In den USA entscheiden sich immer mehr Menschen für eine selbstständige Tätigkeit. Auch, weil sie damit mehr verdienen, wie eine Studie zeigt. Deren Ergebnisse sind auch für Deutschland relevant.

Der Kampf um Fachkräfte tobt – nicht nur bei Softwareentwicklern und Programmierern. Schon jetzt suchen viele Unternehmen händeringend nach Arbeitnehmern, in 96 Berufen fehlt Personal. Eine US-Studie prognostiziert nun, dass sich dieser Trend noch verschärfen könnte. Denn die Konkurrenz kommt nicht nur von anderen Firmen, sondern auch von einer weiteren, beliebter werdenden Option der Arbeitswelt: der Selbstständigkeit. Freiberuflich tätig sein, das ist längst keine Verlegenheitsentscheidung mehr.

Laut der Umfrage, die von der US-amerikanischen Freelancers Union und von dem Online-Marktplatz Upwork erstellt wurde, entscheiden sich nicht nur immer mehr Beschäftigte in den Vereinigten Staaten für die Selbstständigkeit – sie verdienen mit ihrer freiberuflichen Tätigkeit auch mehr. 75 Prozent der Befragten gaben an, dass sie in ihrem ersten Jahr als Selbstständige ein höheres Gehalt bezogen als in ihrem vorherigen Job. 48 Prozent gehen sogar davon aus, dass ihr Einkommen weiter steigen wird, nur elf Prozent rechnen mit geringeren Einnahmen.

Generation Y blickt besonders optimistisch auf Selbstständigkeit

Die Gründerin der Freelancers Union, Sara Horowitz, überrascht das nicht. Das Einkommen stagniere in allen Berufen und die Ungleichheit nehme zu, meint sie. Die Studienautoren gehen auch deshalb davon aus, dass der Schritt in die Selbstständigkeit ein bleibender Trend ist. Die Digitalisierung mache das freie Arbeiten einfacher denn je zuvor, heißt es in der Untersuchung. 73 Prozent der Befragten meinen, dass es durch die neuen Technologien einfacher sei, Arbeit zu finden. 2014 hatten dies nur 69 Prozent gesagt. Mehr als die Hälfte der befragten Freien haben Aufträge aus dem Onlinebereich bekommen, im Vorjahr waren es 42 Prozent.

Dass der Trend nicht plötzlich verschwinden wird, zeigt sich auch an der jungen Generation. 61 Prozent der 18- bis 34-jährigen Selbstständigen haben sich bewusst für die freiberufliche Arbeit entschieden. Und in dieser Altersgruppe finden sich auch die meisten Gründer: 43 Prozent arbeiten selbstständig, damit liegt die Prozentzahl so hoch wie in keinem anderen Alter. Zudem glauben 87 Prozent der Millennials, in Deutschland lieber als Generation Y bezeichnet, dass die besten Jahre für die Selbstständigkeit noch kommen.

Auf die Bundesrepublik übertragen lassen sich die Ergebnisse nur eingeschränkt. Trotzdem lässt sich der Trend zur selbstbestimmten Tätigkeit auch in Deutschland feststellen, wie jüngst der KfW-Gründungsmonitor 2015 zeigte. Demnach stieg die Zahl der Gründer 2014 um 47.000 auf 915.000. Immer mehr starten demnach ihr Geschäft nicht mehr nebenbei, sondern in Vollzeit. Und auch hierzulande entscheiden sich 48 Prozent freiwillig für die freie Tätigkeit, nur in 30 Prozent der Fälle gründen die Menschen aus der Not heraus.

Nur zwei Prozent der unter 35-Jährigen haben gegründet

Zwar rechnet die KfW für das laufende Jahr wieder mit weniger Gründern. Das dürfte aber vor allem der guten Konjunktur geschuldet sein, da sich in Zeiten wachsender Wirtschaft weniger Menschen selbstständig machen.

Die Unternehmen, die nach Fachkräften suchen, müssen aber nicht gleich verzweifeln. Auch wenn die freie Tätigkeit zur Konkurrenz wird, so werden doch nicht alle Menschen unter 35 Jahren gründen. Laut Generation-Y-Experte Jason Dorsey finden sich in den jüngeren Jahrgängen zwar immer mehr Interessierte, die sich vorstellen können, ein Unternehmen aufzubauen. Allerdings zeigt eine Untersuchung des US-Konzerns Amway auch, dass sich gerade einmal zwei Prozent der Deutschen im Alter von bis zu 35 Jahren selbstständig gemacht haben.