Mit seinen Probiersets für Lebensmittel überzeugte Jörn Gutowski in der „Höhle der Löwen“. Warum es am Ende trotzdem nicht zu einem Investment kam.

Reisen bildet, heißt es, und im Falle des Gründers Jörn Gutowski bescherte ihm sein Unterwegssein sogar eine Geschäftsidee: Durch seinen Job bei einer Bildungseinrichtung im Non-Profit-Bereich entdeckte er die Welt und entwickelte dabei ein starkes Interesse an guten und ausgefallenen Lebensmitteln.

Um diese auch anderen Menschen zugänglich zu machen, gründete er im Sommer 2013 sein Start-up Try Foods, mit dem er Probiersets verschiedener Produkte wie Essig, Öl, Salz und Schokolade anbietet; alles von kleinen Produzenten, abseits der bisher bekannten Marken. Um die Löwen auf den Geschmack zu bringen – der Berliner hoffte aus 100.000 Euro für 20 Prozent – ließ er sie während des Pitches feinste Salze aus Australien, Indien und Bolivien verkosten.

Mit Erfolg: Jochen Schweizer fand seine Idee „genial und extrem smart“, Frank Thelen lobte den gelungenen Auftritt. Auch die Tatsache, dass Jörn Gutowski jedem Probierset ein Booklet mit Hintergrundinfos beifügt, durch das die Kunden mehr über das Thema ihrer Bestellung lernen, kam bei den potenziellen Investoren gut an. Gleich drei Löwen wollten mit ihm zusammenarbeiten: Am Ende entschied sich der 39-jährige Gründer für Frank Thelen – und gegen Jochen Schweizer und Frank Dümmel.

Herr Gutowski, wie kamen Sie auf die Idee zu Try Foods?

Ich war in einem Feinkostladen und wollte mir ein sehr gutes Olivenöl gönnen. Die Auswahl war riesig, aber statt über die Fülle an Angeboten glücklich zu sein, überforderte sie mich geradezu. Im Gespräch mit Freunden kam ich darauf, dass das vielen so geht. Bei einer Recherche fand ich heraus, dass es bisher kein Unternehmen gab, das sich diesem Konsumentenproblem widmet. Ich wollte mich ohnehin schon länger selbstständig machen, fand die Vorstellung toll, etwas von Anfang an aufzubauen, meine eigenen Entscheidungen zu treffen und alleine für Erfolg und Misserfolg der Idee verantwortlich zu sein – also gründete ich Try Foods.

Die „Bild“-Zeitung schrieb kürzlich, dass „Die Höhle der Löwen“ deutlich weniger Deals zustande bringe als im TV verkündet wird – wie ging es bei Ihnen mit Ihrem Investor Frank Thelen weiter?

Tatsächlich ist auch diese Beteiligung nicht zustande gekommen – Frank Thelen und ich hatten einfach unterschiedliche Vorstellungen und haben am Ende beschlossen, dass eine Zusammenarbeit, wie sie angedacht war, so keinen Sinn ergeben würde. Da er aber weiterhin sehr von meinem Konzept überzeugt ist, hat er mir ein Darlehen gegeben, dank dessen ich die Produkte vorproduzieren lassen konnte, und mir zusätzlich mit seinen Kontakten geholfen. Ich persönlich finde es auch nicht verwunderlich oder verwerflich, dass viele Investitionen nicht so zustande kommen, wie es während des Pitches angedacht war,  schließlich kennen sich Löwen und Gründer noch nicht und die Löwen haben keine Hintergrundinformationen zum Unternehmen. Es ist also logisch, dass man sich erst austauschen und gemeinsame Wege und Ideen entwickeln muss – manchmal klappt das, manchmal eben nicht. Das ist aber bei jedem anderen Investor auch so – da gibt es ebenfalls meistens mehrere Gesprächsrunden – und hat nichts mit dem Fernsehformat zu tun. Bei der Zusage während der Sendung handelt es sich darum wohl eher um eine Absichtserklärung als um einen echten Deal.

Bereuen Sie Ihre Entscheidung für Frank Thelen?

Nein, überhaupt nicht. Grundsätzlich bin ich kein Mensch, der im Nachhinein mit einer Entscheidung hadert. Natürlich wäre ein Investment ein toller Mehrwert für Try Foods gewesen, aber meine Produkte sind nicht so schnell skalierbar, weshalb auch ein nachhaltiges Wachstum, dass nicht gleich innerhalb einiger Monate explodiert, völlig okay.

Wer sind Ihre Kunden?

Eine Analyse der Käufer ergab, dass etwa zwei Drittel in Großstädten leben. Doch gleich ob vom Land oder aus dem urbanen Raum – alle haben gemeinsam, dass sie Wert darauf legen, dass ein Lebensmittel gut und fair produziert ist und sie beim Kochen und Essen ein gutes Gewissen haben können. Die meisten von ihnen haben allerdings keine Zeit, sich alleine im Geschäft durch das breite Angebot zu probieren, und an dieser Stelle komme ich ins Spiel: Ich sehe mich als eine Art Kurator, der für die Kunden eine Vorauswahl trifft und ihnen so den Zugang zum Genuss erleichtert.

Frank Thelen riet Ihnen während des Pitches, verstärkt auf den Aufbau einer Online-Marke zu setzen, Videos zu drehen, sich bei Instagram zu engagieren – haben Sie diese Idee bisher umgesetzt?

Ich stimme Frank Thelen grundsätzlich zu, aber ich sehe auch, dass so ein Vorgehen jede Menge Geld kostet. Noch betreibe ich Try Foods weiterhin fast vollständig alleine und werde erst abwarten, wie sich das Geschäft im Zuge der Ausstrahlung entwickelt. Ich bin darum bezüglich großer Ausgaben noch ein wenig vorsichtig und habe zunächst nur Geld in die Produktion neuer Sets gesteckt. 9000 habe ich auf Lager, das ist immerhin fast das Doppelte von dem, was ich im vergangenen Jahr verkauft habe.

Welche Pläne haben Sie für Try Foods?

Ich möchte mein Sortiment gerne ausweiten, mit einer besseren Lieferkette könnte ich mir beispielsweise vorstellen, auch Produkte anzubieten, die gekühlt werden müssen, wie Käse und Schinken. Spannend wäre auch, typische Erzeugnisse verschiedener Städte und Regionen anzubieten, so wie ich es jetzt schon mit meinem Berlin-Paket mache, das unter anderem Blutwurst, Honig und Berliner Weisse enthält.