Das Unternehmen will Mittelständlern eine Alternative zu großen Cloud-Diensten bieten. Mit einem ähnlichen Ansatz war ein anders Start-up krachend gescheitert.

„Jetzt erst recht“ müssen sich Matthias Bollwein und Roman Leuprecht gedacht haben, als Protonet Anfang 2017 Insolvenz anmeldete. Zwar verfolgte das Hamburger Start-up, das drei Jahre zuvor mit einem Crowdfunding-Rekord auf sich aufmerksam gemacht hatte, die im Kern selbe Geschäftsidee: kleinen Firmen mit eigenen Servern zur Unabhängigkeit von großen Online-Diensten verhelfen. Doch die Newcomer aus München waren überzeugt, es mit ihrer wenige Monate zuvor gegründeten Uniki GmbH besser zu machen. Nach einem Exist-Gründerstipendium und der Teilnahme an Accelerator-Programmen steckten sie aus eigener Tasche 200.000 Euro in ihr Unternehmen.

Heute steht fest: Das Durchhaltevermögen hat sich für Bollwein und Leuprecht ausgezahlt. Über 200 Unternehmen nutzten die Uniki-Server schon, eigenen Angaben zufolge schrieb das Start-up in diesem Jahr sogar Gewinne. Und gerade haben die Gründer mit dem halbstaatlichen High-Tech Gründerfonds (HTGF) einen renommierten Frühphaseninvestor für sich gewonnen. Eine Millionen Euro stehen dem aktuell sechsköpfigen Start-up nun an Wachstumskapital zur Verfügung.

Hardware von der Stange

Ein wesentlicher Unterschied zu Protonet: Uniki baut keine eigenen Servergehäuse, sondern stellt seine Elly getauften Systeme aus Standardkomponenten zusammen. Damit entfällt die teure Hardwareentwicklung. Ähnlich gehen die Münchener bei der Software vor: Sie konzentrieren sich darauf, bestehende Linux-Anwendungen auf ihrer Plattform zu integrieren. Viele davon sind Open Source und lange erprobt – oft gibt es auch passende mobile Apps. Bisher wurden knapp 50 Anwendungen angepasst. „Wir müssen das Rad nicht noch einmal neu erfinden“, sagt Bollwein. Protonet hatte dagegen eine eigene Kollaborations-Suite entwickelt.

Das Ergebnis ist indes ähnlich. Nutzer bekommen mit dem Server eine Art „private Cloud“: Daten liegen an einer zentralen Stelle, was die Zusammenarbeit vereinfacht – trotzdem verlassen sie das Unternehmen nicht. Für viele Firmen ist die externe Speicherung der große Hemmschuh bei öffentlichen Cloud-Diensten wie Slack, Dropbox oder Office 365. Denn werden personenbezogene Daten auf US-Servern abgelegt, kann datenschutzrechtlich problematisch sein. Und spätestens die Snowden-Enthüllungen hat gezeigt, dass sich Fremde durchaus Zugriff auf online gespeicherte Daten verschaffen können.

Umstieg auf ein Abo-Modell

Bisher verkauft Uniki seine Server für einen Einmalbetrag. „Das war in den ersten Jahren für unseren Cash-Flow nötig“, sagt Bollwein. Die größte Version, die für über 30 Nutzer ausgelegt ist, kostet 4000 Euro. Vertrieben werden die Geräte außer über die eigene Homepage auch bei Amazon und Conrad Electronic. Mit dem nun eingeworbenen Kapital wollen die Gründer das Vertriebsmodell umstellen: Künftig sollen Unternehmen monatliche oder jährliche Service-Gebühren zahlen. Im Gegenzug wird ihnen die Hardware kostenlos überlassen.

Das neue Preismodell soll dem Start-up helfen, nicht in dieselbe Falle wie Protonet zu laufen: Dort hatten zwar die Serververkäufe zunächst Geld in die Kasse gespült, doch regelmäßige Einnahmen für die Weiterentwicklung der Software fehlten. Wichtige Features wie mobile Apps ließen lange auf sich warten. Den Fehler korrigiert nun Protonet-Mitgründer Ali Jelveh: In einem Comebackversuch vertreibt er die einst für die organgefarbenen Serverboxen entwickelte Software als eigenes Produkt.