Das Spin-off des IT-Dienstleisters Adesso will mit seiner Software ermitteln, wann Elektroautos optimalerweise aufgeladen werden sollten.

Noch sind erst gut 80.000 Elektroautos in Deutschland zugelassen, doch Marktbeobachter rechnen damit, dass die Zahl in den kommenden Jahren stark ansteigt. Für Stromnetzbetreiber ist der kontinuierliche Zuwachs nicht unproblematisch: Laden viele E-Autos gleichzeitig, kann das zu neuen Lastspitzen und einer Überlastung des Netzes führen.

Hier setzt Urban Energy ein. Das frisch gegründete Spin-off des Dortmunder IT-Dienstleisters Adesso vertreibt eine Software, die berechnen soll, wann Ladevorgänge für das Netz am dienlichsten sind. Die Idee: Laden E-Auto-Besitzer erst zum vorgeschlagenen Zeitpunkt, zahlen sie weniger. Möglich wäre eine solche Verschiebung dann, wenn das Fahrzeug länger nicht gebraucht wird, etwa während der Arbeit oder nachts.

Gegründet worden ist Urban Energy von Paul Dittrich, David Stolz und Stephan Thies. Ihr ehemaliger Arbeitgeber Adesso hat sich 20 Prozent an dem Start-up beteiligt, ebenso wie Phoenix Contact Innovation Ventures, der Wagniskapitalarm des westfälischen Elektrotechnik-Herstellers. Die Gesellschafter finanzieren Urban Energy mit einem siebenstelligen Betrag, gab Dittrich im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer an.

Keine eigene Hardware

„Wir richten uns mit unserer Software-Plattform an Stadtwerke, Gewerbetriebende und die Wohnungsbauwirtschaft“, sagte Dittrich. Dabei sollen nicht Stromnetzbetreiber, sondern auch Unternehmen mit eigenen Photovoltaikanlagen profitieren: Sie können das Lademanagement nutzen, um den Eigenverbrauch zu maximieren statt ihren Ökostrom vollständig ins Netz einzuspeisen.

Hardware stellt Urban Energy nicht her – die auf Künstlicher Intelligenz basierende Software dockt über das Internet an die Ladesäulen an. Genutzt würden dafür gängige Protokolle, sagt Dittrich. Gespräche mit ersten möglichen Kunden führe man bereits. Auch das aktuell erst fünfköpfige Team soll nun deutlich wachsen. Größere Projekte könne das Start-up aber bereits jetzt stemmen, verspricht Dittrich: „Wir können immer auf die Expertise von Adesso zurückgreifen.“

Der IT-Dienstleister tritt seit einiger Zeit stärker mit Beteiligungen an Start-ups an die Öffentlichkeit. So war Adesso vor knapp zwei Jahren beim Essener Start-up Socerwatch.tv eingestiegen. Zu den weiteren Beteiligungen gehören neben anderen das IoT-Unternehmen Com2m und das Gesundheits-Start-up Nucaria. Auch Phoenix Contact ist schon länger als Wagniskapitalgeber unterwegs – und hat bereits in fünf andere Start-ups investiert. Das Unternehmen ist zudem Geldgeber des High-Tech Gründerfonds und des regional ausgerichteten Technologiefonds OWL (Ostwestfalen-Lippe).