Nur in jedem vierten Start-up besitzen Mitarbeiter Unternehmensanteile. Dahinter steckt unter anderem die Angst vor steuerlichen Nachteilen und bürokratischem Aufwand. 

Als Facebook im Jahr 2012 an die Börse ging, profitierten davon nicht nur Top-Angestellte wie die Geschäftsführerin Sheryl Sandberg, sondern auch eine ganze Reihe von Mitarbeitern. Die New York Times schätzte, dass rund 1000 der damals 3200 Mitarbeiter durch den Schritt zu Millionären wurden, weil sie zuvor Aktienoptionen ihres Arbeitgebers erhalten hatten.

Während in den USA solche Arten von Beteiligungen häufig vorkommen, sind sie in Deutschland nach wie vor eine Seltenheit. Das ergab eine aktuelle Befragung des Branchenverbandes Bitkom unter 300 Start-ups: Ihr zufolge halten in rund jedem zweiten Startup (46 Prozent) nur die Gründer Anteile. Mitarbeiter außerhalb des Gründungsteams sind nur in rund jedem vierten Start-up beteiligt. Dabei handelt es sich bei 72 Prozent um ein bis maximal vier Mitarbeiter, in 22 Prozent halten fünf bis 19 Mitarbeiter Anteile, bei sechs Prozent sind es mehr als 20. 

Gründe für Verzicht auf Mitarbeiterbeteiligung

Viel zu wenig, findet Jenny Boldt, Leiterin Start-ups beim Digitalverband Bitkom: „Start-ups konkurrieren mit mittelständischen oder weltweit operierenden Unternehmen um begehrte Fachkräfte – können in der Regel aber nicht  dieselben finanziellen Mittel aufbringen, wenn es um attraktive Vergütungspakete geht. Die Mitarbeiterbeteiligung kann gerade bei schnell wachsenden Unternehmen, wie es Start-ups sind, eine attraktive Alternative für alle Beteiligten sein.“

Start-ups, die auf eine Mitarbeiterbeteiligung verzichten, nennen dafür sehr unterschiedliche Gründe. So sagt jedes vierte, dass die Mitarbeiter klassische Gehaltszahlungen bevorzugen. Jeweils 17 Prozent haben sich mit dem Thema noch nicht beschäftigt oder halten den bürokratischen Aufwand von Mitarbeiterbeteiligungen für zu hoch. Jeweils 15 Prozent schätzen die rechtliche Lage als zu kompliziert ein oder wollen ihre eigenen Anteile nicht verwässern. 

Bürokratischer Aufwand und steuerliche Nachteile

Und 12 Prozent beklagen, dass Mitarbeiterbeteiligungsmodelle in Deutschland steuerlich unattraktiv sind. Nur vier Prozent glauben, dass durch eine Mitarbeiterbeteiligung die Entscheidungsprozesse langsamer werden. 

„Im internationalen Vergleich sind in Deutschland Mitarbeiterbeteiligungen zu unattraktiv – das reicht vom bürokratischen Aufwand bis hin zu sehr geringen steuerlichen Freibeträgen. Dazu kommt, dass der Steuerzugriff bereits zum Zeitpunkt der Anteilsübertragung stattfindet, selbst wenn dann noch gar kein Geld fließt“, so Jenny Boldt. „Hier müssen wir rasch nachsteuern, wenn wir im Wettbewerb um die klügsten Köpfe von Künstlicher Intelligenz bis Blockchain nicht abgehängt werden wollen.“

Im Januar dieses Jahres hatten sich mehr als 700 CEOs, Gründer, Investoren und Mitarbeiter europäischer Start-ups – unter anderem von Delivery Hero, N26, GetYourGuide und Raisin – zu dem Thema geäußert. Sie wiesen in einem offenen Brief der europäischen Initiative NotOptional auf die Mitarbeiterbeteiligungen für den europäischen Wirtschaftsstandort hin: Sie seien der Haupthebel, mit denen Start-ups um Fachkräfte konkurrieren könnten. Eine Reaktion seitens der Politik müsse schnell erfolgen: Einer Studie des Wagniskapitalgeber Index Ventures zufolge liegt Deutschland  in einer europaweiten Auswertung in Sachen Mitarbeiterbeteiligungen auf dem vorletzten Rang, schlechter präsentiert sich nur noch das Nachbarland Belgien.

Gründe für Mitarbeiterbeteiligung in Start-ups

1. Langfristige Mitarbeiterbindung (80 Prozent)
2. Zusätzliche Motivation der Mitarbeiter, den Erfolg des Start-ups voranzutreiben (79 Prozent)
3. Moralische Pflicht, die Mitarbeiter am Erfolg zu beteiligen (47 Prozent)
4. Wunsch, Personal zu rekrutieren, dessen Gehaltsvorstellungen man auf klassischem Weg nicht erfüllen könnte (46 Prozent)
5. Wunsch, Fixgehälter und damit die Personalkosten niedrig zu halten (34 Prozent).