Die Software des Start-ups führt Ideen zur Kostenoptimierung zusammen – und setzt auch auf den Austausch über Firmengrenzen hinweg. Investoren stützen die Bielefelder nun mit 3,2 Millionen Euro.

Die Produktverpackung, die könnte doch noch ein kleines Stückchen dünner sein. Und wenn die Anlieferung an einer anderen Rampe gelänge, ließe sich ein aufwendiger Transport quer durch die Halle vermeiden. Zwei von zahlreichen Einsparmöglichkeiten, die so oder ähnlich in vielen Firmen diskutiert werden. Gerade im Coronajahr 2020 rückte die Kosteneffizienz in vielen Unternehmen noch einmal besonders im Fokus.

Das Bielefelder Start-up Valuedesk baut eine digitale Plattform, in der abteilungsübergreifend solche Ideen gesammelt und in Projekte verwandelt werden können. Bis zu fünf Prozent an Einsparungen könne man erreichen, wenn man die gesamte Organisation in solche Überlegungen einbindet, sagt Valuedesk-Mitgründer Torsten Bendlin (Bildmitte) – und nicht nur im Einkauf immer strikter nachverhandelt.

Austausch über Einsparungen geplant

2017 wurde das Start-up gegründet. In den vergangenen Jahren konnten Konzerne und größere Mittelständler überzeugt werden, das Programm auszuprobieren. Aus der ostwestfälischen Nachbarschaft kam etwa kürzlich der Elektronikspezialist Phoenix Contact dazu. Man erziele „eine neue Transparenz über den Status aller Einsparprojekte“, sagt Markus Brentano, Vice President Corporate Purchase bei Phoenix Contact. Zudem sei man dank des Start-ups in der Lage, „passgerecht unsere Maßnahmen zu steuern.“

In Zukunft, so der Plan von Gründer Bendlin, sollen Unternehmen zudem mehr Informationen über ihre Projekte miteinander teilen. Dabei geht es nicht um Betriebsgeheimnisse, aber um wertvolle Tipps: Welche Strategien sind beispielsweise wirklich wirksam, wenn man als produzierender Betrieb seine Energiekosten senken will? „Die Ideen, die funktionieren, wollen wir auch in unsere Community hereintragen“, sagt Bendlin.

Noch steht das junge Unternehmen jedoch vor allem vor einer Herausforderung: Mit der Plattform-Lösung für die Kostenoptimierung schafft man eine neue Software-Kategorie. In einer aktuellen Pressemitteilung träumt das Start-up davon, zum „Salesforce für Einsparungen“ zu werden. Im ersten Schritt bedeutete das aber viel Arbeit für Vertrieb und Marketing: „Wir sind ein erklärungsbedürftiges Produkt, weil wir so neu sind“, sagt Bendlin, der Valuedesk mit Ingo Roßdeutscher und Dennis Cutraro gründete.

3,2 Millionen Euro für Valuedesk

Auch andere Start-ups, wie etwa Celonis oder LeanIX, geben aktuell viel Geld für Marketing aus – um so die Zielgruppe auf die selbst definierte Software-Kategorie aufmerksam zu machen. In Bielefeld soll sich für diese Aufgabe das Team von aktuell 17 Mitarbeitern im kommenden Jahr verdreifachen. Dabei setzt das Start-up auch darauf, Start-up-erfahrene Fachkräfte aus Berlin, Hamburg oder München zu gewinnen, die in ihre ostwestfälische Heimat zurückkehren wollen.

Eine frisch abgeschlossene Finanzierungsrunde soll Valuedesk jetzt für das nächste Jahre die nötige Zeit dafür verschaffen. Wie die WirtschaftsWoche vorab erfuhr, hat Valuedesk 3,2 Millionen Euro eingesammelt. Angeführt wurde die Runde von Unternehmertum Venture Capital (UVC Partners). Der Risikokapitalgeber, traditionell eng mit der Technischen Universität in München verbandelt, hat Ende Oktober einen neuen 150-Millionen-Fonds geschlossen, der vorwiegend in Start-ups mit dem Fokus Geschäftskunden-Software investieren soll.

Fernab der bayerischen Heimat hat UVC Partners nun in Bielefeld zum ersten Mal aus diesem Fonds investiert. „Gerade in der Corona-Krise ist schmerzlich bewusst geworden, dass viele Unternehmen die Möglichkeit fehlt, Optimierungsmaßnahmen steuerbar und prozesssicher umzusetzen“, begründet UVC-Managing-Partner Ingo Potthoff die Beteiligung. „Valuedesk macht es möglich, strukturiert und konsequent Kosteneinsparungen umzusetzen.“

Junges Unternehmen mit großen Zielen

Neben UVC Partners beteiligen sich auch private Geldgeber, sogenannte Business Angels, in der aktuellen Runde an Valuedesk. Darunter unter anderem Daniel Holz, der das Cloud-Geschäft von Google in Europa leitet: „Ich sehe bei der Kostenoptimierung enormen Nachholbedarf. Die Lösung sollte nicht nur in Deutschland, sondern auch international eingesetzt werden“, lässt sich der erfahrene Tech-Manager zitieren.

Die Ziele von Valuedesk sind groß. Die aktuelle Finanzierungsrunde im Millionenbereich hat das Start-up als „Seed-Finanzierungsrunde“ gekennzeichnet. Trotz zahlender Kunden sieht man sich noch in einer sehr frühen Phase: „Für uns ist das immer noch die Vorbereitung zum Markeintritt“, sagt Bendlin. Mit den gewonnenen Erfahrungen soll sich dann auch die angesprochene Kundengruppe vergrößern: Aktuell sieht sich Valuedesk als geeignet für Unternehmen zwischen etwa 100 Millionen und knapp fünf Milliarden Euro Umsatz. Auf Sicht, so das Ziel von Bendlin und seinem Team, sollen jedoch auch Dax-Konzerne auf die Plattform zurückgreifen können.