Als Marktplatz für Handelsforderungen konnte Trust Bills unter anderem die Deutsche Bank als Investor gewinnen. Jetzt muss sich die Firma neu aufstellen.

Das Hamburger Fintech Trust Bills muss sich im Zuge eines Insolvenzverfahrens umstrukturieren. So steht die Muttergesellschaft unter Aufsicht eines Insolvenzverwalters, wie aus einer Mitteilung des Amtsgerichts Bielefeld vom vergangenen Donnerstag hervorgeht. Zuerst berichtete das Finanzportal „Finanz-Szene.de“. Demnach sei das operative Geschäft, das über die Tochtergesellschaft Trust Bills Marketplace läuft, nicht gefährdet.

Das 2015 gegründete Fintech arbeitet an einer digitalen Auktionsplattform, auf der Lieferanten offene Rechnungen verkaufen können. Mit diesem Marktplatz für Handelsforderungen richtet sich Trust Bills an Investoren und Vermögensverwalter. Hinter dem Konzept stehen namhafte Investoren, die ihr eigenes Firmenkundengeschäft aufzuwerten versuchen: So beteiligte sich die DZ Bank mit 25 Prozent an dem Start-up, zudem sicherte sich die Deutsche Bank 2017 einen Anteil von 12,5 Prozent, wie das „Handelsblatt“ (€) berichtete.

Als Ursache für den überraschenden Insolvenzantrag werden Konflikte unter den Gesellschaftern vermutet, wie aus übereinstimmenden Medienberichten hervorgeht. Geschäftsführer von Trust Bills sind Jörg Hörster (im Bild) und Johannes Ulbricht.

Fintech-Szene ordnet sich neu

In eine Insolvenz rutschte im vergangenen Jahr auch das Berliner Fintech Cringle. Im Oktober wurde bekannt, dass die Suche nach Investoren erfolglos verlief und der Bezahldienst seinen Betrieb endgültig einstellt. Insgesamt ist ein Umbruch in der deutschen Fintech-Szene zu spüren. So wagte sich etwa Raisin, in Deutschland unter dem Markennamen Weltsparen bekannt, im März mit einem ungewöhnlichen Deal vor und kaufte die Frankfurter MHB-Bank. Anfang April vermeldete die Digitalbank Penta, künftig unter dem Dach der Fintech-Schmiede Finleap zu arbeiten.