Vier von fünf Gründer bringen eigenes Geld in ihr Start-up ein, zeigt eine Studie. Regional gibt es Unterschiede: In Berlin sind Business Angels besonders aktiv, im Osten ist staatliche Förderung wichtig.

Die Idee ist da, das Kapital für Produkt, Büro, Mitarbeiter und Lebensunterhalt muss folgen für eine Gründung. Und in der überwiegenden Zahl der Fälle investieren Gründerinnen und Gründer die eigenen Ersparnisse, um ihr Unternehmen anzuschieben. Knapp über 80 Prozent aller Start-ups nutzen das eigene Vermögen des Gründungsteams, um ihr Unternehmen aufzubauen. Das zeigt der in dieser Woche erschienene Trendreport Kapital und Finanzierung. Für den haben der Bundesverband Deutsche Startups und der Datenanbieter Statista die Ergebnisse des jüngst erschienenen Start-ups-Monitors noch einmal ausführlicher aufgeschlüsselt und auf Regionen heruntergebrochen.

Bundesweit ist dabei tatsächliches Eigenkapital der häufigste Bestandteil der Start-up-Finanzierung, wie die Umfrage unter knapp 1300 jungen Unternehmen zeigt. Häufig setzen Start-ups in der ganz frühen Phase auf die eigenen Ersparnisse – und machen sich dann auf die Suche nach weitergehender finanzieller Unterstützung. Manche Firmen erwirtschaften bereits so früh relevante Umsätze, dass sie kein Kapital mehr aufnehmen müssen. In diesen Fällen spricht man vom sogenannten Bootstrapping eines Start-ups.

Freunde und Fördergeder helfen weiter

Wer schneller wachsen will, braucht jedoch Finanzspritzen, bevor die Firma profitabel arbeitet. In etwa jedes dritte Start-up guckt sich bei der Kapitalsuche ebenfalls noch in der unmittelbaren Nähe der Gründer um: „Family and Friends“ werden von über 30 Prozent der Start-ups als Finanzierungsquelle genannt. Der Staat ist ebenfalls ein durchaus relevanter Akteur: In den meisten Regionen liegt der Anteil an Fördermitteln – etwa durch das Exist-Stipendium oder seltener durch gezielte Forschungszuschüsse – bei gut 30 Prozent. Start-ups, die aus dem Osten der Bundesrepublik kommen (die Hauptstadt Berlin ausgeschlossen) nutzen zu 61 Prozent staatliche Fördergelder.

Die Untersuchung zeigt auch, wie wichtig sogenannte Start-up-Ökosysteme sind: Erfolgreiche Unternehmer bleiben häufig auch nach einem Verkauf mit der Gründerszene verbunden. Und investieren ihr Geld überdurchschnittlich oft in junge Start-ups. Als Business Angel sind sie so mit Kapital und Know-how in der frühen Phase wichtige Ansprechpartner. In Berlin, wo sich schon seit vielen Jahren erfolgreiche Unternehmer – etwa aus dem Rocket-Universum – tummeln, ist diese Investment-Art bereits sehr etabliert. 41 Prozent der Berliner Start-ups berichten, dass sie Kapital von privaten Geldgebern eingeworben haben.

Externes Risikokapital ist noch die Ausnahme

Im Norden liegt dieser Wert nur 14 Prozent, trotz wohlhabender Familien etwa in und um Hamburg. Im Süden haben 16 Prozent der Start-ups Business Angels an Bord, im Westen jedes fünfte und im Osten fast jedes Vierte. In vielen Regionen gibt es aber Initiativen, diese Investment-Klasse populärer zu machen. Denn bei fünfstelligen oder niedrigen sechsstelligen Summen pro Beteiligung können durchaus auch andere wohlhabende Bevölkerungsgruppen mitmischen.

Erst in späteren Phasen kommen dagegen bei vielen Start-ups institutionelle Investoren zum Einsatz. Etwa jedes siebte oder achte Start-up hat Risikokapital von Finanzinvestoren, Konzernen oder Acceleratoren eingeworben. Hier zeigt sich, dass sich kurze Wege zwischen Start-up- und Investoren-Büros oft auszahlen: Berliner Start-ups sind überdurchschnittlich oft mit Venture Capital ausgestattet.