Denn je höher die Bewertungen steigen, desto schwerer wird es die Unternehmen mit einer weiteren Steigerung an die Börse zu bringen. Das musste auch Jack Dorsey erleben: Das vom Twitter-Chef gegründete Kreditkartenbezahldienst Square musste jüngst beim Börsengang eine geringere Bewertung hinnehmen als in der Finanzierungsrunde davor. Der Investmentfonds Fidelity hat in den Büchern den Wert seiner Beteiligung am Speicherdienst Dropbox um 31 Prozent reduziert und beim sozialen Netzwerk Snapchat ein Viertel des Wertes abgeschrieben.

„Wir werden tote Einhörner sehen“, warnt Bill Gurley, Partner des Risikokapitalgebers Benchmark Capital schon seit längerem. Unicorn-Erfinderin Lee hat schon wieder einen neuen Begriff für die womöglich anstehende Entwicklung gefunden: Unicorpse – eine Kombination aus Unicorn und Corpse, dem englischen Wort für Leiche.

Auch in Deutschland zeigt sich diese Entwicklung. So hatte mit HelloFresh – Rocket Internets wichtigste Beteiligung – überraschend einen schnellen Börsengang angekündigt und die Pläne kurze Zeit später wieder auf Eis gelegt. Wie es mit den geplanten Börsengängen von HelloFresh aber auch Delivery Hero weitergeht, wird eine der spannenden Fragen im kommenden Jahr.

Sollte es in den USA zu einem massiven Einhornsterben kommen, dürfte das auch die Investitionsfreude hierzulande dämpfen. Doch das muss nicht sein: Die deutschen Start-ups haben bislang von der Geldschwemme eher profitiert. „Es wird mehr in deutsche Start-ups investiert, da die Kosten und Bewertungen deutlich geringer sind, als in den USA“, sagt Dümichen.

So gab es in diesem Jahr eine ganze Reihe von prominenten VCs aus den Staaten, die sich an deutschen Start-ups beteiligt haben: Ob Peter Thiel bei EyeEm, Number26 und Kreditech, Yuri Milner bei SavingGlobal oder zuletzt Kleiner Perkins bei Relayr. Diese Entwicklung dürfte auch im kommenden Jahr anhalten, erwartet Dümichen: „Es gibt auch einen Lemming-Effekt, nachdem die ersten großen US-Fonds investiert haben, ziehen immer mehr nach“.