Im Januar ging das Start-up Number26 mit dem Slogan „Europas modernstes Girokonto“ an den Markt und wirbt mit einem kostenlosen Mobile-Konto. Damit haben sie auch Starinvestor Peter Thiel überzeugt.

Von Katharina-Luise Kittler

Die beiden Gründer, Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal, versprechen, dass Kunden ihr Konto mit Number 26 innerhalb von acht Minuten eröffnen können – ganz ohne komplizierte Verifikationstechniken wie PostIdent und seitenlange Formulare. Damit haben sie Starinvestor Peter Thiel überzeugt, er hat sich über seinen Fonds Valar Ventures beteiligt und eine Finanzierungsrunde über 10,6 Millionen Dollar angeführt. Wie das ganze funktioniert und ob Mobile Banking das Banking der Zukunft ist, hat Maximilian Tayenthal Wirtschaftswoche Gründer erzählt.

WirtschaftsWoche Gründer: Herr Tayenthal, Sie bieten mit Number26 ein Konto an, das komplett über das Smartphone gesteuert werden kann. Wie wollen Sie Kunden gewinnen, wenn immer noch mehr als die Hälfte der Deutschen lieber mit Bargeld bezahlen?

Maximilian Tayenthal: Damit haben Sie vollkommen Recht. Der Trend hin zum Mobile Banking und bargeldloser Bezahlung ist ein langsamer aber ein stetiger. Unsere junge Zielgruppe will unkompliziert von jedem Ort der Welt Überweisungen tätigen und ihren Finanzstatus einsehen. Selbstverständlich kann aber auch weltweit kostenlos Geld abgehoben werden.

Diese Finanzdienstleistungen bieten ja auch die etablierten Banken an. Was unterscheidet Number26 konkret vom Online-Banking?

Number26 wurde speziell für Smartphone-Nutzer entwickelt und die gesamte Nutzererfahrung dahingehend optimiert. Die Bedienung eines Girokontos am Smartphone war noch nie so einfach und schnell. Unser Girokonto kann komplett am Smartphone eröffnet werden – in nur wenigen Minuten. Sie bekommen für jede Kontobewegung eine Push-Benachrichtigung auf ihr Smartphone. So müssen Sie nicht mehr die ganzen Belege aufheben und können sich am Ende jedes Monats anschauen, wie viel Geld Sie für was ausgegeben haben. Geld kann super einfach an Freunde und Bekannte gesandt werden, ohne vorher nach deren IBAN oder BIC zu fragen. Statistiken helfen, ihre Ausgaben besser vergleichen zu können. Darüber hinaus ist das Konto komplett kostenfrei und sie können damit weltweit an nahezu allen Bankautomaten kostenlos Bargeld abheben.

Welche Dienstleistung bietet Number26 denn neben der des Girokontos an?

Wenn unsere Kunden ein Konto bei uns eröffnen, bekommen sie auch eine MasterCard, mit der sie überall auf der Welt bezahlen und kostenlos Geld abheben können. Wir arbeiten momentan noch an einer Maestro-Karte, die soll unseren Kunden in den nächsten zwei bis drei Monaten zur Verfügung stehen.

Die kompletten Leistungen von Number26 sind kostenlos. Wie finanziert sich das Start-up?

Wir haben Investoren gefunden. Davon finanzieren wir uns auch zum großen Teil. Natürlich verdienen wir auch an den Händlern, wo mit unserer MasterCard bezahlt wird. Ein Teil dieser Gebühren fließt dann an uns. Wir denken aber auch über mögliche Kooperationen mit anderen Unternehmen nach, um weitere Produkte, zum Beispiel im Savings-Bereich, anbieten zu können.

Bei ein Konto zu eröffnen, scheint ziemlich einfach. Durch eine Video-Verifikation wird der Kunde identifiziert. Wie garantieren Sie Ihren Kunden Sicherheit?
Grundsätzlich erfüllen wir alle banküblichen Sicherheitsstandards. Die Kunden werden aufgefordert, ihr Konto mit ihrem Smartphone verknüpfen, sodass nur mit diesem Handy auf das Konto zugegriffen werden kann. Außerdem wählen die Kunden, wenn Sie sich bei uns angemeldet haben, eine Pin für ihre MasterCard, der dann zusätzlich auch bei der Autorisierung einer Überweisung in die App eingegeben werden muss. Sollte doch einmal ein Fremdzugriff auf das Konto stattfinden, werden die Kunden selbstverständlich entschädigt – wir haben dies aber trotz zehntausender Transaktionen noch nie gesehen.
Was war Ihre Motivation Number26 ins Leben zu rufen?

Grundsätzlich ist es schwer ein neues Unternehmen in einem Markt zu etablieren, der kapitalintensiv und stark reguliert ist. Aber mein Mitgründer und ich hatten Anfang 2013 die Idee, Banking grundsätzlich neu zu gestalten. Wir waren mit dem bisherigen Angebot aus Kundensicht unzufrieden – wie es übrigens viele andere Menschen auch sind. Daraus entsteht eine Wechselstimmung. Gerade junge Leute legen Wert auf Flexibilität, die traditionelle Banken, gerade mit Blick auf das mobile banking, nicht bieten können.