutschland geht FlixMobility mit eigenen Mitfahrgelegenheiten und einer üppigen Finanzierung im Rücken in den Frontalangriff auf BlaBlaCar aus Frankreich. Hierzulande spürt der Fernbus-Anbieter Konkurrenz etwa durch den Kölner Rivalen Pinkbus. Start-ups mit aussichtsreichen Lösungen rund um Cybersicherheit durften auf hohe Summen hoffen: So verzeichneten die Berater in der Branche im abgelaufenen Quartal mehr als zwei Dutzend Deals über der Schwelle von jeweils 100 Millionen Dollar.

Kritischer Blick auf Profitabilität und Geschäftsmodell

Eine Veränderung erkennen die Studienautoren von KPMG indes bei der Risikofreude in der Welt der VCs: „Was sich inzwischen ganz deutlich zeigt, ist eine zunehmende Skepsis der Investoren gegenüber Unternehmen, die unprofitabel sind oder über kein klares Geschäftsmodell verfügen, bei dem Profite absehbar sind“, erklärt Partner Stefan Kimmel laut Presseinformation. Das gelte insbesondere für größere Later-Stage-Investments.

In Summe landeten die weltweiten Investitionen in Start-ups in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres bei mehr als 170 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Im Rekordjahr 2018 waren es im gleichen Zeitraum bereits 214 Milliarden. Ein anderes Bild zeigt sich beim Blick auf Europa. In der Region sehen die KPMG-Berater mit 28,76 Milliarden Dollar an Risikokapital-Investitionen von Januar bis September die Zielmarke des Vorjahres (26,98 Milliarden Dollar im Gesamtjahr) schon geknackt. Als anziehend für Kapitalgeber erweisen sich laut der Studie vor allem die Länder Deutschland, Großbritannien, Schweden und Belgien. Internationaler Start-up-Hotspot bleibt außerdem Israel.