Das Start-up will IT-Fachkräfte projektweise an Unternehmen vermitteln – Investoren gehen mit. Dabei steigt das junge Team in einen umkämpften Markt ein. Wie sich die Gründer absetzen wollen.

Und plötzlich standen sogar wichtige Projekte still: Als die Corona-Krise viele Unternehmen im Frühjahr erreichte, spürten das auch die sonst erfolgsverwöhnten IT-Freiberufler. Lange Jahre ging es bei Stundensatz und Jahresumsatz stetig weiter nach oben – nun stagnierten diese Werte, wie eine Umfrage der Vermittlungsplattform Freelancermap zeigt. Insgesamt aber blicken die selbstständigen Programmierer und Analysten aber weiter optimistisch in die Zukunft. Ihr Fachwissen bleibt stark nachgefragt. Und viele Unternehmen sichern sich die teuren Spezialisten lieber auf Projektbasis.

Langfristig also weiterhin gute Signale für IT-Freelancer. Und damit auch für den lukrativen Markt der Fachkräftevermittlung. Zahlreiche digitale Plattformen wollen Firmen und Freiberufler zusammenbringen – und lassen sich diesen Service bezahlen. Relativ neu dabei ist das Berliner Start-up Upper. Seit einem halben Jahr ist die junge Firma dabei, etwa 750 Freiberufler sind nach eigenen Angaben registriert, als Referenzkunden weist die Homepage die ersten Tech-Unternehmen aus.

Finanzierung für den neuen Freelancer-Vermittler

Eine frisch abgeschlossene Finanzierungsrunde mit Hauptinvestor Cavalry Ventures und dem Risikokapitalgeber Another.vc aus dem Ruhrgebiet soll nun für Schwung sorgen. Dazu kommen der bulgarische Unternehmer Vassil Terziev sowie der ehemalige N26-Geschäftsführer Christian Rebernik als Business Angels. Das Gründerteam überzeuge durch seine fundierte Erfahrung und sein Know-how der Tech-Branche, lobt Claude Ritter, Delivery-Hero- und Book-a-Tiger-Mitgründer und heute Partner bei Cavalry Ventures.

Man sei „die Antwort auf den europaweiten IT-Fachkräftemangel“, heißt es in einer Pressemitteilung von Upper. Das Problem: Das wollen zahlreiche andere Plattformen auch sein. Zahlreiche größere Marktplätze wie Gulp, Projektwerk oder Malt sind schon seit einigen Jahren dabei, ihr Netzwerk aufzubauen. Andere Start-ups setzen auf eine Spezialisierung – TalentMonkey will vor allem Fachkräfte aus der Ferne vermitteln. Outvise nimmt seit dem vergangenen Jahr den deutschen Markt ins Visier, Expertlead bündelt ebenfalls die Kraft von freiberuflichen Techies. Und Honeypot gelang im vergangenen Jahr bereits ein lukrativer Verkauf an Xing.

Viel Mühe aufs Matching

Paul Friedrich, der Upper gemeinsam mit Victor Cazacu und Ivan Bernat gegründet hat, ist trotzdem optimistisch: „Wir wollen für Unternehmen die digitale Abteilung der Zukunft sein – und für Freelancer eine Plattform, um ihre gesamte Karriere zu managen“. Viel Wert legt das Berliner Start-up auf die passgenaue Vermittlung von Freiberuflern oder IT-Teams. Man schlage einem Unternehmen nicht 15 Kandidaten für ein Projekt vor, sondern eher einen, so Friedrich. „Das Matching wird von Experten gemacht, die selbst auf dem Level eines Chief Technical Officers sind“, sagt der Gründer. „Nichts gegen Recruiter, aber viele von ihnen können schwer erfassen, was genau in einem Projekt gebraucht wird.“

Aktuell castet das Start-up eifrig – unter anderem in den lokalen Tech-Szenen in Schweden, Bulgarien oder Rumänien. Die Ansprüche sind aber hoch: Nur etwa fünf Prozent der Freiberufler, die sich bei Upper bewerben, würden akzeptiert, sagt Friedrich. Beim Geschäftsmodell setzt das Team auf eine fixe Gebühr, nicht auf eine prozentuale Provision auf die Tagessätze der Freiberufler. Das solle die Transparenz für die Unternehmen erhöhen, so Upper.

Mit Schwung aus der Krise

Das frisch abgeschlossene Investment, dessen Höhe das Start-up nicht verrät, soll nun beim Ausbau der Plattform und beim Vertrieb helfen. Gestartet war Upper mitten in die Corona-Krise hinein. „Die Unsicherheit hat man stark gemerkt, die Unternehmen waren im Frühjahr sehr träge in ihren Entscheidungen“, berichtet Friedrich aus dem März und April.

Mittlerweile aber hätten die Digitalisierungsbestrebungen wieder an Fahrt aufgenommen. Das spürt auch Upper: „„Die Unternehmen haben gemerkt, dass sie weitermachen müssen und haben zugleich in den letzten Wochen die Vorteile der Remote Arbeit schätzen gelernt. Das merken wir vorallem daran, dass wir viele Anfragen von Unternehmen bekommen, die bis dato noch nicht mit Freelancern gearbeitet haben.”