„Ungeachtet aller theoretischen Gleichberechtigung herrscht also immer noch Diskriminierung, wenn auch unbeabsichtigt“, fasst Andreas Kuckertz zusammen – mit spürbar negativen Folgen für die Wirtschaft, der das Gründungspotenzial der Frauen verloren geht.

Die Politik muss Maßnahmen ergreifen

„Gründungsförderung kann nicht geschlechterneutral sein“, schlussfolgert das Expertenteam daher. Von der Politik fordern sie eine Reihe von Maßnahmen, um das Missverhältnis auszugleichen:

  1.  Gründerinnen im Tech-Bereich als Vorbilder prominent inszenieren: „Zum Gründen braucht man Vorbilder. Diese sind aber meistens männlich. Es gilt daher, durchaus vorhandene weibliche Vorbilder gezielt ins Rampenlicht zu rücken und auch einmal als Heldinnen zu inszenieren.“ Solche Rollenmodelle könnten eine Leuchtturmfunktion einnehmen und auch auf andere Städte und Industrien ausstrahlen, hofft Elisabeth Berger.
  1.  Frauen weiter speziell fördern: Zum Beispiel auch mit einer früh ansetzenden Förderung von Mädchen in den MINT-Fächern, die die nötigen Kenntnisse für Gründungen vor allem im Technikbereich vermitteln. Aber auch Veranstaltungen wie der Fempreneur Summit in Berlin können Gründungsinteresse fördern, denn ein Hochschulabschluss in den MINT-Fächern ist keine zwingende Voraussetzung für ein Tech-Startup. Gründungsinteressierte Frauen können sich stattdessen fehlende Kompetenzen auch durch Mitgründer oder Mitarbeiter dazu holen.
  1.  Frauen auch bei geschlechterneutralen Förderprogrammen gezielt ansprechen, ohne dabei in Stereotype zu verfallen: „Die Ansprache bei der Kommunikation von Fördermaßnahmen ist oft zu maskulin. Einige davon, wie zum Beispiel Hackathons (also ausgedehnte Veranstaltungen zur gemeinsamen Soft- und Hardwareentwicklung), werden oft als reine Männerveranstaltungen wahrgenommen.“ Man müsse daher Möglichkeiten und Kanäle finden, Frauen gezielt, aber frei von überzogenen Klischees, anzusprechen.

Geschlechtergerechtigkeit ist wichtig, reicht aber nicht aus

Überraschenderweise zeigte die Studie auch, dass ein hohes Maß an Gleichstellung in einer Gesellschaft nicht automatisch zu mehr Gründungen durch Frauen führt.

„Die USA zum Beispiel schneiden beim Gender Equality Index vergleichsweise schlecht ab. In punkto Gründerinnen liegen aber dennoch amerikanische Städte auf den ersten vier Plätzen, angeführt von Chicago mit einem Gründerinnenanteil von 30 Prozent“, berichtet Berger.

Ihr Fazit: Generelle Geschlechtergerechtigkeit bildet einen wichtigen Rahmen. Das ist die Pflicht. Um mehr Gründerinnen im Tech-Bereich zu fördern, muss die Gründungsförderung aber über Gleichstellung hinausgehen und spezifischer auf Frauen ausgerichtet sein.