Mit Software zu mehr Strom: Das Münchener Start-up simuliert Speicher virtuell. Das macht nicht nur die Autobranche neugierig – sondern auch immer mehr Investoren.

Das Thema Elektromobilität nimmt weiter an Fahrt auf: Mehr Prämien für E-Autos werden geprüft, große Konzerne wollen in die Batteriefertigung einsteigen, einige Hersteller setzen sich Zielmarken bis zur klimaneutralen Flotte. Diese Entwicklung verändert die gesamte Zulieferkette in der deutschen Schlüsselbranche. Einige deutsche Start-ups profitieren davon.

Das Münchener Digitalunternehmen Twaice, gegründet im Sommer 2018, arbeitet etwa an einer Software, die Batterien digital abbildet und so eine präzisere Analyse von Ladestand und Lebensdauer ermöglichen soll. Weil die Kundennachfrage nach eigenen Angaben rascher steigt als erwartet, hat das Start-up jetzt noch einmal Geld an Bord geholt.

Die eigentlich im vergangenen Herbst abgeschlossene Anschubfinanzierung über 1,2 Millionen Euro wurde nun um weitere zwei Millionen Euro aufgestockt. Ursprünglich hatte Twaice mit mühsamen und langwierigen Vertriebsgesprächen gerechnet, nach der Bekanntgabe der Finanzierungsrunde seien jedoch schnell viele konkrete Kundenprojekte entstanden, heißt es auf Nachfrage.

Mit dem Geld soll nun vor allem das Team deutlich ausgebaut werden. 22 Mitarbeiter – überwiegend Technologie-Spezialisten – arbeiten aktuell für das Start-up. Bis zum Jahresende soll sich diese Zahl verdoppeln, auch das Vertriebs-Team soll deutlich gestärkt werden.

Von der Uni in den Lastwagen

Die Software, die aus einem Forschungsprojekt der TU München entstanden ist, sei bereits in einer breiten Palette von Anwendungen im Einsatz, teilt Twaice mit. Aktuell reiche die Bandbreite von Stromspeichern für Kettensägen über die Fahrzeugbatterien bis hin zu stationären Stromspeichern mit einer Kapazität von 1,6 Megawattstunden. In Zukunft wolle man „analog zur Marktdurchdringung der gesamten Industrie mit Elektroantrieben“ wachsen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Von den Entwicklungen im Automobilsektor will aber nicht nur Twaice profitieren. Das fränkische Start-up Smart Battery Solutions setzt auf Speicher für elektrische Kleinfahrzeuge und vermeldete in dieser Woche einen neuen Investor. Mit der Lidar-Technologie arbeitet sich Blickfeld in die Zulieferkette für autonome Fahrzeuge vor.

Neuer Investor an Bord

Bei Twaice ist jetzt auch der Risikokapitalgeber Cherry Ventures eingestiegen. Die Berliner sind unter anderem auch Software-Start-ups wie dem Logistikportal Freighthub oder der Kfz-Werkstatt-Plattform Caroobi beteiligt. Die bestehenden Twaice-Investoren, UVC Partners und Speedinvest, erhöhten ihre Einlage aus dem Herbst noch einmal.

Das Start-up konnte mit seiner Technologie nicht nur einige Investoren, sondern auch bereits Jurys überzeugen. Im vergangenen Sommer wurde Twaince im Gründerwettbewerb des Bundeswirtschaftsministeriums ausgezeichnet. Vor einigen Wochen landete Twaice zudem unter den zehn ausgezeichneten Start-ups des European Startup Prizes for Mobility – dahinter stecken unter anderem das Europäische Parlament sowie die Europäische Kommission.