Start-ups wie Everdrop und Ecotab wollen mit ihren nachhaltigen Produkten großen Anbietern Konkurrenz machen. Die Investoren haben sie bereits überzeugt. 

2,3 Milliarden Euro. So viel gaben die deutschen Verbraucher laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens Nielsen im Jahr 2018 für Reinigungs- und Pflegemittel vom Geschirrspülmittel bis zum Haushaltsreiniger aus. Ein Wahnsinnsmarkt, der nach wie vor von großen Playern wie Procter&Gamble oder Henkel dominiert wird. Eingekauft werden die Produkte laut der Studie am liebsten beim Discounter – da, wo Plastikflasche an Plastikflasche im Regal steht.

Das wollen Christian Becker, Daniel Schmitt-Haverkamp und David Löwe ändern. Die drei Münchner sind Gründer von Everdrop. Mit ihrem Start-up haben sie Reinigungsprodukte in Tab-Form entwickelt, die die Nutzer anschließend einfach in Wasser auflösen können. In Papier verpackt und per Post verschickt, verspricht das Start-up  einen Verzicht auf viele überflüssige Behälter, die nach dem Verbrauch im Müll landen.

Online-Shop steht im Fokus

In großen Supermarktketten oder Drogeriemärkten sind ihre Reinigungsmittel aktuell noch nicht erhältlich. Wer sie kaufen will, muss das online tun oder in einem Unverpackt -oder einem Bio-Laden. Vor dem Sprung in den großen stationären Handel haben sich die Gründer erst einmal die Internationalisierung auf die To-do-Liste geschrieben. Nach Deutschland und Österreich wolle man noch in diesem Jahr in fünf bis acht weitere europäische Länder expandieren, so Co-Gründer David-Löwe gegenüber WirtschaftsWoche Gründer. 

Dabei helfen soll eine Seed-Finanzierung, die das Start-up dieser Tage publik machte. Das Geld kommt von HV Holtzbrinck Ventures. In einer vorangegeben Runde hatten sich bereits Business Angels wie die Gründern von Lillydoo, Lesara und Flaconi beteiligt. Wie viel Geld genau geflossen ist, wollen die Gründer nicht verraten. Es handele sich um „eine Summe im signifikanten siebenstelligen Bereich“.

Erweiterung des Sortiments geplant

„Innerhalb kurzer Zeit hat sich Everdrop als führende, nachhaltige B2C-Marke etabliert und erreicht, dass Verbraucher kunststofffreie Konsumgüter anders nutzen und denken als bisher. Mich begeistert zudem, dass Everdrop das Potenzial hat, den Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit als führende Kraft voranzutreiben”, begründet David Stefan Fischer von HV Holtzbrinck Ventures das Investment.

Neben der Internationalisierung plant das Start-up auch eine Erweiterung des Sortiments. Unter anderem entsteht ein nachhaltiges Waschmittel, das verspricht durch ein intelligentes Wasserhärte-Konzept bis zu 50 Prozent unnötiger Tenside einzusparen. In den sozialen Netzwerken, wo Everdrop besonders stark für sich wirbt und auch Influencer-Partnerschaften eingegangen ist, fragen Nutzer bereits nach einem WC-Reiniger. Dazu will sich David Löwe nicht äußern: „Zu den weiteren Produkten, die wir entwickelt haben, darf ich leider noch nichts verraten.“

Eigenen Angaben zufolge nutzen bereits über 100.000 Kunden die Produkte von Everdrop: „Das bedeutet, dass wir nicht nur über 1,5 Millionen Einwegplastikflaschen eingespart haben, sondern darüber hinaus auch die vielen unnötigen CO2 Emissionen, die bei herkömmlichen Putzmitteln durch den Transport von Wasser entstehen.“

Konkurrenz kämpft um gleichen Kundenkreis

Wie nachhaltig der Erfolg von Everdrop sein wird, wird sich zeigen. Immerhin sind die Münchener nicht der einzige Anbieter auf dem Markt: Nicht nur andere Start-ups, wie Ecotab, überzeugten zuletzt Verbraucher und Investoren mit dem gleichen Konzept, auch etablierte Firmen wie Frosch setzen auf das Thema Umweltschutz. David Löwe hält das für kein Hindernis: „Wir sehen uns eigentlich primär als einen weiteren nachhaltigen Player, nur das wir uns auf Online fokussieren. Der Markt ist definitiv groß genug. Ich glaube sogar, je mehr nachhaltigen Unternehmen sich auf dem Markt etablieren, desto mehr wachsen das Bewusstsein und das Interesse bei den Verbrauchern – das ist gut für uns Unternehmer und für die Umwelt.“