Viele Stornierungen, aber keine Panik: Das Wiener Start-up findet passende Angebote für Reisegruppen. Investoren stellen mitten in der Krise neues Kapital bereit.

Die Zahlen sind dramatisch: 95,7 Prozent der deutschen Reise-Start-ups sehen sich durch die Coronakrise in ihrer Existenz gefährdet. Das zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage des Bundesverbands Deutsche Startups. Globale Reiseverbote und Zwangsschließungen von Hotels sorgen dafür, dass Buchungen weltweit massiv zurückgehen. Das in Wien ansässige Tripmakery, eine Buchungsplattform für Gruppenreisen, will jedoch nicht zu schwarzmalen. Natürlich sei man stark betroffen, sagt Mitgründer Ajmal Said gegenüber WirtschaftsWoche Gründer: „‘Stornierung wegen Corona‘-Emails erhalten wir täglich.“ Ein paar Mitarbeiter im Kundenservice hat das Start-up in Kurzarbeit geschickt, die anderen kümmern sich um die Anfragen von nervösen Kunden.

Dennoch sei der Umsatz nach den Rekordmonaten Januar und Februar keineswegs auf null gefallen. „Das liegt vor allem daran, dass Gruppenreise lange im Voraus geplant werden“, sagt Said. Wer in einem halben Jahr mit zehn Freunden oder mehr im Herbst nach Barcelona will, kümmert sich vielleicht doch heute schon um die die passenden Unterkünfte. „Die Lage ist für unsere Kunden nicht so zeitkritisch wie für Individualreisende“, sagt Said.

Wichtiges Kapital gegen die Liquiditätskrise

Mitten in der größten Krise der Touristik seit Jahrzehnten konnte das Start-up zudem eine Finanzierungsrunde abschließen. Die dürfte akute Liquiditätsprobleme, die viele junge Tech-Unternehmen in diesen Wochen fürchten, für eine Zeit ausräumen. Ein nicht näher bezifferter sechsstelligen Betrag fließt an Tripmakery. Das Geld stammt von dem österreichischen Investment-Vehikel Primecrowd. Dahinter steht ein Netzwerk von Privatinvestoren, die sich bereits mit Beträgen ab 10.000 Euro einbringen können – gebündelt wird das Kapital dann in Start-ups investiert.

Man sehe ein „klares, einfaches und sehr gut skalierbares Produkt, das im europäischen Markt ein Pionier ist“, begründet Primecrowd-Manager Ronald Rapberger das Investment. Die Beteiligung genau zu diesem Zeitpunkt unterstreiche das Vertrauen in das Produkt und das Gründerteam um Ajmal Said und Robert Sasse. Vor zwei Jahren hatten Risikokapitalgeber wie Speedinvest, aber auch Business Angels wie die Hotel.de-Gründer Tripmakery eine Million Euro zur Verfügung gestellt.

Hoffen auf standfeste Hoteliers

Die zwangsweise ruhigere Zeit aktuell will das Wiener Start-up nun dafür nutzen, um intensiv an der Plattform zu arbeiten. „Nach einer Schockwelle haben viele unserer Partner nun auch mehr Zeit, um engere Partnerschaften zu besprechen“, berichtet Said. 65.000 Hotels, Pensionen und andere Unterkünfte für Gruppenreisende sind nach eigenen Angaben aktuell auf der Plattform gelistet. Auch hier ist unklar, welche Spuren die Krise hinterlassen wird: Aktuell brechen vielen Betrieben die laufenden Umsätze fast vollständig weg – trotz einiger kreativen Ideen. Doch Said ist auch hier optimistisch, dass sich die Auswahl für Gäste in einigen Wochen nicht massiv verkleinern wird: „Wir glauben, dass die meisten Hotels gut geführt sind und auch diese Krise überstehen werden.“